Dortmunds spektakulärstes Penthouse steht seit 20 Jahren leer

dzLesetipp

Zwei Etagen, 200 Quadratmeter Terrasse, Traum-Aussicht: Zwischen Altem Markt und Westenhellweg liegt eine der spektakulärsten Immobilien Dortmunds. Doch warum steht sie seit ihrem Bau leer?

Dortmund

, 23.05.2020, 11:35 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit seinen runden Dächern sieht das zweistöckige Penthouse auf dem Gebäude mit der Adresse Westenhellweg 18 ein wenig aus wie ein Ufo, das aus Versehen in das Haus zwischen Altem Markt und Dortmunds Einkaufsmeile eingebaut wurde. Seine elegant geschwungene Außenterrasse und seine riesigen Fensterfronten ziehen die neidischen Blicke der Restaurant-Gäste am Alten Markt auf sich. Ein schräger, gläserner Aufzug verbindet die Räume stilecht mit dem Westenhellweg.

Ende 1999 wurde das alte Sinn-Leffers-Gebäude für seinen neuen Hauptnutzer, die Modekette New Yorker, komplett umgebaut, dabei entstand auch das Penthouse. Und fast genauso lange kursieren Gerüchte um die Immobilie im vierten und fünften Stock. Was da wohl drin ist? Es gibt Geschichten, dass es die Zweitwohnung eines mysteriösen Millionärs ist oder das Quartier eines BVB-Profis.

Dieser Artikel erschien zuerst im Dezember 2018. Doch er ist nach wie vor aktuell und unser Lesetipp des Tages. Der Zustand des Penthouses ist unverändert.

Moos macht sich auf Terrassen breit

Doch tatsächlich stehen die 750 Quadratmeter großen Räume seit ihrem Bau leer, auf den insgesamt 200 Quadratmetern Außenterrasse zum Alten Markt und zum Westenhellweg hat sich Moos breitgemacht. Mehr noch: Das Innere des Penthouses ist immer noch im Rohbau-Zustand, es gibt weder Estrich auf dem Fußboden noch eine Isolierung. „Man hat die Hülle gemacht, aber nicht mehr“, sagt jemand, der die Immobilie sehr gut kennt. Man habe dem späteren Mieter der Räume nicht vorgreifen wollen, heißt es offiziell von Seiten von New Yorker. Doch der kam nie.

Geplant war ursprünglich, dass dort oben ein Gastro-Betrieb einzieht. Der Bauherr - der New-Yorker-Eigentümer Fritz Knapp - wünschte sich „einen Gastronomie-Tempel, der vom himmlischen Frühstück bis zur Happy Hour mit freiem Blick über Dortmund alles bieten konnte“, erinnert sich der Hannoveraner Architekt Karsten K. Krebs, der das Penthouse entworfen hat.

Interessenten gab es genug. Detlef Lotte war einer von ihnen. Der erfahrene Dortmunder Gastronom (Diekmann’s, Schönes Leben) schwärmt heute noch von dem Objekt: „Man hat einen großartigen Blick über die City, das ist einzigartig in Dortmund.“ Außerdem hätten die Räume etwas Erhabenes, die zwei Ebenen würden ihnen etwas Großzügiges verleihen.

Hinter den hochwertigen Panorama-Fenstern verharrt das Penthouse seit fast 20 Jahren im Rohbau.

Hinter den hochwertigen Panorama-Fenstern verharrt das Penthouse seit fast 20 Jahren im Rohbau. © Thomas Thiel

Fehlende Ladenfläche, horrende Mietforderungen

Doch weder Lottes Plan noch der irgendeines anderen Gastronomen wurde etwas - warum, dazu gibt es verschiedene Geschichten.

Eine kommt vom Architekten Krebs. Ihm zufolge wollten damals einige der interessierten Gastronomen unten am Westenhellweg ein kleines Ladenlokal neben dem Aufzug haben, „als Zeichen für den Gourmet-Tempel“. Doch New Yorker sei nicht bereit gewesen, wertvolle Ladenfläche zu opfern.

Einer der damals führenden Dortmunder Makler hat eine ganz andere Erklärung für den Leerstand. Verantwortlich gewesen seien die horrenden Mietforderungen, sagt der intime Kenner des Dortmunder Immobilienmarktes, der nicht mit Namen zitiert werden will. Er selbst hatte in den Nullerjahren mit dem Penthouse zu tun, damals hätten Mieter für die Räume warm „weit über 20.000 Euro“ im Monat bezahlen sollen.

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„Überlegen Sie mal, wie viel Champagner Sie verkaufen müssen, um allein die Grundmiete wieder reinzubekommen“, sagt der Makler. „Diesen Preis können Sie vielleicht in München verlangen, aber nicht in Dortmund.“

Probleme mit dem Zugang zum Penthouse

Und dann ist da noch die Sache mit dem Zugang. Der gläserne Aufzug vom Westenhellweg ist zwar spektakulär, aber unpraktisch. „Einige Gastronomen hätten gerne einen zweiten Aufzug am Alten Markt gehabt“, schreibt New Yorker offiziell auf Anfrage - auch Detlef Lotte: „Der Westenhellweg ist ab 20 Uhr tot, deshalb braucht man einen Zugang vom Markt.“ Doch entsprechende Pläne seien am Widerstand der Nachbarn gescheitert, heißt es aus New-Yorker-Kreisen.

Spektakulärer, aber auch unpraktischer Zugang: Ein schräger, gläserner Aufzug verbindet das Penthouse mit dem Westenhellweg.

Spektakulärer, aber auch unpraktischer Zugang: Ein schräger, gläserner Aufzug verbindet das Penthouse mit dem Westenhellweg. © Thomas Thiel

Wer sich in Dortmunds Gastro- und Makler-Szene umhört, bekommt sogar eine noch weitergehende Geschichte zu hören: Die Treppenhäuser, die das Penthouse mit der Straße verbindet, würden nicht die gesetzlichen Vorgaben für Rettungswege erfüllen. Das dementiert New Yorker. Die Breite der Treppenhäuser sei lediglich „suboptimal“ für Gastronomie.

Räume sind immer noch zu mieten

Seit dem Scheitern der Gastro-Pläne versucht der Besitzer des Hauses, eine Immobiliengesellschaft der New-Yorker-Unternehmensgruppe, die Flächen als hochwertige Büros zu vermieten. Der aktuelle Preis liegt laut New-Yorker-Pressestelle bei rund 12 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete zuzüglich Mehrwertsteuer. Mehrere Makler versuchten sich in den vergangenen Jahren an der Aufgabe, immer wieder tauchten die Räume in Immobilienportalen im Internet auf. Zugegriffen hat bisher keiner.

Das liege neben dem Rohbau-Zustand der Immobilie vor allem am Preis, der immer noch sehr hoch sei, heißt es aus New-Yorker-Kreisen. Das Interesse sei aber nach wie vor da: Es gebe vier bis fünf Besichtigungen pro Jahr.

Makler: „Das ist Pseudo-Schickimicki“

Bei New Yorker selbst glaubt man jedoch nicht mehr wirklich an einen Vermietungserfolg. Aktiv beworben wird das Penthouse derzeit nicht. Letztendlich sei es wohl etwas in Vergessenheit geraten inmitten des großen bundesweiten Immobilien-Besitzes der New-Yorker-Unternehmensfamilie, heißt es aus Firmenkreisen. Dort spricht man inzwischen von einem „teuren Architektenwunder“, das aber unvermietbar sei.

Auch für den erfahrenen Dortmunder Makler ist die Sache klar: „Es war von vorneherein eine Totgeburt“, sagt er. „Das ist Pseudo-Schickimicki, das vielleicht nach Düsseldorf oder München passt, aber nicht nach Dortmund.“

New Yorker denkt über neue Fassade nach

So wird das Penthouse, das theoretisch auch als Privatwohnung vermietbar wäre, wohl auch in den kommenden Jahren leerstehen. Lediglich einen Hoffnungsschimmer gibt es, wenn auch nur einen sehr schwachen: Derzeit ist bei New Yorker im Gespräch, die komplette Fassade des Hauses neu zu machen. „Vielleicht wird dann ja auch das Penthouse ausgebaut“, meint ein New-Yorker-Mitarbeiter.

Serie

Geheimnisse des Westenhellwegs

In unserer Serie „Geheimnisse des Westenhellwegs“ haben wir in loser Folge spannende, wenig bekannte Geschichten rund um Dortmunds wichtigste Einkaufsmeile erzählt.
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