Das erzählten Jörg Böckem und Sascha Bisley über ihre Drogenkarriere und Iggy Pop

dzTalk in Klinik

Kultur trifft Klinik: Zum Auftakt der Reihe sprachen Jörg Böckem und Sascha Bisley im Knappschaftskrankenhaus Lütgendortmund über Sucht und Gewalt. Die folgende Diskussion war sehr offen.

von Tobias Weskamp

Lütgendortmund

, 09.05.2019, 16:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Etwa 100 interessierte Zuhörer waren am Mittwochabend in den Konferenzraum in der 1. Etage des Knappschaftskrankenhauses in Lütgendortmund gekommen. Grund war der Auftakt der neuen Reihe „Kultur trifft Klinik“, zu dem die Autoren Sascha Bisley und Jörg Böckem gekommen waren. Beide sprachen über Drogenmissbrauch und daraus resultierende Gewalt - und das aus eigener Erfahrung.

Der freie Journalist Jörg Böckem hat fünf Bücher über Sucht und Drogen verfasst. Dazu gehören seine Autobiografie „Lass mich die Nacht überleben“ und das Aufklärungsbuch „High sein“. Der Dortmunder TV-Moderator, Filmemacher und Autor Sascha Bisley konsumierte schon in seiner Jugend Drogen. Nach einem Gewaltverbrechen saß er mit 19 im Gefängnis. Seine Erfahrungen verarbeitete er in seiner Autobiografie und in seinem TV-Format „Szene Deutschland“.

Autoren zeigen schockierende Beispiele für Drogengefahren

Aus ihren Werken lasen bzw. zeigten beide Autoren mehrere Ausschnitte. Die Zuhörer erfuhren, wie versucht wird, Drogenabhängigen zu helfen - etwa mithilfe von Drogenpräventionsräumen. Besonders still wurde es, als Böckem schilderte, wie er den Drogenrausch erlebte und beinahe seine damalige Freundin erwürgte.

Besonders interessiert zeigten sich die Besucher bei der anschließenden Diskussionsrunde. „Keine Frage ist zu persönlich“, versicherten beide Autoren, um die Hemmungen zu nehmen. Da diese bei den meisten doch zunächst überwogen, fragte die Organisatorin des Abends, Rena Schölzig, was beide ihrem jüngeren Ich raten würden, hätten sie die Möglichkeit dazu. „Ich würde ihm versuchen klarzumachen, dass ich nicht versuchen muss, jemand anders zu sein. Das war bei mir der Motor“, beschrieb Bisley. Böckem erinnerte sich, dass er Iggy Pop mal eine ähnliche Frage gestellt hatte. Der war zu der Zeit schon clean und wollte nichts ändern. „Ich würde einfach sagen: Das kriegst du schon hin, pass auf dich auf.“

Zuhörer stellten viele interessierte Fragen

Schnell tauten die Besucher nun auf und stellten ihrerseits zahlreiche Fragen. Ein Zuhörer fragte, ob Drogen in unsere Leistungsgesellschaft passen. Beide Autoren meinten, dass das gut sein könne. „Man will sich oft schützen“, so Böckem. „Manche Drogen sind auch Leistungssteigerer“, erklärte Bisley, der schon als Kind von seinem Vater Bier bekam. Eine Zuhörerin interessierte, ob beide nochmal Drogen nehmen würden. Beide denken eher nein, sagen aber, dass sie es nicht ausschließen könnten.

Auch die aktuelle Drogenpolitik, die Bisley und Böckem nicht gut finden, sorgte für viele Diskussionen. Beide erklärten aber, dass aus dem kommunalen Bereich viele gute Anregungen kämen.

Der Abend kam bei den Besuchern gut an

Die Zuhörer fanden die Veranstaltung sehr gut. Eine 81-Jährige aus Essen, die ihren Namen nicht in diesem Bericht lesen möchte, findet es gut, dass beide zu dem stehen, was sie getan haben. Sie bedauert, dass Drogenabhängige oft kriminalisiert werden. „Ich sehe für viele keine Zukunft.“ Andreas Brost gefiel vor allem die Diskussion. Auch die Kombi aus Bisley und Böckem fand er interessant. Liliane Adamek interessierten vor allem die Erfahrungen der beiden. „Die Fragerunde lieferte darüber hinaus noch viele Einblicke“, lobt sie.

Bereits vor der öffentlichen Veranstaltung konnten Patienten der Psychatrie ebenfalls Bisley und Böckem zuhören und mit diesen diskutieren. „Der Aufenthalt in der Psychatrie soll nicht aus der Gesellschaft ausschließen“, erklärte Standortleiter Dr. Matthias Wagner. Rena Schölzig war durch andere Veranstaltungen auf Bisley und Böckem gestoßen. „In der Klinik waren alle von der Idee angetan“, freut sie sich. Auch den beiden gefiel der Abend. Besonders die Diskussion fand Böckem gut. „Reibereien helfen, einen neue Blickwinkel zu bekommen.“ Die Rückmeldungen fand Bisley toll: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen.“

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