Ein Smartphone als Geschenk zur Einschulung: Das denken Dortmunder Eltern

dzKinder und Handys

Sollten Grundschüler eigene Smartphones besitzen? Ein Vertreter der Digitalwirtschaft spricht sich für Handys zu Einschulung aus. Er sieht eine Gefahr durch Verbote. Wie Eltern damit umgehen.

Dortmund

, 22.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Achim Berg, Präsident des Digitalverbands Bitkom, hatte im Gespräch mit der Rheinischen Post im August deutlich Position bezogen: Um die Digitalkompetenz und digitale Teilhabe der Kinder früh zu fördern, empfehle er ab der Grundschule ein Handy für Kinder und würde es auch im Unterricht einsetzen.

„Ab der ersten Klasse werden Kinder auf dem Schulhof und im Freundeskreis doch eh mit Handys in Berührung kommen“, sagte Achim Berg im dem Interview. Verbote würden nur bewirken, dass Kinder die Geräte heimlich nutzten und dann ohne Begleitung gefährdeter seien.

Weil die Mitglieder seines Verbandes vom Smartphone-Handel leben, überrascht Bergs Vorstoß nicht. Einigkeit besteht aber darin: Smartphones gehören in 99 Prozent der deutschen Haushalte zur Medienausstattung. Eltern nutzen sie selbst oft mehrere Stunden am Tag. Sie stehen deshalb vor der Frage, was für ein Mediennutzungsverhalten sie vermitteln - ob sie wollen oder nicht.

Rund fünf Prozent der Sechs- bis Achtjährigen besitzen ein eigenes Handy. Je älter die Kinder werden, desto mehr steigt die Bereitschaft der Eltern, ihnen ein eigenes Smartphone zu geben. Besitzen bei den Neunjährigen noch rund 35 Prozent der Kinder ein eigenes Gerät, steigt dieser Wert bei jugendlichen 12- bis 19-Jährigen auf nahezu 100 Prozent.

Mutter aus Marten lässt ihren Sohn ans Handy - für ein eigenes findet sie ihn aber noch viel zu jung

Bei Denise Dawideit in Marten ist das Smartphone ebenfalls im Alltag präsent – auch für Sohn Joel (6), der nun eingeschult wird. Er darf die Smartphones der Eltern zum Spielen und Videos gucken benutzen. „Manchmal bekommt er es als Belohnung, wenn er lieb war“, sag Denise Dawideit.

Ein eigenes Gerät würde die 29-jährige Mutter Joel aber auf keinen Fall anschaffen. „Ab der vierten Klasse ist das vielleicht ein Thema. Aber jetzt lenkt es ihn viel zu sehr ab im Straßenverkehr. Außerdem soll er lernen, dass man nicht nur über das Handy kommunizieren und sich verabreden kann“, sagt Denise Dawideit. Zudem sei ein Kind in diesem Alter aus ihrer Sicht noch nicht in der Lage, die Verantwortung für ein Gerät zu übernehmen.

Denise Dawideit begründet ihre Ablehnung auch damit, dass es viele Gefahren im Internet gebe. Sie nennt als Beispiel die „Momo“-Videos, bei denen eine Horrorfilm-Figur plötzlich in eigentlich harmlosen Kinder-Videos auftaucht. Die Smartphone-Befürworter sagen, dass nur ein aufgeklärter Umgang mit solchen Gefahren zu einem richtigen Umgang führe.

Es gibt viele Eltern, die ähnlich wie Denise Dawideit argumentieren und zumindest für Sechsjährige ein eigenes Smartphone kategorisch ablehnen. „Sechsjährige brauchen Freunde, frische Luft und Eltern, die für sie da sind“, schreibt etwa eine Dortmunderin bei Facebook auf unsere Frage zu dem Thema.

Es gibt auch Eltern, die früh die Medienkompetenz ihres Kindes fördern möchten

Doch der Vorschlag des Bitkom-Präsidenten trifft auch auf Zustimmung. Bei der Facebook-Diskussion gibt es Unterstützung. Und auch eine Stichprobe auf einem Dortmunder Spielplatz zeigt: Einen offenen Umgang mit der Technik finden einige Eltern wichtig.

Ein Dortmunder Vater (42) erzählt, dass er die Smartphone-Nutzung seiner Siebenjährigen durchaus unterstützt. Kinder würden schon sehr früh mitbekommen, dass aus den Geräten in den Händen der Eltern Musik und Geschichten kommen können, sie eine Verbindung zu Oma und Opa sind und dass ein Sprachassistent Fragen beantwortet. Das Kind darf Smartphone oder Tablet der Eltern in Absprache und für eine feste Zeit nutzen.

Vielen Eltern gibt eine ständige Erreichbarkeit ihrer Kinder über ein eigenes Telefon zudem ein Sicherheitsgefühl. Denise Dawideit teilt diese Sorge – hat sich aber für eine Alternative zum Smartphone entschieden. Sie hat Joel eine Uhr mit GPS-Empfang und Notfallknopf gekauft. Für 12 statt für 200 Euro habe sie damit trotzdem die Möglichkeit zu wissen, wo sich ihr Kind aufhält.

Welche Empfehlungen gibt es?

Es gibt mittlerweile viele Stellen, die Tipps für Eltern zum Umgang mit Smartphones bei ihren Kindern geben. Eine brauchbare Übersicht bietet die Seite „Schau Hin“, hinter der das Bundesfamilienministerium und der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk stehen. Hier wird das optimale Alter für ein eigenes Smartphone mit 11 Jahren angegeben. Außerdem sollten klare Nutzungszeiten und Regeln gelten. Ein Schutz vor unangemessenen Inhalt, Kostenfallen und Cyber-Kriminaliät sollte eingebaut werden.

Die Grundsatzbotschaft der „Schau Hin“-Initiative und auch anderer Medienpädagogen: Eltern sollten mit Kindern über den Umgang mit Smartphones sprechen und sie nicht sich selbst überlassen. Und: In die Schultüte gehört ein Smartphone noch nicht.

Dortmunder Grundschüler sind längst Teil der digitalen Welt

Wer sich auf Dortmunder Spielplätzen, Schulhöfen und überhaupt in der Öffentlichkeit umblickt, dem wird klar: Man wird Kinder kaum davon abhalten können, schon früh Teil der digitalisierten Welt zu werden. Wenn sie in die Grundschule kommen, sind viele längst mittendrin.

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