Dortmunds wichtigste Fußgängerbrücke soll bald abgerissen und neugebaut werden. Nun ist auch klar, wie sie dann aussehen wird. © Oliver Schaper (Archiv)
Brücken-Neubau

Dortmunds wichtigste Fußgängerbrücke: So soll sie in Zukunft aussehen

Vor Corona gingen fast jedes zweite Wochenende Zehntausende über diese Fußgängerbrücke in Dortmund. Jetzt wird sie neugebaut - mit architektonischen Finessen.

Ganze Völkerwanderungen nehmen während der Bundesliga-Saison alle zwei Wochen den Weg über die Fußgängerbrücke – natürlich nur vor und nach Corona.

Dabei geht es ziemlich steil rauf und wieder unter. Ebenso für die Messe-Besucher der Westfalenhallen und die Spaziergänger Richtung Bolmke. Die zehnprozentige Steigung der „Bogenbrücke“ von der Lindemannstraße über die B1 zum Signal-Iduna-Park ist eine Herausforderung für Rad- und Rollstuhlfahrer.

Um das Bauwerk behindertengerechter zu machen, hatte die Stadt 2019 einen Planungswettbewerb ausgeschrieben. Das Problem: Unter dem Aspekt der Barrierefreiheit ist eine Neigung von maximal sechs Prozent zulässig. Um die Steigung zu verringern, sind sehr lange Rampen nötig.

17 Architekturbüros hatten sich deutschlandweit beteiligt, zwei Siegerentwürfe wurden von einer Fachjury gekürt. Nach Beratungen in der Politik und Verhandlungen der Stadt mit den Preisträgern, ist jetzt klar, welcher Planungsentwurf bis zur Europameisterschaft 2024 realisiert wird.

Treppen und auskragende Schleifen

Den Zuschlag erhalten hat das Büro „Schlaich Bergermann Partner“ aus Stuttgart für seinen komplett barrierefreien Entwurf, der für alle Verkehrsteilnehmer eine direkte Wegeführung bietet und intuitiv nutzbar ist. Die repräsentative Brücke führt den barrierefreien Weg in zwei skulptural auskragenden Schleifen über die sechsspurige B1.

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Der Entwurf des neuen Brückenbauwerks, das in Dortmund entstehen soll, von oben.
Der Entwurf des neuen Brückenbauwerks, das in Dortmund entstehen soll, von oben. © Schlaich Bergermann + Partner © Schlaich Bergermann + Partner

Die elegant geschwungenen, ausladenden Rampen, die weit in den Messevorplatz der Westfalenhallen auf der Südseite und den Max-Ophüls-Platz vor dem Fachhochschul-Gebäude an der Nordseite ragen, sind mit einer maximalen Neigung von 5,2 Prozent von Radfahrern und Rollstuhlfahrern gut zu schaffen. Fußgänger und Radverkehr sind getrennt. Für Fußgänger gibt es zudem eine direkte schnelle Verbindung über zwei zusätzliche Treppenanlagen auf beiden Seiten der Brücke.

Eine Treppe und eine geschwungene Rampe vereint der Brückenentwurf von Schlaich Bergermann + Partner.
Eine Treppe und eine geschwungene Rampe vereint der Brückenentwurf von Schlaich Bergermann + Partner. © Schlaich Bergermann + Partner © Schlaich Bergermann + Partner

Absprache mit dem BVB

Geplant war, noch in diesem Jahr die Förderung für das millionenschwere Bauwerk zu beantragen und spätestens im nächsten Jahr mit dem Bau zu beginnen. Die Stadt hält sich dazu auf Anfrage bedeckt und verweist auf eine Vorlage für die Politik noch in diesem Monat. Allerdings haben die Anlieger wie der BVB mit seiner Geschäftsstelle und die Fachhochschule bereits eine Anliegerinformation erhalten.

Beim BVB hieß es, die Stadt habe angekündigt, die einzelnen Bauphasen individuell mit Borussia Dortmund abzusprechen; denn der Abriss der alten und der Bau der neuen Brücke sollen bei laufendem B1-Verkehr, Messe- und Fußballbetrieb vonstattengehen.

Auch eine Antwort auf die Frage, ob es bei den anvisierten Baukosten von ursprünglich 3,6 Millionen Euro bleibt, blieb die Stadt schuldig.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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