Lernen am heimischen Schreibtisch und am Computer - das wird bis Ende Januar auch für die meisten Dortmunder Schülerinnen und Schüler Alltag sein. © dpa
Notbetreuung „nicht ausreichend“

Dortmunds Stadteltern wollen Präsenz-Unterricht in kleinen Gruppen

Auch in NRW soll es bis Ende Januar nur Distanzunterricht an Schulen geben. Während Dortmunds Schuldezernentin von einem überfälligen Schritt spricht, gibt es Kritik von Elternseite.

Lange mussten Eltern, Schülerinnen und Schüler und Lehrerinnen und Lehrer in NRW auf verlässliche Informationen dazu warten, wie es nach dem Ende der verlängerten Weihnachtsferien mit dem Schulunterricht unter Corona-Bedingungen weitergehen soll.

Jetzt steht fest: Über alle Schulformen hinweg wird es bis Ende Januar keinen Präsenzunterricht, sondern nur Distanzunterricht geben. Das kündigte NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mitwoch (6.1.) in einer Pressekonferenz an.

Die Ministerin, die bislang immer am Präsenzunterricht festgehalten hatte, habe damit eine 180-Grad-Wendung vollzogen, stellt Dortmunds Schul- und Jugenddezernentin Daniela Schneckenburger fest. „Das war überfällig. Es ist gut, dass sie diesen Schritt jetzt vollzogen hat. Er kommt aber zu spät.“ Und da setzt auch schon die Kritik der grünen Dezernentin an.

Wenig Zeit für Unterrichts-Organisation

Den Schulen bliebe, auch wenn ihnen nach Ende der Ferien zwei Organisationstage bis zum 13.1. eingeräumt werden, nur wenig Zeit den Distanzunterricht zu organisieren, kritisiert Daniela Schneckenburger.

Das gelte vor allem für die Grundschulen, die erst einmal die Eltern erreichen müssten. Weil Online-Unterricht in dieser Altersgruppe kaum möglich sei, müssten etwa Arbeitsblätter erarbeitet und verteilt werden. „Da sind zwei Tage absolut knapp.“

Offene Fragen sieht die Dezernentin auch mit Blick auf die Notbetreuung für Kinder der ersten bis sechsten Klassen, die am Montag in den Schulen starten soll. Es sei völlig offen und in der Kürze der Zeit auch kaum zu klären, wie viele Eltern das Angebot nutzen wollen.

Das gelte auch für die Kita-Betreuung im „eingeschränkten Pandemie-Betrieb“, den NRW-Familienminister Joachim Stamp am Mittwoch angekündigt hat.

Wer in den Schulen die Notbetreuung der Kinder übernimmt, ist für Schneckenburger bislang ungeklärt. Ministerin Gebauer will dafür nach eigener Aussage „sonstiges schulisches Personal“ einspannen. Als Beispiele nannte sie Schulsozialarbeiter und sozialpädagogische Kräfte. Die gebe es aber nicht an jeder Schule, gibt Daniela Schneckenburger zu bedenken. Völlig unklar sei, welche Rolle die OGS spielen solle.

Stadteltern: Betreuung ohne Unterricht ist „nicht ausreichend“

Die Organisation der Notbetreuung in den Schulen ist auch ein Kritikpunkt von Anke Staar als Sprecherin der Dortmunder Stadteltern und Vorsitzende der Landeselternkonferenz NRW. Denn eine Verknüpfung der Betreuung mit Distanzlernen ist nicht vorgesehen.

„Es ist aber nicht ausreichend, Betreuung ohne Unterricht anzubieten“, sagt Anke Staar. Es müsse möglich sein, pädagogische Angebote unter Einhaltung der AHA-Regeln in kleinen Gruppen zu machen.

Konzepte für neue Unterrichtsformen fehlen

Die Kritik der Elternsprecherin ist grundsätzlicher Art. „Ich vermisse neue Konzeptideen etwa zum Unterricht in kleinen Gruppen und im Wechsel- oder Schichtbetrieb“, erklärt Anke Staar. Warum nutze man nicht pädagogische Kräfte aus anderen Bereichen wie etwa den zurzeit geschlossenen Museen für Schulangebote? „Wir müssen in Synergien denken und brauchen Mut für einen Neuanfang“, fordert Staar.

Nicht zuletzt vermisst sie ein langfristiges Konzept für den Schulunterricht in Corona-Zeiten – mindestens bis zu den Sommerferien. „Die Pandemie wird am 31. Januar nicht vorbei sein“, sagt die Elternsprecherin. „Und auch Eltern brauchen Planungssicherheit.“

„Es wird sinnvoll sein, sich Gedanken zu machen, wie es nach Januar weitergeht“, meint auch Volker Maibaum von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Grundsätzlich hält er die aktuelle Entscheidung für Distanzunterricht für nachvollziehbar. „Das ist der Corona-Lage geschuldet. Und mir fehlt da die Fantasie für Alternativen“, sagte er.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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