Susanne Appel mit ihrem abschließenden negativen PCR-Test. © Appel
Corona-Pandemie

Drei negative PCR-Tests – Dortmunderin muss trotzdem in Quarantäne bleiben

Den Pfingsturlaub musste Susanne Appel knicken – wegen eines positiven PCR-Tests, auch wenn ein zweiter PCR-Test wenige Stunden später negativ war. Und sie hat nun ein weiteres Problem.

Schon in den vergangenen Wochen haben Susanne Appel und ihre Familie fast täglich freiwillig Corona-Selbsttests und -Schnelltests gemacht. Alle immer negativ. Doch in den vergangenen zwei Wochen wurde sie besonders gut durchgetestet mit insgesamt vier PCR-Tests. Allerdings eher notgedrungen.

Die Familie wollte in den Pfingsturlaub nach Spanien. Deshalb ließ Susanne Appel an einem Donnerstagmorgen (20. Mai) beim Testzentrum im Konzerthaus den Abstrich machen. Zu ihrer großen Überraschung fiel er positiv aus.

Das konnte sich die 54-Jährige nicht erklären. Sie hatte sich im März einmal mit Astrazeneca impfen lassen und seitdem keinerlei Symptome, die auf eine Infektion schließen ließen, und bis aufs Einkaufen keine Kontakte.

Empfehlung vom Gesundheitsamt

Sie wandte sich deshalb an das Gesundheitsamt und erhielt die Auskunft, dass der sogenannte Ct-Wert ihrer Probe auf eine sehr niedrige Viruskonzentration hinweise. Deshalb sollte sie am besten gleich noch einen PCR-Test hinterher machen, riet man ihr.

Weil Susanne Appel nach Spanien wollte, wiederholte sie am selben Tag nachmittags den PCR-Test. Wieder im Konzerthaus. Das Ergebnis, das sie am Freitag mitgeteilt bekam, lautete dieses Mal negativ.

Wieder meldete sich Susanne Appel beim Gesundheitsamt und erhielt das Angebot, am Samstag einen dritten, klärenden Test zu machen, um sicherzustellen, welcher Befund denn nun richtig war.

„Stinksauer über dieses Hin und Her“

Doch am Samstagmorgen rief das Gesundheitsamt an mit der Nachricht, dass es keinen klärenden Test für sie geben werde und sie zwei Wochen in Quarantäne müsse. Ebenso ihr Mann und ihr Sohn. Der Pandemieleiter habe das so entschieden, auch wenn sie noch zehn weitere negative PCR-Tests vorweisen könne. Die Corona-Infektion hätte beim ersten PCR-Test zwar schon im Abklingen gewesen sein können, aber ein Positiv-Test sei nun mal ein Positiv-Test, lautete die Argumentation des Gesundheitsamtes.

Susanne Appel war „stinksauer über dieses Hin und Her“. Sie hat dann am darauffolgenden Mittwoch (26.5.) bei ihrem Hausarzt einen dritten PCR-Test machen lassen, der ebenfalls negativ war. Der Pfingsturlaub war bereits verloren, aber aus der Quarantäne befreite sie auch der dritte Test nicht. Für Susanne Appel ist das Willkür.

Dazu erklärt Stadtsprecherin Anke Widow auf Nachfrage: „Die aktuelle Test- und Quarantäneverordnung sieht vor, dass sich der/die Betroffene nach einem positiven PCR-Test unmittelbar in Quarantäne zu begeben hat. Diese Vorgabe gilt unabhängig vom Ct-Wert.“ Das Ergebnis des ersten PCR-Tests sei entscheidend. Betroffene müssten laut Vorschrift 14 Tage Quarantäne einhalten.

Gesundheitsamt entschuldigt sich für falsche Empfehlung

Der erste PCR-Test sei positiv ausgefallen, sodass hier von einer bestätigten SARS-CoV-2- Infektion auszugehen gewesen sei. Widow: „Die Infektion wurde nachgewiesen, selbst wenn sie zum Zeitpunkt des Tests vielleicht bereits abklang.“

Die Empfehlung einer Gesundheitsamtsmitarbeiterin in der Hotline an Susanne Appel, einen zweiten PCR-Test zu machen, könne man nicht nachvollziehen, so die Stadtsprecherin: „Sollte es diese Aussage tatsächlich gegeben haben, so bitten wir diesen Fehler und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.“

Um wieder aus der Quarantäne entlassen werden zu können, müssen Betroffene zum Ende der Quarantänezeit einen weiteren negativen Test vorweisen und 48 Stunden symptomfrei sein, so Widow: „Weitere Tests, die an welchem Tag auch immer während der Quarantänezeit durchgeführt werden, und deren Ergebnisse können die Quarantänezeit nicht verkürzen.“

Sorge um Impfschutz

Auch dieser vierte abschließende PCR-Test zum Ende der Quarantäne war bei Susanne Appel negativ; doch wie oben beschrieben, darf sie erst am Freitag aus der Isolierung.

So sieht die Bescheinigung über das negative PCR-Test-Ergebnis aus. © Screenshot © Screenshot

Jetzt treibt sie eine andere große Sorge um: Wie steht es jetzt um ihren Impfschutz? Denn Susanne Appel geht weiter davon aus, dass sie nicht infiziert war. Da sie beim ersten Mal mit Astrazeneca geimpft wurde und jetzt offiziell als Genesene gilt, wird sie im nächsten halben Jahr nicht mehr geimpft.

„Schließlich können menschliche Fehler passieren, das heißt, ich bin nicht sicher, dass ich positiv bin, kann mich anstecken und habe dann möglicherweise einen schweren Verlauf“, sagt die Dortmunderin. „Ich habe jetzt ein halbes Jahr Angst. Mir ist wichtig, dass ich auch geschützt bin.“

Stadt hält sich an RKI-Empfehlung

Doch das Gesundheitsamt verweist auf die Impfempfehlung des Robert-Koch-Instituts. Danach sollen Menschen, die bereits einmalig eine Covid-19-Impfung erhalten haben und bei denen danach eine PCR-gesicherte SARS-CoV-2-Infektion auftritt, erst nach sechs Monaten eine weitere Covid-19-Impfstoffdosis erhalten.

„Die Gründe dafür liegen in der mindestens sechs bis acht Monate andauernden Schutzwirkung durch die Infektion sowie im bestehenden Impfstoffmangel“, erläutert Anke Widow. Auch wenn das Zeitintervall von sechs Monaten überschritten sei, reiche eine Impfstoffdosis zur vollständigen Grundimmunisierung aus; denn damit ließen sich bereits hohe Antikörperkonzentrationen erzielen, die durch eine zweite Impfstoffdosis nicht weiter gesteigert werden könnten.

Susanne Appel kann das nicht beruhigen, solange sie nach den zwei unterschiedlichen Testergebnissen eines Tages nicht sicher weiß, dass sie infiziert war.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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