Mareike Löhnert weiß, wovon sie schreibt: Die 46-Jährige lebt selbst in der Nordstadt. © Michael Schuh
Literatur

Drogen, Verbrechen, Mord: Krimi spielt in Dortmunds düstersten Ecken

In ihrem Debütroman „Emscher Zorn“ lädt Mareike Löhnert zu einer Achterbahnfahrt durch eher dunkle Dortmunder Gegenden ein. Und trotzdem strahlt die 46-Jährige vor Glück.

Genervt vom Lockdown, laufen viele Menschen momentan mit heruntergezogenen Mundwinkeln durch die Gegend und haben schlechte Laune. Doch es geht auch anders – das beste Beispiel dafür ist Mareike Löhnert. Die Dortmunderin strahlt über das ganze Gesicht und ist vor allem eins: glücklich. Denn für sie ist ein Traum Wirklichkeit geworden.

Papier gewordene Sehnsucht

Der Traum, das ist für die 46-Jährige kein Lottogewinn, kein Eigenheim und auch kein neues Auto. Der Traum umfasst vielmehr 377 Seiten und trägt den Titel „Emscher Zorn“. Voller Stolz zeigt Löhnert die Papier gewordene Sehnsucht: ihr erster eigener Roman.

„Als am 10. Februar der Karton vom Verlag mit den Büchern bei mir angeliefert wurde, da habe ich beim Auspacken echt gezittert“, erzählt Löhnert lachend. „Und als ich das Buch, mein Buch, dann in Händen hielt, da dachte ich, ich flippe aus.“ Und bei jedem Wort merkt man der sympathischen Frau an, dass sie es genauso meint, wie sie es sagt.

Keine künstlerische Laufbahn

Doch eigentlich deutete lange Zeit nichts darauf hin, dass die im Schwarzwald geborene und in Norddeutschland aufgewachsene Mareike Löhnert einmal unter die Schriftsteller gehen würde. Zwar war sie in der Schule nach eigener Aussage „gut in Deutsch, Kunst und Musik, schlecht in allem anderen“, doch eine künstlerische Laufbahn schlug sie deshalb noch lange nicht ein.

„Da hätte ich mich geschämt“

Stattdessen absolvierte sie eine Ausbildung zur Erzieherin und jobbte in Discos und Fabriken, ehe sie vor 20 Jahren als Personalsachbearbeiterin bei einer Firma in Dortmund begann, wohin es sie als junge Frau verschlagen hatte. „Nebenbei habe ich immer für mich selbst geschrieben, meist Kurzgeschichten“, sagt Löhnert. „Aber nichts, was ich anderen vorgelesen habe. Da hätte ich mich geschämt.“

Ein Traum mit 377 Seiten: Mareike Löhnert präsentiert stolz ihren Debütroman “Emscher Zorn”. © Michael Schuh © Michael Schuh

Das sollte sich erst 2015 ändern, als sie einen Kurs „Kreatives Schreiben“ bei der Dortmunder Volkshochschule belegte. Noch heute schwärmt sie von der Unterstützung und der positiven Resonanz, die sie dort erfuhr. Und letztlich legte sie dort auch ihre Scheu vor einem öffentlichen Vortrag ab: „Obwohl es mich ganz schön Mut gekostet hat, anderen Menschen etwas von mir vorzulesen.“

Geschrieben wie eine Besessene

Frei nach dem Motto „Wie man einen Roman schreibt, kann man nur lernen, wenn man es tut“ begann sie schließlich eine erste Idee für einen Roman aufs Papier zu bringen. „Ich habe geschrieben wie eine Besessene“, erinnert sich die Dortmunderin, „nach drei Monaten war das Manuskript fertig.“

Nordstadt spielt zentrale Rolle

Dass damit der größte Teil der Arbeit aber noch lange nicht erledigt ist, erfuhr Löhnert in der Folgezeit. Immer wieder überarbeitete sie den Text und verlegte die Handlung aus einer zunächst fiktiven Stadt nach Dortmund, wo unter anderem die Nordstadt – ihre Heimat – eine zentrale Rolle spielt.

So entstand entgegen der anfänglichen Planung ein Krimi, in dessen Mittelpunkt der 24-jährige Außenseiter Jakob Teuber steht, der immer tiefer in eine Abwärtsspirale aus Alkohol, Drogen und Verbrechen gerät. Letztlich mündet die Achterbahnfahrt durch Dortmunds düsterste Ecken in einer Katastrophe. Mord und schräger Humor inklusive.

Überraschende Antwort

Im Mai 2020 fasste sich die Dortmunderin ein Herz und schickte den Entwurf an vier Verlage: „Eigentlich nur aus Spaß, denn ich habe überhaupt nicht mit einer Rückmeldung gerechnet.“ Doch die kam: Der baden-württembergische Gmeiner-Verlag teilte der Dortmunderin mit, dass er ihre Geschichte als Buch veröffentlichen wolle.

Jede Menge Arbeit

Erneut kam eine Menge Arbeit auf sie zu, denn nun musste der Text mithilfe einer Lektorin ein weiteres Mal überarbeitet und in die abschließende Form gebracht werden. Das nahm, ebenso wie das Ändern des Titels oder die Auswahl des Covers, viel Zeit in Anspruch. Zeit, die sie wohl nur aufbringen konnte, weil sie keine Kinder hat und zudem das Pensum bei ihrem eigentlichen Arbeitgeber herunterfuhr.

Und dann kam jener besagte 10. Februar 2021, an dem die ersten Exemplare von „Emscher Zorn“ nicht nur bei ihr eintrudelten, sondern auch an die Buchhandlungen ausgeliefert wurden. Ein tolles Gefühl, zumal ein ansonsten der Literatur wenig zugewandter Bekannter ihr erzählte, er habe das Buch in nur zwei Tagen komplett gelesen. „Da war ich echt stolz.“

Hoffen auf Lesungen

Das Glück perfekt machen würden nun noch Lesungen, die derzeit wegen der Corona-Pandemie jedoch ausfallen müssen. „Auf Menschen und deren Reaktionen hätte ich total Lust“, sagt Löhnert, „hoffentlich ist das bald wieder möglich.“ Keine Spur mehr von der Autorin, für die öffentliches Vorlesen einst große Überwindung bedeutete.

Geld steht nicht im Vordergrund

Und wie sieht die Dortmunderin ihre Zukunft? Möchte sie das Schreiben künftig zum Beruf machen? „Ganz ehrlich: Ich habe überhaupt nicht die Hoffnung, einmal davon leben zu können“, sagt die 46-Jährige. „Geld steht absolut nicht im Vordergrund. Ich liebe Bücher – und ein eigenes geschrieben zu haben, ist ein Traum.“

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