„Eklatante Entwicklung“: Das Apothekensterben in Dortmund wird immer schlimmer

dzGesundheitsversorgung

Die Apotheken befinden sich in einer schwierigen Situation. Insbesondere auf dem Land greift das Apothekensterben um sich, aber auch in Dortmund ist die Entwicklung besorgniserregend.

Dortmund

, 02.02.2020, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Im vergangenen Jahr wurden deutschlandweit 348 Apotheken geschlossen. Ein vergleichbarer Rückgang sei laut der Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände innerhalb eines Jahres noch nie verzeichnet worden. Auch in Dortmund führt dieses Apothekensterben zu Problemen.

„Die grundsätzliche Entwicklung in der Apothekenlandschaft ist eklatant“, konstatiert der Inhaber der Patroklus-Apotheke Dr. Felix Tenbieg.

Nachfolger sind schwer zu finden

Zwar sei das Apothekensterben in Dortmund noch nicht so schlimm, wie beispielsweise auf dem Land, allerdings verzeichne man auch in der Stadt eine deutliche Tendenz: „Dadurch, dass ältere Kollegen in den Ruhestand gehen und sich keine Nachfolger finden lassen, gibt es auch in Dortmund immer weniger Apotheken“, so Tenbieg.

Jetzt lesen

Anfang 2003 existierten in Dortmund laut Sebastian Sokolowski von der Apothekerkammer Westfalen-Lippe noch 166 Apotheken. Im Januar 2010 waren es noch 150. Dies entspricht einem Rückgang von 9,6 Prozent. Dass die Apothekendichte in den vergangenen Jahren allerdings deutlich stärker abgenommen hat, verdeutlicht die Entwicklung der Zahlen in den zurückliegenden zehn Jahren.

Seit 2010 haben Sokolowski zufolge bis zum jetzigen Zeitpunkt weitere 44 Apotheken ihre Türen geschlossen. Demgegenüber stehen lediglich 10 Eröffnungen. In den letzten fünf Jahren habe sogar nur eine Filiale neu aufgemacht. Das Resultat: Ein Rückgang von 22,7 Prozent.

„Apotheken sind häufig nicht mehr wirtschaftlich“

Eine eigene Apotheke zu verantworten werde laut Tenbieg zunehmend unattraktiv: „Zahlreiche politische Reformen haben dazu geführt, dass die Apotheker immer weniger Ertrag erwirtschaften. Außerdem beziehen auch immer mehr Kunden ihre Medikamente über das Internet.“

Diesen Eindruck bestätigt auch Apotheker Ulrich Ausbüttel: „Man brauch mittlerweile schon eine bestimmte Betriebsgröße, um einigermaßen wirtschaftlich arbeiten zu können. Und diese erforderliche Größe nimmt immer mehr zu.“

Lieber angestellt als eigene Apotheke

Deshalb streben junge Apotheker anstelle einer eigenen Apotheke immer häufiger ein Angestelltenverhältnis an, so Tenbieg. Hinzu kommen die gestiegenen Anforderungen in der Notdienstversorgung.

Im Normalfall sind Apotheken an knapp zehn Wochenenden im Jahr für den Notdienst verantwortlich. Bei der derzeitigen Situation werde diese Marke in Dortmund jedoch weit überschritten, sagt Tenbieg. „Es kann vorkommen, dass die Apotheken hier derzeit bis zu 30 Mal im Notdienst-Einsatz sind.“

Jetzt lesen

Aufgrund dessen sei es wichtig, vonseiten der Politik Maßnahmen zu ergreifen, die den Apotheken eine höhere Planungssicherheit ermöglichen. „Mit mehr Eigenverantwortung könnten wir viel effektiver arbeiten“, unterstrich Ausbüttel.

Lesen Sie jetzt