Ein Neubaugebiet zieht Familien an – aber dieses ist für Kinder richtig gefährlich

dzVerkehrsgefahr vor der Haustür

Obwohl nur Schritttempo erlaubt ist, rasen Autofahrer durchs Neubaugebiet. Eltern fürchten um die Sicherheit ihrer Kinder. Dabei gibt es schon Vorreiter, die zeigen, wie es besser laufen kann.

Mengede

, 27.07.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Raserei der Autofahrer macht Sascha Pothmann und seinen Nachbarn Martin Siebert Sorgen. Denn die beiden haben je eine kleine Tochter, Thea und Sophie sind fünf Monate alt. Ihre beiden Zuhause sind nur durch eine kleine Anliegerstraße getrennt, das ist – noch – kein Problem: „Aber wenn die mal größer sind, dann wollen sie zueinander über die Straße laufen. Da kann man sie ja gar nicht allein lassen, da hätte ich kein gutes Gefühl“, sagt Romy Siebert, die Mutter von Sophie.

Schneller als „Schritttempo“

Die Autos, die durch die Sanitätsrat-Hallermann-Straße im Mengeder Neubaugebiet „Erdbeerfeld“ fahren, fahren nicht alle im Schritttempo. Viele nehmen mit dem Einbiegen sogar richtig Fahrt auf. Da bremst höchstens ein parkendes Auto den Fahrer aus. Kinder hätten da keine Chance, zumal es keinen Bürgersteig gibt.

Es fahren hier viele Autos, denn die Sanitätsrat-Hallermann-Straße ist schnurgrade und häufig frei, tagsüber parkt kaum ein Auto am Straßenrand. Dazu kommt, dass die Straße die erste hinter dem großen Kreisel ist und damit die erste, die in das weitläufige Neubaugebiet führt. Eine schöne Zufahrt, die reichlich genutzt wird. Wer hier am Anfang der Straße wohnt, hat also viel Autoverkehr. Ein echter Wermutstropfen für die Familien, die wegen der guten Infrastruktur und der familienfreundlichen Umgebung hierher gezogen sind.

Viele kleine Kinder

„Nicht nur wir, sondern 80 Prozent der Anwohnter in unserer Straße haben Kinder im Kleinkindalter, ein weiteres Paar erwartet Nachwuchs“, beschreibt Sascha Pothmann die Situation. Er und sein Nachbar Martin Siebert wollten nicht warten, bis etwas passiert. Sie wandten sich in der letzten Sitzung vor der Sommerpause an die Bezirksvertretung und baten um Unterstützung für ihren Wunschden Verkehr vor ihrer Haustür zu beruhigen.

Dabei waren die beiden Familienväter durchaus kooperativ. Sie gingen davon aus, dass Familien in anderen Städten ähnliche Sorgen haben und machten sich schlau, wie man anderorts zu schnelle Autofahrer in Anwohnerstraßen ausbremst. Und sie wurden fündig.

In Werne zum Beispiel fanden die beiden Familienväter die Initiative Lebendige Spielstraße und auch in Marl wurden für diese Problematik diverse kostengünstige Lösungen gefunden und umgesetzt.

Die Vorschläge im Einzelnen

1. Piktogramme: Angefangen an der Friedrich-Hausemann-Allee könnten bunte Variationen von Piktogrammen die Autofahrer sensibilisieren, so der Vorschlag der beiden Mengeder Familienväter.

2. Bodenerhebungen aus Kunststoff: Auch die, so ergaben die Recherchen der Mengeder, können kostengünstig und schnell installiert werden. „Aber die Kölner Teller möchten wir hier nicht haben, da ist die Gefahr für Radfahrer zu groß“, so Sascha Pothmann. Berichten zufolge ist ein Radfahrer 2017 in Heidelberg gestorben, nachdem er über die Kökner Teller gestürzt war.

3. Poller: Auf der Straße sind Parkplätze markiert, Poller könnten am Beginn des Parkplatz aufgestellt werden. „So bieten diese 24 Stunden am Tag den Effekt eines stehenden Pkws“, schreiben die beiden Erdbeerfeld-Bewohner in einem Brief, der an die Bezirksvertretung übergeben wurde.

4. Geschwindigkeitsmessungen innerhalb des Erdbeerfeldes könnten ein Zusätzliches tun, die Autofahrer zu bremsen. Vielleicht sogar auszubremsen: „Wir gehen davon aus, dass hier innerhalb eines Tages diverse Pkw-Fahrer die Fahrerlaubnis verlieren werden, da teilweise mit 50 km/h“ die Straße durchfahren würde, heißt es in dem Papier.

Der Ball liegt nun bei der Verwaltung, die Bezirksvertretung hat die Bitte der Mengeder Familienväter weitergeleitet. Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen.

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