Drastische Mieterhöhung angekündigt – LEG spricht von Fehler

dzWohnen in Dortmund

Wenn es um Mieterhöhungen geht, kämpft der Mieterverein Dortmund eine Dauerfehde gegen die LEG. Was den Mieterschützern jetzt an Beschwerden auf den Tisch kam, konnten sie kaum glauben.

Dortmund

, 28.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine 85 Jahre alte, langjährige Mieterin aus der Mechthildstraße in Kirchlinde muss sich erschrocken haben, als sie den Brief der Wohnungsgesellschaft LEG Anfang Juli in ihrem Briefkasten fand. Für ihre 54-Quadratmeter-Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, Baujahr 1954, sollte sie ab 1. Oktober statt bislang 5,19 Euro pro Quadratmeter Grundmiete dann 5,75 Euro zahlen – unterm Strich 30 Euro Miete mehr pro Monat. Der Mittelwert des Mietspiegels wäre damit um 74 Cent pro Quadratmeter und Monat überschritten gewesen.

Wie diese Seniorin erhielten 350 der insgesamt 12.000 LEG-Mieter in Dortmund eine entsprechende Ankündigung zur Mieterhöhung, teilte die LEG auf Anfrage dieser Redaktion mit. Viele davon landeten in der Rechtsberatung des Mietervereins Dortmund.

Dort warnte man vor diesen Mietsteigerungen: „Der Mittelwert des Mietspiegels wird fast immer überschritten, zum Teil sogar für eine durchschnittliche Wohnung der Oberwert der Mietspiegelspanne gefordert“, erklärte Rainer Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund.

LEG: Es war ein EDV-Fehler

Er nahm Kontakt zur LEG auf und erlebte eine Überraschung. Dort war man dankbar für den Hinweis. Die teils drastischen Mieterhöhungen seien aufgrund eines EDV-Fehlers herausgeschickt worden, teilte man Stücker mit.

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„Diese 350 Mieterhöhungen waren alle fehlerhaft, die nehmen wir alle zurück“, bestätigte LEG-Sprecher Mischa Lenz am Dienstag (28.7.) auch gegenüber dieser Redaktion. Parallel zum Mieterverein sei der Fehler auch bei der LEG aufgefallen. „Wir waren schon in der Korrektur“, so der Unternehmenssprecher. Alle 350 betroffenen Mietparteien seien angeschrieben worden, „die müssten das heute schon in der Post gehabt haben.“

Der Mieterverein befindet sich mit der LEG im Dauerstreit über die Anwendung des Mietspiegels. Nach der aktuellen Rechtsprechung des Landgerichts Dortmund gibt der im Mietspiegel ausgewiesene Mittelwert (Medianwert) im Zweifel die ortsübliche Miete innerhalb der Mietspiegel-Spanne wieder.

Erst prüfen, dann unterschreiben

Davon dürfe nur in Ausnahmefällen abgewichen werden, erläutert Martin Grebe, Rechtsanwalt beim Mieterverein: „Ein Vermieter, der nach oben hin abweichen will, müsste in der Mieterhöhung selbst bezüglich aller Wohnwertmerkmale angeben, warum er die Wohnung zu vergleichbaren Wohnungen insgesamt für überdurchschnittlich hält.“

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Geschäftsführer Stücker rät Mietern, nicht sofort nach Erhalt eine schriftliche Zustimmung für solche Ankündigungen zu geben. Die sei dann verbindlich und könne nicht widerrufen werden. Stücker: „Mieter haben zwei Monate Zeit zur Prüfung und müssen sich erst dann festlegen, welchen Betrag sie akzeptieren. Also erst in Ruhe prüfen.“

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Mieter-Service

Online-Rechner und Berechnungshilfe

  • Unter www.mietspiegel-dortmund.de bietet der Mieterverein einen kostenfreien Online-Mietspiegel-Rechner und einen Sonderdruck mit Berechnungshilfe an, der auch in der Geschäftsstelle, Kampstraße 4, 44137 Dortmund, kostenlos erhältlich ist.
  • Die Berechnung der ortsüblichen Vergleichsmiete, einschließlich der Zu- und Abschläge, ist so einfach wie möglich.
  • Auf der Internetseite und in der Geschäftsstelle des Mietervereins ist auch der kostenfreie Mieter-Ratgeber „Mieterhöhung“ erhältlich.
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