Einziger Gast: Monteur „genießt die Ruhe“ im Hotel

dzCoronavirus in Dortmund

Während Hotels ab Montag (18.5.) auch wieder für Touristen öffnen dürfen, war das vorher nur für Geschäftskunden erlaubt. Ein Hotelier und ein Gast erzählen von ihren Erfahrungen.

Neuasseln

, 15.05.2020, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Für mich ist das angenehm“, sagt Marcel Emden und lacht. „Ich lebe 200 bis 250 Tage im Jahr in Hotels, deswegen genieße ich die Ruhe.“ Der Monteur ist zu diesem Zeitpunkt der einzige Gast in Kerzan‘s Hotel und Restaurant in Neuasseln.

Inhaber Milenko Markovic ist dagegen nicht zum Lachen zumute, wenn er die leeren Tische und Zimmer in seinem Betrieb sieht. „Das Restaurant musste wochenlang geschlossen bleiben und im Hotel hatten wir nur ein paar Geschäftskunden“, sagt Markovic.

Jetzt lesen

Einer der Geschäftskunden ist Monteur Emden, der seit einem Jahr im Kerzan‘s wohnt und auf einer Baustelle in der Nähe arbeitet. „Da ich tagsüber unterwegs bin, bekomme ich von der Leere im Hotel nicht so viel mit“, sagt der 56-Jährige aus Königswinter. Wegen einer möglichen Corona-Ansteckung mache er sich zwar Gedanken, aber keine Sorgen.

Der Hotelier hat Zettel verteilt, die zeigen, wo sich nicht hingesetzt werden soll.

Der Hotelier hat Zettel verteilt, die zeigen, wo sich nicht hingesetzt werden soll. © Tobias Larisch

Finanziell habe sich der Aufwand zur Aufrechterhaltung des Hotelbetriebs für Inhaber Markovic nicht gelohnt. „Wir haben unsere Maßnahmen auf das Mindeste beschränkt“, sagt der 45-Jährige, der mit seiner Frau Alexandra den Betrieb führt. „Auch für Hotelgäste war das Restaurant geschlossen.“ Für Emden sei das kein Problem. „Ich frühstücke sowieso nicht“, sagt er.

Andrang hielt sich ins Grenzen

Seit Mittwoch (13.5.) hat das Restaurant wieder für alle Gäste geöffnet. Der Andrang habe sich am ersten Tag in Grenzen gehalten. „Es kamen circa 80 Prozent weniger Gäste, als sonst“, sagt Markovic. „Damit habe ich aber nach den Gesprächen mit anderen Restaurantbesitzern, die schon früher geöffnet hatten, gerechnet.“

Die Hälfte der 16 Tische im Kerzan‘s sind wegen der Corona-Schutzmaßnahmen gesperrt. Die vorgegebenen Hygieneregeln umzusetzen sei laut Markovic kein Problem, da darauf in der Gastronomie aufgrund regelmäßiger Kontrollen sowieso geachtet werde.

Milenko Markovic in einem der Festsäle des Kerzan‘s, die für Veranstaltungen gemietet werden können.

Milenko Markovic in einem der Festsäle des Kerzan‘s, die für Veranstaltungen gemietet werden können © Tobias Larisch

Wenn Hotels ab Montag (18.5.) wieder für den Tourismus öffnen dürfen, wird auch das Kerzan‘s seine neun Zimmer vermieten. Mit einem großen Andrang rechnet Markovic aber nicht. Indirekt leide auch er unter den Geisterspielen in der Fußball-Bundesliga. „Bei Heimspielen war unser Hotel immer schon Monate im Voraus von BVB-Fans oder Anhängern der Auswärtsmannschaften ausgebucht“, sagt er.

Finanzielle Reserven reichen für Mai

Bis das Geschäft durch die Corona-Pandemie im März 2020 einbrach, war der neue Pächter zufrieden. Im Januar 2020 übernahm Markovic das Kerzan‘s. „Die ersten beiden Monate waren sehr gut und wir konnten uns ein finanzielles Polster aufbauen“, sagt Markovic.

Trotzdem könnten sie als Betrieb unter den aktuellen Bedingungen für Hotel- und Gastronomiebetriebe nur noch den Mai finanziell überstehen. Danach ginge es an die persönlichen Reserven, die endlich seien.

Lesen Sie jetzt