Ein unscheinbarer, aber fleißiger Verein in der Evinger Mitte hat runden Geburtstag

dzEvinger Mitte

Ein Verein, der sich nach eigener Auskunft für eine wenig beachtete Minderheit einsetzt, hat in diesen Tagen runden Geburtstag. Die Mitglieder haben viele Geschichten zu erzählen.

Eving

, 20.08.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit fast genau zehn Jahren gibt‘s den Kunst- und Literaturverein für Gefangene, der vor vier Jahren von Dorstfeld in die Evinger Mitte gezogen ist. Der Verein besteht aus zwei Säulen: „Kultur hinter Mauern“ mit bisher rund 800 Veranstaltungen in deutschen Justizvollzugsanstalten und der Buch- und Medienfernleihe für Gefangene und Patienten.

Der Vorsitzende Bernd Neumicke (63) kümmert sich in erster Linie um die Kulturveranstaltungen. Sebastian Puffpaff, Hennes Bender, Carolin Kebekus, Fred Ape und viele mehr gehören zu denen, die im Laufe der Zeit in den Knästen des Landes aufgetreten sind. Auch die Bläck Föss waren ganz zu Anfang dabei. Nach seinem Eintritt in den Ruhestand habe er einfach noch Lust gehabt, etwas zu tun, sagt Neumicke. Und da er gerne organisiere, habe sein Engagement für den Verein gepasst. Schnell habe er aber auch gemerkt, dass es eine sinnvolle Tätigkeit sei. Gefangene gehören seiner Meinung nach zu einer kaum beachteten Minderheit.

„Keine Angst, aber Respekt“

Angst habe er bislang noch in keiner der Justizvollzugsanstalten gehabt - allerdings Respekt. Während einer Begrüßungsansprache in der JVA Werl, wo die schweren Jungs einsitzen, habe mal ein Häftling gerufen: „Mach voran, Jung! Wir wollen Mucke hören.“ Da habe er seine Ansprache drastisch gekürzt. Auch wenn sich Häftlinge nicht viel anders verhalten als ein Publikum anderswo, lasse sich doch eine große Dankbarkeit erkennen. „Oft kommen die Insassen nach einer Vorstellung noch zu den Künstlern und sagen danke. Das passiert draußen nicht.“ 200 Euro Gage, bezahlt von der jeweiligen JVA, erhalten die Künstler maximal für ihren Auftritt.

Ein unscheinbarer, aber fleißiger Verein in der Evinger Mitte hat runden Geburtstag

So sieht das Hinweisschild auf den Verein am Gebäude Evinger Platz 11 aus. © Andreas Schröter

Um das zweite Standbein des Vereins, die Fernleihe, kümmert sich die stellvertretende Vorsitzende, Monika Pfeifer-Lütgemeyer (57). 25.000 bis 27.000 Medien habe der Verein in seinem Bestand. Schon 950 Ausleihen habe es in diesem Jahr gegeben. Sie beziehe ihre Motivation, etwas für Gefangene zu tun, aus der Juristik, aus der sie komme. Es gebe viele Fälle, in denen es rechtlich gar nicht eindeutig sei, ob sie wirklich zu Recht im Gefängnis sitzen. Für die wolle sie etwas tun. Sachbücher - aus der Juristik, der Psychologie oder der Philosophie - seien es häufig, die nachgefragt werden. Neulich habe ein Häftling mit Büchern des Vereins eine wichtige Prüfung im Fach Chinesisch bestanden. Ein anderer mache seinen Master - ebenfalls mit Büchern des Kunst- und Literaturvereins für Gefangene.

Geld- und Buchspenden sind willkommen

Der kann übrigens sowohl Geldspenden - Problem sei das Porto, das demnächst für Bücher teuer werde - als auch gut erhaltene Bücher gebrauchen. Wer etwas abzugeben hat, wende sich an Bernd Neumicke unter Tel. 0152-09264649.

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