E-Scooter werden zur „heimtückischen Falle“ für Radfahrer - Strafanzeige

dzÄrger um Leih-Tretroller

Leih-E-Scooter sorgen häufig für Ärger auf Dortmunds Straßen - besonders wegen ihres unachtsamen oder gefährlichen Abstellens. Doch beim Verfolgen von Verstößen gibt es ein großes Problem.

Dortmund

, 19.10.2020, 17:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seit über einem Jahr fahren E-Roller unterschiedlichster Anbieter durch Dortmund und genauso alt sind die Beschwerden über weggeworfene oder falsch abgestellte Scooter.

Und tatsächlich liegen die Roller auch in der Verkehrsunfallstatistik der Dortmunder Polizei 2019 mit 783 aufgenommen Verstößen weit vorne.

Radfahrer hätten schwer stürzen können

Ein besonderes Ärgernis dabei: Roller, die auf Fahrradwegen abgestellt oder zum Teil hingelegt wurden. In Kurven und auch bei Dunkelheit stellen die Roller so eine erhebliche Gefahr für Radfahrer dar.

Ein Umstand, der nun auch die Dortmunder Polizei beschäftigen wird. Dort wurde Strafanzeige gegen Unbekannt wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gestellt, nachdem zwei Roller auf einem Fahrradweg in Hörde abgestellt worden waren.

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Aus der Anzeige geht hervor, dass die E-Scooter des Anbieters Lime bei Dunkelheit und nach einer Kurve abgelegt wurden, sodass "abbiegende Radfahrer unweigerlich schwer gestürzt wären". Im weiteren Verlauf der Anzeige ist von einer "heimtückischen Falle" die Rede.

Fälle wie den in Hörde gibt es allerdings schon lange, bereits vergangenes Jahr berichteten wir über den Dogewo-Hausmeister Mario Sopar aus dem Dortmunder Norden. Auch er beschwerte sich über die Gefahr, die herumliegende Roller für den Fahrradverkehr darstellten.

Nutzerdaten der E-Scooter-Anbieter helfen nur bedingt

Trotzdem ist die Sachlage für die Polizei aus unterschiedlichen Gründen kompliziert, wie Polizeisprecherin Dana Seketa erklärt: "Absicht oder Heimtücke ist in solchen Fällen ganz schwierig zu überprüfen", es sei hinterher fast nicht möglich, zwischen Faulheit oder Unachtsamkeit und Absicht zu unterscheiden.

Ein anderer Punkt liegt in der Identifikation des Täters. Zwar würde die Polizei "alle Möglichkeiten nutzen", um diesen ausfindig zu machen. Die Nutzerdaten der Anbieter seien dabei allerdings anders, als man es vielleicht vermuten würde, nur wenig hilfreich.

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Denn diese Roller "wiegen ja nicht so viel, das muss also nicht der Nutzer gewesen sein." Es könnten auch Dritte sein, die einen korrekt abgestellten Roller nehmen und ihn böswillig oder unachtsam hinlegen.

Ein Szenario, das für Florian Anders, Pressesprecher des E-Scooter-Verleihers Lime, auch das wahrscheinlichste ist. Denn die Mieter der Roller müssten nach Beendigung ihrer Fahrt ein Foto von dem korrekt abgestellten Scooter in die App hochladen. Das bei Fällen wie in Hörde, die zur Anzeige gebracht werden, auch als Beweismittel herangezogen werden kann.

Forsa-Umfrage: Nur 50 Prozent kennen Promillegrenzen für E-Scooter

Die Verfolgung derjeniger, die Roller auf Fahrradwegen abstellen, ist also schwierig und dürfte nur erfolgreich sein, wenn der Täter beobachtet wurde oder dumm genug ist, sich selbst nach dem Vergehen zu fotografieren.

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Anbieter wie Lime und Voi versuchen deswegen präventiv ihre Nutzer zu "sensibilisieren und informieren", wie Anders erklärt. In Kampagnen wie "Roll ohne Risiko" oder "Ride it Right" wird beispielsweise auf die wichtigsten Verkehrsregeln oder die Promillegrenzen hingewiesen.

Ein Hinweis, der nötiger ist, als man es glauben mag, denn laut einer Forsa-Umfrage, die in den kommenden Tagen veröffentlicht werden soll, weiß nur jeder zweite Befragte, dass auf E-Rollern dieselben Promillegrenzen gelten wie in anderen Kraftfahrzeugen - inklusive derselben Strafen.

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