Eine abgeschossene Giraffe kostet 1500 Euro – ein Rundgang über die Messe „Jagd & Hund“

Westfalenhallen

Präzisionsgewehre, Jeeps mit Hochsitzen, Jagdreisen nach Afrika: Die „Jagd & Hund“ ist eine Leistungsschau der Jagd-Branche. Einige Angebote stehen in der Kritik. Die Jäger stört das nicht.

Dortmund

von Thomas Thiel, Aleyna Ceylan

, 29.01.2019 / Lesedauer: 4 min
Eine abgeschossene Giraffe kostet 1500 Euro – ein Rundgang über die Messe „Jagd & Hund“

In der Jagdreisen-Halle sollen ein Löwe und ein Bulle Lust auf einen Trip nach Afrika machen. Auf Wunsch werden einem die erlegten Tiere als präparierte Trophäen nach Hause geschickt. © Thomas Thiel

In Halle 7 der Westfalenhallen schießt man sich mit wenigen Schritten einmal um die Welt: Kanada, Schottland, Russland, und immer wieder Afrika - dicht an dicht buhlen dort exotische Reiseziele um die Gunst der Gäste. Ihre Verkaufsargumente sind meist Bilder toter Tiere, von Springböcken, Bären oder Leoparden. Das Motiv ist häufig das Gleiche: vorne die erlegte Beute, der stolze Jäger hockend dahinter.

Am Stand einer Jagdfarm aus Namibia erläutert ein freundlicher Herr mit Hamburger Akzent die Preise. Eine abgeschossene Giraffe kostet 1500 Euro, ein Bergzebra 900 Euro, das billigste Tier ist ein Schakal mit 50 Euro - ohne Mehrwertsteuer. Hinzu kommen natürlich noch die Kosten für An- und Abreise, die Unterkunft samt Verpflegung und der Versand der erlegten Trophäen nach Deutschland. Wer ohne Jagderfahrung anreist, bekommt eine eintägige Ausbildung auf der Farm.

„Dieses Angebot hat in den Westfalenhallen nichts zu suchen“

Das Angebot in Halle 7 ist der umstrittenste Teil von Europas größter Jagdmesse „Jagd & Hund“, die noch bis Sonntag zehntausende Jäger in die Westfalenhallen locken wird. Vor der Eröffnung am Dienstag forderten die Ratsfraktionen der Grünen und der Linken/Piraten, dass zukünftig keine Jagdreisen mehr auf der Messe angeboten würde. „Dieses Angebot hat in den Westfalenhallen nichts zu suchen“, meint auch der Linke/Piraten-Fraktionsvorsitzende Utz Kowalewski.

Eine abgeschossene Giraffe kostet 1500 Euro – ein Rundgang über die Messe „Jagd & Hund“

Die Motive der Werbebilder gleichen sich: Vorne das erlegte Tier, dahinter der stolze Jäger. © Thomas Thiel

Andreas Schneider sieht das ganz anders. Was wenig überrascht, schließlich ist Schneider überzeugter Jäger und obendrein noch Sprecher des Landesjagdverbands NRW. Er sagt: „Alles, was hier auf der Messe angeboten wird, ist rechtlich legal und moralisch legitim.“ Auch die internationalen Jagden dienten dem Naturschutz.

Wer sich auf der Messe umhört, merkt, dass Schneider mit dieser Meinung die herrschende Stimmung unter den Jägern trifft. „Viele Wildtiere werden durch die Jagd erst am Leben erhalten, sonst wären sie schon längst ausgerottet. Vor allem in Afrika“, meint etwa Stefan Arnold, ein 55-jähriger Hobbyjäger aus dem Schwarzwald. „Es hat einen Zweck“, sagt Stefan Krause, ein Jäger aus dem Sauerland. „Das bringt ja auch Devisen ein, die den Tierschutz selbst dort ermöglichen. Ich bin schon selbst gereist. Man lernt andere Kulturen, Tier- und Jagdarten kennen. Das Fleisch wird ja vollständig verwertet.“

Geländewagen erklimmen steile Rampen

So sind die Besucher der Messe mit sich im Reinen, wenn sie durch die acht Messehallen der „Jagd & Hund“ streifen. Vorbei an dem großen Testparkour, auf dem Geländewagen steile Rampen und Hindernisse bezwingen, während nebenan mobile Hochstände auf Pickup-Hecks thronen. Vorbei an dem großen Wasserbecken, in dem die Fliegenfischer der integrierten Angler-Ausstellung „Fisch & Angel“ ihre Künste zeigen. Vorbei an den hunderten Ständen mit Jäger-Bedarf aller Art, von Gewehren und Pistolen über Kronleuchter aus Hirschgeweihen bis hin zu bemalten Porzellantellern mit Tiermotiven.

Eine abgeschossene Giraffe kostet 1500 Euro – ein Rundgang über die Messe „Jagd & Hund“

Vor dem Eingang der Westfalenhalle 1 protestierte die Tierschutzorganisation Peta gegen die Fuchsjagd. © Thomas Thiel

Während drinnen die heile Jagd-Welt zelebriert wird, liegt am Eröffnungstag der Messe vor dem Haupteingang der Westfalenhalle 1 eine halbnackte Frau mit Fuchsschwanz zitternd auf dem Boden. Ihr Fuß steckt symbolisch in einer Falle, ihre Beine sind mit Kunstblut verschmiert. Mit dieser wenig subtilen Aktion protestiert die Tierschutzorganisation Peta für ein Verbot der Fuchsjagd.

Unvereinbare Positionen innerhalb und außerhalb der Halle

Eigentlich sei man sogar generell gegen die Jagd, sagt Nadja Michler, Peta-Fachreferentin für Wildtiere: „Es muss nicht gejagt werden, die Natur reguliert sich selbst.“ Als Jäger-Sprecher Andreas Schneider mit dieser These konfrontiert wird, verdreht er die Augen: „Ohne Jagd könnten sich verschiedene seltene Arten nicht halten. Wir wollen nichts ausrotten, sondern nur so intensiv bejagen, dass die Artenvielfalt erhalten bleibt.“ Zwischen Michlers und Schneiders Welt liegt an diesem Dienstag nur eine Messehallen-Tür, doch liegen sie gefühlt auf unterschiedlichen Kontinenten.

Bei solchen Extremen tut es gut, sich mit Hans Wittenberg zu unterhalten. Der 67-jährige Ennepetaler steht an einem Stand im weiten Rund der Westfalenhalle 1 und streichelt einem ausgestopften Fuchs über das Fell. Er ist seit 1992 Jäger, in einem kleinen Tal bei Hattingen. Er schießt Füchse nur, wenn sie überhand nehmen. Er versteht sich als Verbündeter der Natur, als jemand, der das Gleichgewicht in seinem Revier aufrecht erhält. „Ich habe einen totalen Spaß daran, die Natur beim Wachsen zu erleben“, sagt er, wenn man ihn fragt, warum er jagt. Man glaubt es ihm.

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