Bunt, aber wenig ästhetisch: verschmierte Brücke an der Ecke Am Remberg und Schürener Straße. Wer soll sich um solche Problemfälle in Dortmund in Zukunft kümmern? © Oliver Schaper
Sauberkeit in Dortmund

Dreckige Brücken in Dortmund: Wer soll sie in Zukunft reinigen?

Viele Bürger ärgern sich über unansehnliche Schmierereien an Brücken. Ab 2022 könnte die EDG für die Reinigung sorgen. Doch dafür soll ausgerechnet die Deutsche Bahn mit ins Boot.

2018 ist die EDG erstmals in die Reinigung der Gehwege von Wildkräutern eingestiegen. Der zweite Schritt folgte 2019 mit der Pflege des Straßengrüns. Beide Aufgaben waren zuvor im städtischen Tiefbauamt angesiedelt und nach quälend langen Diskussionen an die kommunale Entsorgungs- und Reinigungstochter delegiert worden.

2022 könnte eine neue Aufgabe dazukommen: Aktuell steht der Vorschlag im Raum, die EDG möge sich ab 2022 auch um die Sauberkeit der Brückenbauwerke im Dortmunder Stadtgebiet kümmern.

„Das ist ein Vorschlag, den ich nicht für dumm erachte“, formuliert Stadtdirektor und Kämmerer Jörg Stüdemann auf Anfrage. Es gebe in Dortmund zahlreiche Brückenbauwerke, die aus der Zeit der Schwerindustrie stammen. „Und so sehen viele leider auch aus“, kommentiert Stüdemann mit Fingerzeig auf das äußere Erscheinungsbild, das oft von Schmierereien, Aufklebern und wilden Plakatierungen geprägt wird. Stüdemann: „Die Ästhetik lässt an vielen Stellen leider zu wünschen übrig.“

Liste umfasst auch DB-Brücken

Da die Straßenreinigung der EDG bereits für die Gehwege unterhalb der Brücken zuständig sei, mache es Sinn, sie gleich auch mit Reinigung der Bauwerke selbst zu beauftragen. Bislang liegt das im Aufgabengebiet des Tiefbauamtes, das in der Regel Fremdfirmen beauftragt.

Nach eigener Darstellung sind die Tiefbauer unter anderem für 122 städtische Straßenbrücken sowie für 95 Rad- und Gehwegbrücken zuständig. Die EDG soll sich zunächst auf rund 80 Bauwerke konzentrieren. „Hauptsächlich solche, die an wichtigen Verkehrsachsen liegen und täglich von vielen Menschen wahrgenommen werden“, erläutert Stüdemann das Konzept.

Auch an der Brücke am Nussbaumweg haben sich Grafitti-Akteure versucht. Solche Beispiele gibt es viele in Dortmund.
Auch an der Brücke am Nussbaumweg haben sich Grafitti-Akteure versucht. Solche Beispiele gibt es viele in Dortmund. © RN © RN

Kleiner Stolperstein dabei: Von den 80 ausgeguckten Brücken liegen 57 in städtischer Baulast. Für die weiteren 23 ist die Deutsche Bahn (DB) zuständig. Weshalb Stüdemann den Versuch starten möchte, die DB für den Vorstoß zu begeistern. Ob die Bahn mitzieht, ist zurzeit völlig offen.

Keine Folgen für Gebührenzahler

Bei der EDG fällt die Idee auf fruchtbaren Boden: „Wir können uns das gut vorstellen“, sagt Sprecher Matthias Kienitz. „Die technischen Voraussetzungen dürften kein großes Hindernis sein.“

Die Kosten beziffert Stüdemann auf „200.000 bis 300.000 Euro“. Sie sollen, vorbehaltlich der Entscheidung der Politik, bei den Haushaltsberatungen in den Etat 2022 mit eingespeist werden. Mit anderen Worten: Die Kosten werden von der Stadt beglichen.

Für die Gebührenzahler hätte die Auftragsvergabe an die EDG keine Auswirkungen: Weil es sich um Arbeiten am äußeren Erscheinungsbild der Anlagen handelt, dürfen die Kosten nicht auf die Gebühren für die Straßenreinigung umgelegt werden. Eine Umlage auf den Gebührenzahler ist nur bei solchen Arbeiten möglich, die der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht dienen.

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Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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