Ein Zimmer in der Pension Plus in der Frauenübernachtungsstelle Nortkirchenstraße in Hörde. © Diakonie
Corona-Impfung

Drei Gynäkologinnen impfen die, die sonst vergessen würden

Die „Sonderimpfaktionen“ mit Johnson & Johnson laufen. Mobile Impfteams fahren dafür zu Einrichtungen und Unterkünften für Obdachlose oder Menschen mit Suchtproblemen. Drei Ärztinnen sind maßgeblich am Erfolg beteiligt.

Die Impfkampagne nimmt immer mehr Fahrt auf. In Dortmund haben schon über 30 Prozent mindestens eine Impfdosis erhalten.

Da manche Gruppen aber schwer zu erreichen sind, setzt die Stadt ihre Hoffnung in den Impfstoff von Johnson & Johnson. Das Vakzin muss nämlich nur einmal gespritzt werden – ein klarer Vorteil, etwa bei Obdachlosen.

100 Frauen bekommen in der Übernachtungsstelle eine Corona-Impfung

Knapp 1000 Dosen plant die Stadt für wohnungslose Menschen in Dortmund ein. Geimpft wird im Auftrag des Impfzentrums, das mobile Teams rausschickt.

Drei Frauenärztinnen aus Dortmund wollten ebenfalls helfen und haben eigeninitiativ den Kontakt zur Übernachtungsstelle für Frauen in Hörde hergestellt. Gynäkologin Fatma Michels rannte offene Türen ein, denn die Frauenübernachtungsstelle suchte nach Möglichkeiten, ihre Bewohnerinnen impfen zu lassen, erzählt die Frauenärztin.

Am kommenden Donnerstag wird Fatma Michels gemeinsam den Gynäkologinnen Gülluzar Aygün und Christine Bülow sowie weiteren Helferinnen bis zu 100 Frauen gegen Corona impfen.

Christine Bülow, Frauenärztin in Dortmund und Bochum (oben), Fatma Michels, Frauenärztin in Dortmund (links), und Güllüzar Aygün, Frauenärztin in Brambauer, impfen benachteiligte Gruppen. © Privat © Privat

Die Umsetzung des Plans erlebte Fatma Michels als unkompliziert. „Es war am Ende so einfach“, sagt sie. Die Stadt hat die Impfaktion genehmigt, sie gibt auch die Impfdosen von Johnson & Johnson raus.

Der Gesundheitsamtsleiter Dr. Frank Renken sagte auf der Pressekonferenz der Stadt unlängst, dass die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) Johnson & Johnson nur an Über-60-Jährige zu verimpfen, kein Problem sei. Denn die STIKO sagt auch, dass nach einem vorherigen Aufklärungsgespräch und der individuellen Risikoabwägung Johnson & Johnson auch jüngeren Impfwilligen verabreicht werden kann.

Ein eingehendes Arztgespräch gehört bei den Sonderimpftagen dazu. Jeder werde individuell aufgeklärt und dann werde individuell entschieden, ob Vorbelastungen und gesundheitliche Probleme gegen eine Impfung sprechen oder nicht.

Die Gynäkologinnen werden in weiteren Einrichtungen impfen

Über Mund-zu-Mund-Propaganda erfuhr Fatma Michels von weiteren Einrichtungen, die nach Impfmöglichkeiten suchten. Deshalb wird die Frauenärztin mit ihren Kolleginnen in den kommenden Tage weitere Impftouren absolvieren. Der Verbund sozialtherapeutischer Einrichtungen, unter dessen Dach viele kleine Einrichtungen und Wohngruppen versammelt sind, profitiert vom Engagement der Ärztinnen ebenso wie das Wichernhaus der Diakonie, das wohnungslosen Menschen ein Dach über dem Kopf bietet.

Sozialdezernentin Birgit Zörner sagte bei der Pressekonferenz, dass das Wichernhaus an den kommenden Samstagen impfen wird. 600 Impfdosen seien dafür bestellt, das entspricht der Anzahl an Personen, die dort ihre Adresse hinterlegt haben.

Die Ärztinnen haben weitere Pläne

Die drei Gynäkologinnen wollen aber noch mehr tun. „Wir wollen sozialbenachteiligte Gruppen ansprechen“, sagt Fatma Michels. Sie selbst hat türkische Wurzeln und weiß durch ihre tägliche Arbeit in der Praxis und ihre Erfahrungen im Impfzentrum, dass „sich jeder und jede impfen lässt, wenn wir vorher aufklären“.

Deshalb möchte sie die muslimischen Gemeinden mit ins Boot holen, um so die Menschen zu erreichen, die aufgrund von Sprachbarrieren nicht von den bekannten Impfangeboten profitieren.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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