Ehepaar soll auf Reise verzichten – Bahn verweigert Stornierung der Fahrkarten

dzUrlaub

Reisen fällt coronabedingt gerade aus - auch mit der Bahn. Aber was tun, wenn man die Tickets schon lange hat und nun nicht mehr stornieren kann? Zwei Dortmunder hätte sich mehr Kulanz gewünscht.

Dortmund

, 11.11.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Traurig und sauer zugleich: Bei Thomas Zöllner mischen sich gerade die negativen Gefühle. Der Grund: Eigentlich wollte der 63-jährige Dortmunder zusammen mit seiner Frau seine Schwester zu ihrem Geburtstag in Basel besuchen. Doch wegen der gestiegenen Corona-Infektionszahlen verzichtet das Ehepaar auf die Reise. „Wir sind ja besonders gefährdet und wollen daher nichts riskieren.“

Für die bereits im September gekauften Bahntickets wollte Zöllner eine Gutschrift haben, sodass er mit seiner Frau ein anderes Mal in die Schweiz fahren kann. Doch das klappte nicht wie erhofft. Da die Fahrkarte als Super-Sparpreis-Angebot gebucht wurde, ist sie grundsätzlich nicht stornierbar - und dies ändert sich auch in den Zeiten des Lockdowns nicht.

Kulanzzeitraum nicht verlängert

Die Bahn antwortete auf die Nachfrage des Dortmunders: „Für alle Buchungen von Zügen, die weiterhin fahren, gelten die tariflichen Stornierungsbedingungen. Darüberhinausgehende Kulanzen gibt es nicht. Ihrem Wunsch nach einer Erstattung können wir daher in diesem Fall leider nicht entsprechen. “

In den Monaten zuvor gab es noch ein Entgegenkommen der Deutschen Bahn für solche Fälle. Zwischen dem 13. März und dem 31. Oktober konnten Tickets, die bis zum 13. März gebucht wurden, flexibel bis 31. Oktober genutzt werden. Doch der Zeitraum zur flexiblen Ticketnutzung wurde nicht verlängert. Nun gelten wieder die normalen Stornierungsbedingungen.

Bahn spricht von „großzügige Stornierungskonditionen“

Für die Verbraucherzentrale NRW kam dies nicht überraschend. „Wir sind nicht davon ausgegangen, dass es eine Verlängerung dieses Kulanzrahmens geben würde“, sagte Sprecherin Melanie Schliebener.

Damit bleibt es dabei, dass ein Umtausch oder eine Erstattung nur bei den Angeboten wie Sparpreis oder Flexpreis möglich ist - beim Super-Sparpreis jedoch nicht.

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Die Argumentation der Bahn zu den aktuellen Reisebedingungen: „Mit dem Sparpreis und dem Flexpreis hat ein Großteil unserer Angebote bereits sehr großzügige Stornierungskonditionen. Wir möchten unseren Kunden aber auch in Coronazeiten die Möglichkeit geben, sich für ein sehr günstiges Angebot zu entscheiden und bieten daher weiterhin den Super-Sparpreis an. Wir weisen aber im Buchungsprozess explizit darauf hin, dass es sich hierbei um ein nicht stornierbares Angebot handelt und empfehlen seit dem Frühjahr auch aktiv die Buchung eines stornierbaren Angebots.“

„Bin davon ausgegangen, dass die Stornierung funktioniert“

Die Bahn schreibt weiter: „Wir gehen davon aus, dass sich unsere Kunden bewusst dafür entscheiden, auf die Stornierbarkeit zugunsten eines günstigen Preises zu verzichten. Vor dem Hintergrund der weiterhin unbeständigen Gesamtsituation sind die Risiken, die aktuell bei Reisen im In- und Ausland auftreten können, bekannt. Dies sollte bei der Reiseplanung entsprechend berücksichtigt werden.“

Der 63-Jährige ist erbost: „Als wir die Tickets im September gebucht haben, war nicht abzusehen, dass es nochmal einen Lockdown geben wird. Die Bundesregierung rät ja aktuell ausdrücklich dazu, nicht zu reisen. Deswegen bin ich davon ausgegangen, dass die Stornierung funktioniert.“

In der Verbraucherzentrale NRW gibt es aktuell nicht allzu viele Anfragen zu diesem Thema. Trotzdem geht Zöllner davon aus, dass seine Frau und er nicht die einzigen sind, die betroffen sein werden. „Ich denke, den Super-Sparpreis werden viele gebucht haben.“

Die Tickets des Dortmunder Ehepaars werden jetzt verfallen. Beide gehen davon aus, in diesem Jahr nicht mehr zu reisen. Als Alternativtermin für den Trip in die Schweiz wird nun das Frühjahr 2021 anvisiert.

Info

Die Verbraucherzentrale NRW informiert: „Fahrkarten, die nicht online gekauft wurden, könnten vor Fahrtantritt wenigstens an Dritte weitergegeben werden. Die Bahn schließt einen Weiterverkauf auf ihren Seiten aber aus.“
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