Ein letztes Mal Maria Grappa – zwischen Nazi-Bande und arabischem Clan

dz30 Jahre Grappa-Krimis

Die Dortmunder Krimifreunde wissen es: „Ein letzter Grappa“ ist kein Absacker, sondern das Ende der erfolgreichen Krimi-Reihe von Gabriella Wollenhaupt. Aber sie hat Neues in der Pipeline.

Dortmund

, 29.06.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist ein explosives Gemisch, das die Dortmunder Krimi-Autorin und Journalistin Gabriella Wollenhaupt einmal mehr literarisch angerührt hat: ein Konflikt zwischen einer Neonazi-Bande und einer arabischen Großfamilie. Der 30. Krimi mit Maria Grappa als Protagonistin, Reporterin des Bierstädter Tageblatts, ist auch der letzte der Grappa-Reihe. Maria ist „kriegsmüde“, schreibt ihr Alter Ego Gabriella.

Maria Grappa verabschiedet sich und beendet damit die längste Krimi-Serie Deutschlands. 600.000 Bücher mit Grappas abenteuerlichen Recherchen und wechselhaften Liebesgeschichten sind in drei Jahrzehnten über die Ladentheke gegangen.

Der erste Band ist auch heute noch hochaktuell. Damals in „Grappas Versuchung“ ging es um Entmietung in der Dortmunder Nordstadt, alteingesessene Mieter wurden aus ihren Wohnungen geekelt. Seitdem hat es viele Tote gegeben, sind viele Skandale passiert in Bierstadt. Die Assoziation zu Dortmund ist nicht rein zufällig.

Start als Dortmund-Krimi

„Grappa fing als Dortmund-Krimi an“, sagt die Erfinderin, „inzwischen läuft der Verkauf bundesweit. Doch die Dortmunder lesen das mit anderen Augen. Die Leute kennen die Toten, die ich umbringen lasse.“

Und auch diejenigen, die sie mit satirischer Überspitzung durch den Kakao zieht. Viele der Betroffenen trügen es mit Humor wie der inzwischen verstorbene Altoberbürgermeister Günter Samtlebe, berichtet Wollenhaupt, „der fand das sogar toll und hat sich echt gefreut“.

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Auch im letzten Grappa-Roman wird Dortmundern vieles bekannt vorkommen – wie der frühere Feuerwehrchef, der bei den Nazis gelandet ist, kriminelle Clans, die ihre Nachbarn terrorisieren und sich nicht um das Gesetz scheren, ein rechtsterroristischer Sturmbund, der Angst und Schrecken verbreitet, und nicht zu vergessen Nazi-Opa SS-Eddi, der sich im Dorstfelder Nazi-Kiez in der Frühlingssonne entspannt, bewaffnet mit seinem Gehstock und einigen Flaschen Bier.

Ein halbes Jahr recherchiert

Die demokratischen Kräfte in Bierstadt kämpfen gegen die Nazis mit Demos und Aktionen wie „Bratwurst gegen Rechts“. Und Maria Grappa, die die Hintergründe des Konflikts zwischen Neonazis und dem Mawardi-Clan recherchiert, ist aufgrund ihres gehackten Mail-Accounts verdächtig, in den brutalen Mord an einem Polizisten verwickelt zu sein.

Für die 256 Seiten und die vielen Toten zwischen den beiden Buchdeckeln hat die Autorin ein halbes Jahr lang vor Ort recherchiert. „Du kannst das nicht schreiben, wenn du es nicht selbst gesehen hast“, sagt sie. „Ich war in Begleitung der Polizei im Nazi-Kiez und mit zwei Syrern in einer Shisha-Bar.“

Ähnlich interessant fand sie die Recherche für „Grappa sieht rosa“, ihren Lieblingsband, ein „Lustkrimi“, sagt sie, der einen Skandal im Kreis von Schwulen aufdeckt. „Das hat Spaß gemacht, weil die Recherche so angenehm war.“

Mit der Protagonistin gealtert

Doch warum ist jetzt Schluss mit Grappa? Sie sei mit der Protagonistin gealtert, sagt Gabriella Wollenhaupt (68). Grappa sei damals Mitte 30 gewesen und somit heute Mitte 60. Die letzte Seite zu schreiben, sei ihr schon schwergefallen, doch „ich musste jetzt Schluss machen“.

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Grappa habe auch in den ersten Bänden immer einen anderen Liebhaber gehabt. Doch irgendwann hatte sie „keinen Bock mehr da drauf“, in den letzten zehn Jahren war es so etwas wie eine On-Off-Beziehung mit dem Leitenden Kommissar Friedemann von Kleist. Rein zufällig ist sie seitdem im wirklichen Leben mit ihrem Ehemann Friedemann Grenz zusammen, einem freien Lektor und ehemaligen Professor für Literatur.

Neues Projekt

Mit ihm als Co-Autoren hat sie bereits zwei historische Krimis geschrieben und arbeitet mit Unterbrechungen schon seit fünf Jahren an einem neuen Projekt: einem historischen Kriminalroman, der im Berlin der 1930er-Jahre spielt.

„Es geht um gefallene Mädchen, und Göbbels kommt auch vor.“ Eine Hauptfigur ist wieder eine Journalistin, die beim sozialdemokratischen Pressedienst arbeitet. Mit dem Erscheinungstermin rechnet Wollenhaupt, die selbst mal einige Semester Geschichte studiert hat, im Herbst 2021 oder früher.

Zurück zu den Grappa-Romanen. Einen Trost gibt es für die Leserschaft, so viel sei verraten: „Es gibt ein Happy End auf allen Ebenen“, verspricht Wollenhaupt. Vor allem für Romantiker und diejenigen, die immer gefordert haben, dass Grappa und Kleist heiraten sollen. „Kitschiger geht es wirklich nicht“, sagt Grappas Alter Ego, „die beiden gehen zusammen nach Italien“.

Lesung wird nachgeholt

Und noch etwas ist anders als bei den 29 früheren Bänden. Dieses Mal gab es zur Neuerscheinung keine Lesung. Geplant war sie für Ende Mai, wurde aber wegen Corona abgesagt und wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Voraussichtlich nächstes Jahr im September mit zwei Grappa-Abenden in der Pizzeria „Mama Mia“, einschließlich einer kleinen Show, Lesungen aus den besten Grappas und einem Grappa-Cocktail.

„Ein letzter Grappa“ von Gabriella Wollenhaupt ist erschienen im Verlag grafit und kostet 12 Euro.
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