Bei Homeschooling gibt es in Werne Nachholbedarf. Oft fehlt es an der nötigen Ausstattung. Das soll sich möglichst schnell ändern. © dpa
Homeschooling

Eine Schule in der Nordstadt bekommt mehr iPads als ganze Stadtbezirke

Ein Nord-Süd-Gefälle zeigt sich in Dortmund oft - auch im Bereich Bildung. Ein aktuelles Beispiel: Eine Nordstadt-Schule erhält so viele Tablets fürs Homeschooling wie ganze Stadtbezirke.

Viele Schüler in Dortmund sollen aktuell mit Leih-iPads ausgestattet werden, um im Homeschooling besser arbeiten zu können. Rund 19.600 Geräte schafft die Stadt dafür dank eines Soforthilfeprogramms des Bundes an.

Ein Schritt in Richtung Chancengleichheit, denn für viele Familie ist die Anschaffung eigener Geräte finanziell schlicht nicht möglich. 17.000 Schüler kommen aus Familien, die Hartz IV beziehen – unter anderem für sie sind die Leihgeräte gedacht.

Welche Stadtbezirke bekommen wie viele iPads?

Auch wenn es bei der Anschaffung der iPads große Lieferschwierigkeiten gibt, bis Ende Januar erst 6000 Geräte in Dortmund angekommen waren und noch längst nicht alle Schulen versorgt sind – eine Liste, welche Schulen wie viele iPads erhalten, gibt es bereits. Sie zeigt, wie unterschiedlich der Bedarf in den Stadtteilen ist.

Und wie so oft, wenn es in Dortmund um finanziell benachteiligte Familien und Bildungschancen geht, lässt sich auch ein Gefälle zwischen Süd und Nord ausmachen.

Die mit Abstand meisten Leih-iPads werden nach Angaben der Stadt an Schüler in der Innenstadt-Nord ausgegeben: 3.784. Auf Platz zwei folgt Scharnhorst mit 2.199 Geräten, dann die Innenstadt-West mit 2001 Geräten. Am anderen Ende der Liste liegen Aplerbeck (660), Hombruch (685) und Brackel (1093).

730 Leih-iPads an der Anne-Frank-Gesamtschule verteilt

Zum Vergleich: In Aplerbeck und Hombruch werden damit pro Stadtteil weniger Tablets ausgegeben, als an einer einzigen Schule in der Nordstadt. 730 Tablets stehen der Anne-Frank-Gesamtschule in der Nordstadt zu. Gut 1000 Schüler hat die Schule insgesamt.

Die absoluten Zahlen sagen natürlich nicht alles aus – in den Stadtteilen gibt es unterschiedlich viele Schüler. Aber auch eine prozentuale Auswertung lässt den Trend erkennen.

10,7 Prozent der Dortmunder Schüler entfallen auf die Nordstadt, aber 20,8 Prozent der Leih-iPads werden hier benötigt. Auch in Scharnhorst liegt der Prozentsatz der Tablets mit 12,1 Prozent deutlich über dem Schüleranteil von 8 Prozent.

In Aplerbeck und Hombruch verhält es sich genau umgekehrt: Je 7,4 Prozent der Dortmunder Schüler werden dort unterrichtet. Der Anteil an den Leih-Tablets liegt bei 3,6 Prozent (Aplerbeck) bzw. 3,8 Prozent (Hombruch).

Großer Bedarf: Privat nur Smartphones zur Verfügung

Der Bedarf ist in den südlichen Stadtbezirken also deutlich geringer als im Norden Dortmunds. Was das ganz praktisch heißt, erklärte Axel Kirilof. Er ist stellvertretender Schulleiter der Anne-Frank-Gesamtschule. Den 730 Schülern, die dort mit den Leihgeräten ausgestattet wurden, hätten im Homeschooling zuvor nur Smartphones zur Verfügung gestanden.

„Die meisten Familien, die wir betreuen, haben nicht nur ein Kind, sondern mehrere, einige bis zu fünf.“ Die Ausstattung mit Tablets sei da nur eine Baustelle, auch die Internetverfügbarkeit sei in vielen Familien nicht selbstverständlich.

Härtefallreserve für einige Familien angezapft

Die iPads seien nun ein wichtiger Schritt gewesen, bei dem es allerdings einige Hürden gab: Zu ermitteln, wer Bedarf hat, sei „ein langwieriger Prozess“ gewesen, der „auch davon gekennzeichnet war, dass nicht nach außen getragen wird, dass man Leistungen bezieht.“

Man habe in den Klassen sehr genau hingeschaut und auch auf die Härtefallreserve zurückgegriffen: Beispielsweise wenn Alleinerziehende oder Familien mit mehreren Kindern zwar kein Hartz IV beziehen, aber die finanzielle Situation schwierig sei.

Tablet-Ausgabe an der Anne-Frank-Gesamtschule: Um den Hygienevorschriften gerecht zu werden, gibt es klare Zeitfenster. © Anne-Frank-Gesamtschule © Anne-Frank-Gesamtschule

Zudem mussten die Leih-Verträge und Serienbriefe an die Eltern vorbereitet werden, ein Abholplan samt Hygienekonzept erstellt werden. Das alles dauert: Kurz vor Weihnachten wurden die iPads an die Schule geliefert, am 18. Januar startete die Ausgabe.

Leihvertrag: Eltern müssen mit bis zu 400 Euro haften

Und auch dabei gab es Fallstricke: Im Leih-Vertrag gibt es die Klausel, dass Eltern bei Beschädigung oder Verlust des iPads mit bis zu 400 Euro haftbar gemacht werden können. „Aus Angst“ hätten einige dann doch zurückgezogen, „aber das ist ein kleiner Prozentsatz“, so Kirilof.

Dass die Haftungsklausel Eltern verunsichert, davon kann auch Anke Staar berichten. Sie ist Vorsitzende der Dortmunder Stadteltern und der Landeselternkonferenz NRW. Dazu hätten sie viele Anfragen erreicht. „Es schreckt wohl viele Eltern ab, sich diese Geräte auszuleihen. Weil sie nicht wissen, wie sie so eine Summe zahlen sollen.“

Ihre Forderung: Tablets sollen als Arbeitsgerät der Schüler anerkannt, in das Lernmittelfreiheitsgesetzt aufgenommen und somit kostenfrei zur Verfügung gestellt werden.

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1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will

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