Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal lässt nicht locker - und fordert weiterhin Schulschließungen. © Stephan Schütze (A)
Dortmunds Schließungs-Vorstoß

Eltern zu Kita-Plänen: „Wenn Herr Westphal die Betreuung übernimmt…“

Nach dem Kita-Vorstoß der Stadt Dortmund sind viele Eltern sauer auf Oberbürgermeister Thomas Westphal. Einige würden ihm am liebsten die Kinder vorbeibringen am Montag.

„Können Sie das bitte auch mit meinem Arbeitgeber abklären, Thomas Westphal, eventuell noch vor meinem Arbeitsantritt am Montag um 8 Uhr?“

Dieser Kommentar auf der Facebook-Seite unserer Redaktion ist typisch für die Reaktion vieler Eltern auf die Schließungs-Pläne der Stadt Dortmund.

Oberbürgermeister Westphal hatte beim Land NRW erneut einen Antrag gestellt: Ab Montag sollten die Schulen geschlossen bleiben, also komplett in den Distanzunterricht wechseln.

„Hauptsache, die Friseure bleiben auf“

Und, als neuer Zusatz: Die Kitas sollten schließen. Die Antwort eines Vaters auf Facebook: „Kein Problem. Wenn Herr Westphal die Kinderbetreuung übernimmt, können wir das machen.“

„Kitas und Schulen zu, aber Hauptsache die Friseure bleiben auf. Nobel geht unsere Stadt zugrunde…“, lautet ein anderer Kommentar.

Andere Nutzer gingen ein auf „die Schlangen in und vor Geschäften“ sowie „überfüllte Busse und Bahnen“, wo das Ansteckungsrisiko doch sicher höher sei. Deutliche Kritik gab es aber nicht nur in den Sozialen Netzwerken.

Verwunderung bei offizieller Elternschaft

Dortmunds Oberbürgermeister erhielt auch ein offizielles Schreiben – nur wenige Stunden, nachdem er seine Schließungspläne öffentlich gemacht hatte, die letzten Endes vom Land ja wieder einkassiert wurden.

Absender des Schreibens: die offiziellen Vertreter der Elternschaft in Dortmund, der Jugendamtselternbeirat. Wieso sei man nicht mit einbezogen?

Warum nur für systemrelevante Eltern?

„Viele Eltern sind nach wie vor auf die Betreuung angewiesen“, hieß es dort vom Gremium um den Vorsitzenden Said Kassem. Den Vorstoß, „ausschließlich für Eltern in systemrelevanten Berufen Betreuung zu ermöglichen“, würde zu einer Situation wie im Frühjahr 2020 führen: Viele würden sauer sein.

Was ist denn mit der Verkäuferin?

Immerhin müssten auch „Eltern arbeiten, die nicht vom Lockdown betroffen sind, aber nicht zur systemrelevanten Gruppe gehören.“

Kassems Stellvertreterin Melanie Unger im Gespräch mit unserer Redaktion: Was solle denn eine Verkäuferin machen, die nicht in einem systemrelevanten Bereich arbeite, aber Montag genauso wie Supermarkt-Mitarbeiter wieder zur Arbeit müsse?

„Wer soll das an einem Freitag schaffen?“

Viele wären nun „in großen Schwierigkeiten“ gewesen, heißt es weiter im Schreiben an Westphal, denn sie hätten ja „bis Montag die Kinderbetreuung umorganisieren müssen“. Die deutliche wie kritische Frage dazu: „Wer soll dieses an einem Freitag denn schaffen?“

Man rate der Stadt deshalb von einem solchen Antrag ab und bekräftigte: „Wir würden Ihnen bei künftigen Entscheidungen in diesem Bereich anbieten, vorher mit dem Jugendamtselternbeirat das Gespräch zu suchen.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jahrgang 1977 - wie Punkrock. Gebürtiger Sauerländer. Geborener Dortmunder. Unterm Strich also Westfale.
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Björn Althoff

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