Arm-Amputation am Hauptbahnhof - Welche Einsätze Dr. Lemke nie vergessen wird

dzAbschied vom Rettungsdienst

Unfälle oder instabile Bomben gehörten für Dr. Hans Lemke (66) zum Beruf. Der ärztliche Leiter des Dortmunder Rettungsdienstes beendet seinen Dienst - und berichtet von besonderen Einsätzen.

Dortmund

, 04.07.2020, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seinen letzten offiziellen Tag im Dienst hätte sich Dr. Hans Lemke kaum schöner vorstellen können. Bei einer kleinen Rundfahrt durch Dortmund verabschiedeten sich zahlreiche Weggefährten von dem heute 66-Jährigen. „Das war sehr emotional. Da hatte ich schon ein bisschen Pipi in den Augen“, gesteht Lemke.

Nach mehr als 20 Jahren als ärztlicher Leiter des Dortmunder Rettungsdienstes ist Schluss. Es geht in den Ruhestand. Dabei hat Lemke während seiner Zeit beim Rettungsdienst einige spektakuläre Einsätze hautnah miterlebt.

Gleichzeitig Leitender Arzt im Klinikum

Doch fangen wir von vorne an. Als Dr. Hans Lemke im Februar 2000 zum ersten ärztlichen Leiter des Dortmunder Rettungsdienstes ernannt wurde, bestand seine Abteilung aus lediglich drei Personen. „Mittlerweile ist daraus eine ganze Einheit geworden, zu der heute knapp 30 Kräfte gehören. Daran war zum damaligen Zeitpunkt kaum zu denken.“

In seiner Zeit als ärztlicher Leiter hat Lemke, der währenddessen noch als führender Arzt im Klinikum Dortmund aktiv war, zahlreiche außergewöhnliche Einsätze durchgeführt. Einige sind ihm ganz besonders im Gedächtnis geblieben.

Fußball-WM als Highlight

Da wären beispielsweise der Weltjugendtag in Köln im August 2005, die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland oder der G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. „Das waren schon große Veranstaltungen, an denen wir mit einem Team aus Dortmund mitwirken durften. Ich war damals unter anderem für die Koordination der Einsatzkräfte mitverantwortlich“, so Lemke.

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Insbesondere die Fußball-Weltmeisterschaft sei ein tolles Erlebnis gewesen. „Das waren fünf Wochen gute Laune am Stück“, betont der 66-Jährige. Allerdings habe es auch Einsätze gegeben, die keinesfalls erfreulich waren - und die er aus völlig anderen Gründen nicht vergessen werde.

Bei Einsatz Arm amputiert

Dazu gehört ein Einsatz am Dortmunder Hauptbahnhof, bei dem ein Mann unter einen einfahrenden Zug geriet. Lemke: „Sein Arm war unter der Bahn eingeklemmt und es wurde zwei Stunden lang versucht, den Mann aus der Situation zu befreien.“

Dies stellte sich jedoch äußerst schwierig dar - und mit der Zeit habe sich der Zustand des Opfers zunehmend verschlechtert. „Wir mussten dem Mann dann vor Ort den Arm amputieren, um ihm das Leben zu retten. In so einer Situation funktioniert man einfach. Das sind wirklich schlimme Ereignisse“, betont der Arzt.

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Ähnlich eingeprägt hat sich bei dem scheidenden ärztlichen Leiter des Rettungsdienstes eine Bombenentschärfung im Klinikviertel aus dem Jahr 2012. Damals ist bei Bauarbeiten eine Bombe mit einem instabilen Chemiezünder gefunden worden. „Wir waren fast 24 Stunden im Einsatz und es war Stress ohne Ende. Die Bombe hätte jederzeit detonieren können, aber eine kontrollierte Evakuierung des Umfeldes war nicht möglich“, erklärt Lemke.

Nachfolge ist bereits geregelt

Man habe Barrieren aus Sandsäcken und Fahrzeugen aufgebaut, um bei einer Detonation der Bombe die Druckwelle möglichst effektiv abfedern zu können. „Das Entschärfungskommando hatte nur einen Versuch, die Bombe unschädlich zu machen“, sagt Lemke. „Sonst hätte sie vor Ort gesprengt werden müssen. Die Entschärfung hat dann zum Glück funktioniert.“

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An derartigen Einsätzen wird Lemke nun nicht mehr beteiligt sein. Bis er seinen Abschied vollständig begreife, werde aber womöglich noch etwas Zeit vergehen. „Ich muss die Zeit wirklich Revue passieren lassen. Es muss erst einmal sacken.“

Von Ruhestand kann allerdings auch keine Rede sein, vorerst zumindest, denn: „Ich werde erst einmal noch ein Jahr im Klinikum als Berater im Hintergrund arbeiten.“ Seine Nachfolge im Amt der ärztlichen Leitung des Rettungsdienstes übernimmt derweil ab sofort die Oberärztin der Unfallchirurgie im Klinikum Dortmund, Dr. Kathrin Schaller.

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