EDG lässt gelbe Tonnen in Dortmund immer häufiger ungeleert stehen

dzÄrger um Mülltrennung

Ärger um den Hausmüll: Immer öfter bleiben gelbe Tonnen ungeleert stehen, weil sie falsch befüllt worden sind. Völlig übertrieben, sagen Wohnungsunternehmen – die EDG sieht das anders.

Dortmund

, 11.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Schreiben von Dowert (Dortmunder Wertstoff GmbH) an den Spar- und Bauverein bot schwere Kost. Inhalt: Die EDG-Tochter, zuständig für die Wertstoffsammlung in Dortmund, klagt über eine steigende Zahl von Fehlwürfen in der gelben Tonne. Zahlreiche Mieter, so der Tenor, würden die Mülltrennung eher lax angehen. Immer mehr Restmüll, der in die graue Tonne gehöre, lande stattdessen in der gelben Wertstofftonne.

Das will die EDG-Tochter nicht länger hinnehmen – und zieht die Zügel an: Die Müllwerker gucken genauer hin. Sie gehen vermehrt dazu über, die gelbe Wertstofftonne bei falscher Befüllung ungeleert stehen zu lassen. Folge: Die Wohnungsunternehmen müssen Extra-Leerungen anmelden.

Dafür werden Beträge zwischen 12,06 Euro (für eine 80 Liter-Tonne) und 139,65 Euro (für einen 1100 Liter-Container) fällig. Die Kosten stellt die EDG den Wohnungsvermietern in Rechnung. Die wiederum reichen sie über die Betiebskostenabrechnung an die Mieter weiter – deren Nebenkosten steigen. Und damit ihre Mieten insgesamt.

Die Blumenzwiebel im Plastikmüll

Allein beim Spar- und Bauverein mit seinen rund 12.000 Wohnungen sind die Kosten für die Sonderleerungen merklich nach oben geschnellt: Von Januar bis Ende August 2019 fielen gerade 3600 Euro an. Im Vergleichszeitraum 2020 seien es bereits 22.000 Euro.

Das Thema sei auch in der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Wohnungsunternehmen (ADW) angekommen, sagt Vorstandsvorsitzender Franz-Bernd Große-Wilde. Die ADW ist das Sprachrohr für 13 Wohnungsunternehmen mit rund 70.000 Wohnungen in Dortmund. Große-Wilde: „Es besteht Handlungsbedarf.“

Die Wohnungswirtschaft quittiert das Vorgehen der EDG mit Kopfschütteln. Es sei „überzogen und übertrieben“, heißt es. Wenn bei einem 240 Liter-Behälter eine Blumenzwiebel auf dem Plastikmüll liege – sei das bereits eine verunreinigte Einheit und ein Grund, den Behälter ungeleert stehen zu lassen?, fragt Große-Wilde.

EDG sieht 40 Prozent Fehlwürfe

Seine Antwort: nein. Vielmehr handele es sich „um eine Frage der Gewichtung und Bewertung“, so der ADW-Vorstandschef. Notwendig seien „flexible Handhabe und Kulanz“.

EDG-Sprecher Matthias Kienitz sieht das naturgemäß anders. Die Sortierqualität habe sich verschlechtert. Dabei handele es sich um „ein strukturelles Problem“, das mit Corona eher am Rande zu tun habe. Sorgen bereite nicht die Bio-, Papier- und Glassammlung. „Die Probleme liegen in der gelben Wertstofftonne“, sagt Kienitz.

Sobald die graue Hausmülltonne voll sei, werde das Material in die gelbe Tonne geworfen. Die Quote der Fehlwürfe liege stadtweit bei „rund 40 Prozent“. In hochverdichteten Wohngebieten, vor allem in Großwohnanlagen, seien es „70 Prozent.“ Brennpunkte sieht die EDG beispielsweise in Scharnhorst, in der Nordstadt und am Clarenberg in Hörde.

Sonderleerungen: Mieten steigen

Tatsächlich rücken die Müllwerker immer öfter zu Sonderleerungen aus. Im Januar 2020 waren es 174 Extra-Touren, weil Behälter falsch befüllt waren. Im September bereits 685. Die vorläufige Spitze war im Juli mit 951 zusätzlichen Leerungen erreicht. Die Quote betrifft mehrere Behälterarten – wobei die gelbe Tonne für die EDG hervorsticht.

Nicht nur in großen Wohnanlagen wird falsch getrennt: Hinweisschild in einem Hausflur im Saarlandstraßen-Viertel.

Nicht nur in großen Wohnanlagen wird falsch getrennt: Hinweisschild in einem Hausflur im Saarlandstraßen-Viertel. © Gregor Beushausen

Sie soll in erster Linie jenes Material schlucken, das mit dem „Grünen Punkt“ versehen ist. Etwa Joghurtbecher, Plastikflaschen, Konservendosen, aber auch Obst- und Gemüseschalen. Dabei handelt es sich um Wertstoffe, die von der EDG gesammelt und ans „Duale System Deutschland“ geliefert werden. Sie werden in den Stoffkreislauf zurück geschleust, um aus Altem Neues entstehen zu lassen. „Die Betreiber erwarten hohe Sortierqualität“, sagt Kienitz.

Für ihre schärferen Kontrollen führt die EDG ein weiteres Argument ins Feld. Der Umstand, dass immer mehr Fehlwürfe in der gelben Tonne landeten, zeige, „dass viele Restmülltonnen zu klein“ seien, sagt Kienitz. Das tatsächliche Aufkommen an Restmüll passe vielerorts nicht mehr zum Volumen der grauen Behälter. Problem dabei: Vermieter sind darauf bedacht, möglichst kleine Tonnen vor den Häusern und in Kellern stehen zu haben.

Kosten für Mieter spreizen sich

Deren Leerung und Entsorgung wird über die städtischen Müllgebühren finanziert, Und die werden auf die Mieter umgelegt. Je größer die Restmülltonne, desto höher die Gebühren.

Die Entsorgung der grauen Restmülltonne wird über die Müllgebühren finanziert. Bei der gelben Tonne ist das völlig anders.

Die Entsorgung der grauen Restmülltonne wird über die Müllgebühren finanziert. Bei der gelben Tonne ist das völlig anders. © Gregor Beushausen

Bei der gelben Tonne ist das völlig anders: Die Kosten für deren Entsorgung zahlt der Verbraucher beim Einkaufen – über den „Grünen Punkt“. Dadurch, dass immer mehr Restmüll in der gelben Tonne lande, würden dem über Gebühren finanzierten Entsorgungsweg „Einnahmen entzogen“, sagt Kinietz.

Darauf müsse man reagieren. Dabei driften die Entsorgungskosten in Dortmund seit Langem auseinander, wie der Mieterverein herausgefunden hat.

Mails an die Haushalte

Basierend auf dem Betriebskostenspiegel von 2017, lägen die Kosten für die Haushalte im Schnitt bei 0,17 Euro pro Quadratmeter Wohnraum. Tatsächlich gebe es Quartiere, in denen Anwohner mit bis zu 0,80 Euro/Quadratmeter zur Kasse gebeten würden. Folge: Die Nebenkosten und Mieten steigen.

Die Wohnungsunternehmen sehen das mit Bedenken. Sie reagieren mit mehrsprachigen Flyern als Information für ihre Mieter. Und, wie der Spar- und Bauverein, mit direkten Mails an die Hausbewohner.

„Die Frage ist, ob man die Nebenkosten gemeinsam konstant halten oder durch solche Maßnahmen zusätzlich steigen lassen möchte“, so Große-Wilde in Richtung der EDG. „Die Zielrichtung der Wohnungsunternehmen ist das nicht.“

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt