Flug-Drohnen haben keinen guten Ruf. Drohnen stören den Luftverkehr, Drohnen werden im Krieg eingesetzt. In Marten kann man Drohnen in ihrer edelsten Funktion beobachten - beim Sport.

Marten

, 11.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Das Geräusch ist ungewöhnlich, es ist eine Art Summen, nicht übermäßig laut aber ein wenig nervig. Es hört sich an wie eine wütende Mücke. Flugdrohnen bereichern unsere laute Welt mit einem völlig neuen Geräusch. Zu hören ist es in Dortmund immer samstags auf dem Sportplatz von Arminia Marten.

Dort lassen die Mitglieder der Interessengemeinschaft FPVoegel ihre Drohnen starten. Sie trainieren ihre Flugkünste, basteln an ihren Drohnen und tauschen sich aus. Sie treffen sich als Interessengemeinschaft, weil man keinen Verein gründen wollte. Im August 2018 gegründet ,ist FPVoegel noch sehr jung, doch es kommen bereits bis zu 50 Drohnen-Freunde zum Training.

Sie kommen aus dem gesamten Ruhrgebiet. Der Drohnensport ist erst am Anfang seiner Entwicklung, es gibt nur wenige Flugplätze oder Hallen und kaum andere Gruppen. Die, die nach Marten kommen, sind allesamt Pioniere.

Vermittlung durch das Martener Forum

Und der Pionier der Pioniere ist Oliver Schwab aus Marten. Er war es, der für seine Freunde einen Ort suchte, um bei Gemeinschaftstreffen zu basteln und zu fachsimpeln. Beim Martener Forum wurde er fündig. Doch beim ersten Termin gab es im Meilenstein leider eine Doppelbuchung. Auf Vermittlung des Martener Forums konnten die Drohnenflieger ins Vereinsheim der Arminia ausweichen.

Drohnenpioniere bringen ihre rasanten Flieger in Marten in die Luft

Ein ungewohnter Anblick: Drohnenpiloten mit Video-Brillen. © Foto Holger Bergmann

Dort trafen sie auf einen Verein, der den Rasenplatz praktisch nicht mehr bespielt und auf der Suche nach neuen Nutzern war. Seitdem ist der Arminiasportplatz die neue Heimat des FPVoegel.

Diesen Namen muss man erklären. „FPV“ steht für „first person view“, also Blick aus erster Hand. Denn die Renn-Drohnen werden bei ihren Flügen durch anspruchsvolle Parcours nicht einfach vom Rand des Platzes aus geflogen. Die Drohnen senden ein Video-Bild auf die Video-Brillen ihrer Piloten, die so die Perspektive der Drohne empfangen. Nur so sind die Drohnen steuerbar, die werden nämlich locker bis zu 120 km/h schnell.

Drohnen sind superschnelle Flieger

Drohnenpiloten müssen vielerlei Talente besitzen: Das Steuern eines superschnellen Fluggefährtes, den Zusammenbau der Teile und das Programmieren der Steuergeräte.

Bis 2012, so Oliver Schwab, waren Drohnen nur etwas für klassische Nerds. Das lag an den Kosten. „2000 Euro für eine Drohne zu bezahlen und nach jedem Absturz 500 Euro für die Ersatzteile, das war nicht für jeden was.“

Drohnenpioniere bringen ihre rasanten Flieger in Marten in die Luft

Der Stammtisch von Drohnen-Fans: Aus aller Welt zusammenbestellte Einzelteile. © Foto Holger Bergmann

Doch dann kam der technische Durchbruch. Das Videosignal konnte plötzlich in einer Geschwindigkeit per Funk gesendet werden, die das Steuern der Drohnen per Videobrille möglich machte. Danach begann der Boom und die Preise sanken.

Der Blick durch die Drohnenlinse macht den Sport sehr telegen, denn man kann die Übertragung auch auf Bildschirme oder Leinwände senden, das ergibt bei Turnieren spektakuläre Bilder.

Sport steckt in den Kinderschuhen

Alles an diesem Sport fühlt sich noch ganz jung an. Noch immer müssen sich die Drohnen-Besitzer ihre Ersatzteile aus allen Teilen der Welt zusammenbestellen. „Wenn sich am Frankfurter Flughafen ein Zöllner am Kopf kratzt und sich fragt, was soll das denn, dann hat er bestimmt gerade Post für uns in der Hand“, sagt Oliver Schwab.

Auch die Klasseneinteilungen bei sportlichen Wettkämpfen sind noch nicht ausgereift. Im Bereich der Renn-Drohnen gibt es momentan nur zwei Klassen, Anfänger und Fortgeschrittene, die sich nur durch die Zahl der Akkus unterscheiden - alle Drohnen sind selbstgebaut, Konstruktionsregeln wie in der Formel 1 gibt es nicht.

Nur in einem Bereich herrscht Klarheit, bei der Flugsicherung. Drohnen dürfen nicht höher als 100 Meter steigen und nicht in der Nähe von Flugverbotszonen fliegen. Das betrifft nicht nur Flughäfen, sondern auch Industriegebiete. Drohnen-Piloten dürfen ihre Geräte nie allein starten, es muss immer jemand dabei stehen, der eingreift, wenn die Drohne sich aus der Reichweite der Fernbedienung zu bewegen droht. Drohnen dürfen nicht weiter als 500 Meter fliegen.

Mikrodrohnen starten nur in der Halle

Auch an diesen Regeln kann man erkennen, dass FPVoegel in Marten ein Paradies gefunden hat. Weit und breit keine Sperrzone. Dazu kommen die hohen Bäumen rund um den Platz, die den Wind abhalten, denn die Drohnen sind sehr empfindlich.

Noch empfindlicher sind Mikrodrohnen. Die sind etwa faustgroß und können praktisch nur in der windstillen Halle fliegen. Deshalb besteht das Samstagstraining von FPVoegel aus zwei Abschnitten. Nach dem Fliegen über den Rasen geht es in die Sporthalle des CJD-Jugenddorfes Oespel, dem zweiten Partner, den Olver Schwab finden konnte.

Drohnen-Rennen sind nur eine Disziplin des jungen Sports. Es gibt auch die Freestyler, die Kunstflieger, und die Video-Drohnen. Im Fernsehen kommt kaum eine Dokumentation ohne Drohnenflüge aus, so entstehen atemberaubende Bilder aus der Luft.

Drohnen-Fliegen als Dienstleister

Oliver Schwab könnte sich vorstellen, in diesem Bereich mal sein Hobby zum Beruf zu machen. Video-Drohnen-Flüge als Dienstleister anzubieten. Doch das ist erstmal nur ein Traum, genauso wie die Idee, eines Tages Wettbewerbe in Marten zu organisieren. Wenn das soweit ist, wird es auf der Homepage von FPVoegel bekannt gegeben.

Lesen Sie jetzt