„Ein glatter Betrugsversuch“: Dortmunder Firma warnt vor Fake-Rechnungen

dzAngebliche Post vom Amtsgericht

Der Eintrag beim Amtsgericht sollte eine Dortmunder Firma mehrere hundert Euro kosten. Beinahe wäre sie auf die Fake-Rechnung hereingefallen. Nun will sie andere warnen.

Deusen

, 19.11.2020, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

So viel Dreistigkeit hat die Dortmunder Firma in ihrer mehr als 50-jährigen Unternehmensgeschichte noch nicht erlebt. 627,50 Euro soll sie nach dem Umzug von Holthausen nach Deusen für den Eintrag beim Amtsgericht Dortmund zahlen. Die Eintragung hatte ihr Notar veranlasst.

„Beinahe hätten wir die Rechnung bezahlt“, berichtet Jörg Rehrmann von der Firma Baumaschinenverleih Bobe (BMV W. Bobe) mit Sitz an der Deusener Straße 111. Doch dann seien ihm und seinem Chef an dem Schreiben vom 12. November 2020 doch einiges verdächtig vorgekommen.

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Vor allem wegen des hohen Betrags und der Aufmachung der Rechnung mit dem Absender „Justiz NRW“ hätten sie sicherheitshalber beim Amtsgericht Dortmund angerufen. Und tatsächlich hatten die beiden den richtigen Riecher: „Unsere Rückfrage hat ergeben, dass diese Rechnung nicht von dort kommt. Hier erhalten wir in Kürze eine Rechnung über 70 Euro für die Eintragung“, so Jörg Rehrmann.

Die Firma BMV W. Bobe warnt vor falschen Rechnungen, die angeblich vom Amtsgericht stammen. Nicht nur die Aufmachung des Schreibens kam den Angestellten der Firma verdächtig vor.

Die Firma BMV W. Bobe warnt vor falschen Rechnungen, die angeblich vom Amtsgericht stammen. Nicht nur die Aufmachung des Schreibens kamen dem Chef und den Angestellten der Firma verdächtig vor.

Der echte Preis ist 70 Euro

70 Euro statt 627,50 Euro, das ist ein gewaltiger Unterschied. Die Fake-Summe setzt sich folgendermaßen zusammen: 420 Euro für die Eintragung, 170 Euro Gebühr für die Bekanntmachung, 24 Euro für die Auslagen für förmliche Zustellungen und 13,50 Euro für die Auslagen für die Zustellung durch Justizbedienstete.

Der langjährige Mitarbeiter vermutet, dass es sich um keinen Einzelfall handelt und möchte deshalb andere Firmen warnen. „Das ist ein glatter Betrugsversuch“, so Rehrmann. Die Betrüger würden wahrscheinlich in den Dortmunder Bekanntmachungen oder im Internet nach Neueintragungen im Handelsregister suchen und anschließend ihre falschen Rechnungen verschicken.

Daten sind im Internet abgreifbar

Diese Redaktion hat es getestet: Auf der Seite www.unternehmen24.info zum Beispiel findet man problemlos alle nötigen Informationen. Die Firma Baumaschinenverleih Bobe ist dort gelistet: Das zuständige Amtsgerichts ist genannt, die Handelsregisternummer und das Datums der Neueintragung.

Juristische Schritte plant die betroffene Firma nicht. „Das führt doch zu nichts. Da nimmt man viel Geld für einen Anwalt in die Hand und am Ende kommt nichts dabei heraus“, winkt Jörg Rehrmann ab. Ob man eine Anzeige bei der Polizei erstattet, sei noch offen.

Ihm und seinem Chef sei es vor allem wichtig, diese Betrugsmasche bekannt zu machen, damit andere Firmen nicht darauf hereinfallen. „Davor muss man einfach warnen.“

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