Dramatisches Vogelsterben: Linke wollen für Dortmund Notstand ausrufen

dzAntrag an den Rat

Viele Vogelarten in Dortmund sind vom Aussterben bedroht. Nun fordern zwei Dortmunder Parteien einen Notfallplan für die Stadt. Nur so sei „zu retten, was noch zu retten ist“.

Dortmund

, 16.01.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ob Feldsperling, Kiebitz oder Nachtigall – zahlreiche Vogelarten sind in Dortmund vom Aussterben bedroht, andere wie Rebhuhn und Turteltaube in der Westfalenmetropole bereits ausgestorben. Nachzulesen ist das in dem Ende 2019 erschienenen Buch „Dortmunder Vogelwelt“ des Nabu Dortmund.

Die Fraktion Die Linke & Piraten hat die Befunde des Nabu ausgewertet. „Selbst viele der häufigsten Vogelarten in Dortmund haben Bestandseinbrüche“, stellt Fraktionssprecher und Biologe Utz Kowalewski fest.

„So sind die Bestände von Kohlmeise und Blaumeise in den vergangenen drei Jahren regelrecht eingebrochen“, so Kowalewski. „Insgesamt sind rund 55 Prozent der in Dortmund vorkommenden Vogelarten in den letzten beiden Dekaden ausgestorben, stark gefährdet oder in stetigem Rückgang begriffen“.

Wegen des dramatischen Vogelsterbens auch bislang sehr häufiger Arten möchte die Fraktion für Dortmund den Biodiversitätsnotstand ausrufen, soll heißen den Notstand bei der Artenvielfalt. Einen entsprechenden Antrag an den Rat hat die Fraktion für die Sitzung im Februar gestellt.

Ein Notfallplan für Dortmunds Tierwelt

Damit verbunden soll die Erstellung und Umsetzung eines akuten Notfallplans zur Verbesserung der Lebensgrundlagen der Dortmunder Tierwelt insgesamt sein, „um noch zu retten, was noch zu retten ist“, so die Fraktion in einer Pressemitteilung. Die Vogelpopulationen eigneten sich gut als Indikator für den Zustand der Natur insgesamt.

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„Besonders die Feldvögel und die kleinen Singvögel sind auffällig unter Druck“, so Kowalewski. Einigen wenigen sich ausbreitenden Arten wie Amsel, Rotkehlchen, Kanadagans und Ringeltaube stünden sehr viele Arten gegenüber, die in Dortmund entweder ausgestorben sind, darunter Turteltaube und Trauerschnäpper, oder vom Aussterben bedroht sind wie Wacholderdrossel, Wanderfalke, Gartenrotschwanz und Waldlaubsänger. Darüber hinaus zeigten Teich- und Blässhuhn, Weidenmeise, Schwanzmeise, Turmfalke und Feldlerche kontinuierlich geringere Bestände.

Insektensterben macht Vögeln zu schaffen

Insbesondere das Insektensterben (bis zu 80 Prozent der Biomasse) mache der heimischen Tierwelt schwer zu schaffen. „Tausende Vögel sind in Dortmund inzwischen gestorben“, sagt Kowalewski.

Linke & Piraten wollen deshalb in den städtischen Pachtverträgen für Landwirte die Wiedereinführung von Ackerrandstreifen, einen Verzicht auf Pestizide, die Neuanlage von Hecken und Gehölzstrukturen, die Neuanlage von Kleingewässern, einen Verzicht des Einsatzes schwerer Maschinen in der Brutzeit der Offenbrüter und die Anlage von Steinhaufen oder unvermörtelten nischenreichen Natursteinmauern (Trockenmauern) festgeschrieben sehen.

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Hier sehen Linke & Piraten auch den in der Aufstellung befindlichen Landschaftsplan in der Pflicht, Antworten auf die Herausforderungen zu finden.

Als Musterprojekt soll die Wiederansiedlung des ausgestorbenen Rebhuhns als sogenannte Zeigerart angegangen werden. „Von einem Rebhuhn-Projekt würde eine Vielzahl auch anderer Tier- und Pflanzenarten profitieren“, erklärt der Fraktionssprecher und bezieht sich auf ein Rebhuhn-Projekt in Göttingen, bei dem eine Zunahme anderer Feldvögel von rund 30 Prozent durch entsprechende landschaftliche Maßnahmen erreicht worden sein sollen.

Vogelexperte begrüßt den Vorstoß

Der Dortmunder Vogelexperte Dr. Erich Kretzschmar, Mitautor des Nabu-Buches „Dortmunder Vogelwelt“, hält die Interpretation von Linken & Piraten für richtig. „Die meisten Lebensräume sind bedroht“, sagt er.

Gleichzeitig weist Kretzschmar aber auch auf positive Ergebnisse bei den Wasservögeln hin, die von der Renaturierung der Emscher profitieren: „Das zeigt, dass, wenn man ordentlich vorgeht, man auch etwas bewirken kann.“

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