Dringlicher Appell einer gefährdeten Dortmunderin: „Tragt Masken!“

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Inka L‘hoest gehört aufgrund einer Lebertransplantation zur Hochrisikogruppe in Corona-Zeiten. Die 37-Jährige bittet alle Dortmunder, einen Mundschutz zu tragen - nicht nur beim Einkauf.

Dortmund

, 28.04.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es sind eben keineswegs nur ältere Menschen, für die das Coronavirus eine extreme Gefahr darstellt. Der 37-jährigen Inka L‘hoest musste vor zweieinhalb Jahren die Leber transplantiert werden, sodass die Dortmunderin nun der Hochrisikogruppe angehört. Um sich selbst, aber auch andere Menschen zu schützen, appelliert die dreifache Mutter deshalb: „Tragt alle Masken!“

Niederschmetternde Diagnose

Die Krankheit der Dortmunderin begann 2017 mit vermeintlich alltäglichen Symptomen: Ihr war übel, sie fühlte sich schlapp und müde. Doch erst, nachdem auch Gelenkschmerzen aufgetreten waren, stellte ein Rheumatologe die richtige und zugleich niederschmetternde Diagnose: autoimmune Hepatitis, eine seltene Erkrankung der Leber, bei der das körpereigene Immunsystem die Leberzellen angreift.

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Da sich L‘hoests Zustand innerhalb kürzester Zeit dramatisch verschlechterte, blieb einzig die Möglichkeit einer Lebertransplantation - und das aufgrund der extrem rasch voranschreitenden Krankheit so schnell wie möglich. „Zum Glück habe ich sofort ein Organ bekommen“, erzählt die Grundschullehrerin, „hätte ich noch etwas länger warten müssen - ich wäre gestorben.“

Obwohl es anschließend einige Komplikationen gab und ihr Immunsystem komplett heruntergefahren werden musste, erholte sich die Dortmunderin und kann heute sagen: „Mir geht es gut.“ Gäbe es da bloß nicht dieses Virus, das ihren Alltag ziemlich durcheinanderwirbelt und sogar ihr Leben bedroht.

Arbeit ist unmöglich

“Ich arbeite sehr gerne“, sagt die Lehrerin, „immer mit viel Spaß und Engagement.“ Doch an Arbeit ist momentan keinesfalls zu denken - und das nicht nur, weil die Grundschulen noch geschlossen sind. „Da bei mir eine Gesundheitsgefährdung besteht, bin ich vom Schulbetrieb ausgeschlossen. Ich dürfte gar nicht arbeiten, ich muss zu Hause bleiben.“

Momentan hält sich Inka L‘hoest nur in der eigenen Wohnung oder im Garten auf. Persönlichen Kontakt hat sie ausschließlich zu ihren Kindern und ihrem Mann.

Momentan hält sich Inka L‘hoest nur in der eigenen Wohnung oder im Garten auf. Persönlichen Kontakt hat sie ausschließlich zu ihren Kindern und ihrem Mann. © Schaper

Dort beschränkt sich der Kontakt auf ihren Mann und die drei Söhne - andere Menschen halten sich derzeit nicht im Umfeld der 37-Jährigen auf. Obwohl eine wenig erfreuliche Situation, werde diese doch von allen Seiten vollauf akzeptiert, sagt L‘hoest: „Denn nicht nur ich selbst bin vorsichtig - meine Verwandten und Bekannten machen sich ja ebenfalls Sorgen um mich.“

Kein Treffen mit Freunden

Und auch die eigene Familie nimmt in dieser Zeit Einschränkungen in Kauf. Inka L‘hoests Ehemann trägt stets einen Mundschutz, sobald er das Haus verlässt, die drei Söhne können sich derzeit nicht mit Freunden treffen - die Gefahr einer Infektion wäre einfach zu groß.

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„Zum Glück haben die drei sich“, erzählt die Dortmunderin, „aber natürlich fragen sie schon mal, wann sie ihre Freunde wiedersehen können.“

Eines der Kinder besucht normalerweise die Grundschule, die beiden anderen gehen in die Kita - oder besser gesagt: würden eigentlich in die Kita gehen. Denn auch das ist aufgrund des Risikos vielleicht selbst dann nicht möglich, wenn Schulen und Kindergärten ihre Pforten wieder öffnen.

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Wie es in diesem Falle weitergeht, vermag die Dortmunderin noch nicht zu sagen: „Eventuell gibt es für sie dann individuelle Regeln. Aber es lohnt sich eigentlich nicht, darüber nachzudenken, denn momentan ist ja ohnehin alles nur zwei Wochen gültig.“

Richtiges Verhalten rettet Leben

Da sie sich nur in Haus und Garten aufhält, sei die Angst vor einer Infektion nicht ständig präsent, fährt die 37-Jährige fort, „obwohl es schon ein komisches Gefühl ist, wenn mein Mann von der Arbeit oder vom Einkauf nach Hause kommt.“

Sicherer würde sich Inka L‘hoest fühlen, wenn alle Menschen außerhalb der eigenen vier Wände einen Mundschutz trügen - auch bei der Arbeit oder sobald es irgendwo zu Kontakten kommt: „Denn oft ist es gar nicht möglich, die Abstandsregeln wirklich einzuhalten.“ Ein solches Verhalten könnte viele Leben retten - unter anderem das von Inka L‘hoest.


Coronavirus
„Lebensritter“ plädieren für Masken

  • Auch das Projekt „Lebensritter“ ruft dazu auf, das Haus nur noch mit einer Maske zu verlassen.
  • Die „Lebensritter“ haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen das Thema Organspende näher zu bringen. Dabei wollen sie für die Geschichten dahinter sensibilisieren und auf die Vielfalt des Engagements aufmerksam machen.
  • Die „Lebensritter“ sind ein Projekt des Netzwerks Organspende NRW, einem Zusammenschluss der Selbsthilfeorganisationen zu den Themen Organspende und Transplantation in Nordrhein-Westfalen.
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