Dortmunds Gastronomie darf öffnen: Das sorgt nicht unbedingt für Freude

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Restaurants dürfen wieder öffnen. Das heißt aber noch lange nicht, dass alles so wird wie vorher - mit den Regeln ziehen Probleme herauf. Erste Reaktionen aus Dortmund.

Dortmund

, 06.05.2020, 19:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf diese Nachricht haben viele Dortmunder Gastronomen wohl seit Wochen gewartet: Sie dürfen ihre Betriebe ab Montag (11.5.) endlich wieder öffnen. Ob sich das Geschäft dann aber lohnt, steht auf einem anderen Blatt Papier.

„Alle sind froh, dass es wieder losgeht“, sagt Detlef Lotte, der das Dieckmanns in Syburg und im Kreuzviertel das „Schönes Leben“ betreibt. Er hat schon vor der Verkündung der Lockerungen am Mittwoch Konzepte erarbeitet, die er in seinen Läden umsetzen kann. Im Dieckmanns wird es nicht so problematisch, im „Schönes Leben“ hingegen kniffelig.

„Wenn die zweite Welle kommt, sind wir alle rasiert“

„Ich werde vermutlich von 120 Plätzen auf 60 reduzieren“, so Lotte. In der Gastronomie sei es schon unter normalen Umständen schwierig, hohe Gewinne einzufahren. Wenn jetzt weniger Gäste auf weiterhin hohe Betriebskosten aufeinandertreffen, werde es nicht einfach für Gastronomen.

Er rechnet damit, dass nur wenigen Restaurants und Kneipen der Sprung hin zur Wirtschaftlichkeit gelingen wird. „Viele werden in dieser Übergangszeit weiter erhebliche Verluste einfahren. Wir müssen hoffen, dass diese Phase relativ kurz bleibt. Und wenn die zweite Welle kommt“, sagt Lotte, „sind wir alle rasiert“.

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Auch Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim Hotel- und Gaststättenverband Dehoga, ist zwiegespalten. „Wir sind froh, dass es für die Gastronomie wieder losgeht“, sagt er. „Was fehlt, ist aber eine Perspektive für Kneipen oder Diskotheken - sie stehen weiter mit dem Rücken zur Wand.“

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Kneipen tauchen in der Erklärung der Landesregierung tatsächlich nicht mit einem Wort auf, in der Übersicht der Lockerungen ist lediglich von Speisegaststätten die Rede. Immerhin Hotels dürfen ab Christi Himmelfahrt (21.5.) wieder öffnen.

„Wir haben jetzt sehr strenge Regeln, aber auch eine klare Perspektive“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Mittwoch zu den beschlossenen Regelungen.

Ob Herr Walter aufmacht, steht noch in den Sternen

Der Dehoga habe für einige Restaurants exemplarisch vorgerechnet, was eine Reduzierung der Plätze für Restaurants bedeuten würde. Das Ergebnis: „Es bleiben nur 30 bis maximal 50 Prozent des Umsatzes. Den meisten Betrieben wird es nicht gelingen, da wirtschaftlich zu arbeiten. Viele Gastronomen werden schauen, ob es sich lohnt, wieder aufzumachen, oder ob sie sonst nur Geld verbrennen.“

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Zu eben jenen Gastronomen gehört auch Oliver Buschmann. Für ihn stehe noch nicht fest, ob er sein Eventschiff „Herr Walter“ ab Montag überhaupt öffnet. „Das alles ist für mich noch immer eine Glaskugel. Ich muss erst wissen, wie die Hygieneregeln aussehen, die ich einhalten muss“, sagt er. „Wird das für mich umsetzbar oder zahle ich drauf?“

Im „Mit Schmackes“ gibt es wieder Außengastronomie

Noch sei er relativ entspannt, seine normale Saison im Außenbereich wäre ohnehin erst vor Kurzem gestartet. „Viel schlimmer ist aber, dass ich die Feiern für größere Gesellschaften nicht ausrichten kann“, sagt Buschmann. Die machten einen Großteil seines Geschäftes aus. Doch viele haben ihre Feiern bereits abgesagt.

Das „Mit Schmackes“ im Kreuzviertel will öffnen und auch wieder Außengastronomie anbieten. „Wir wissen aber auch noch nicht, wie die Anforderungen aussehen und wie lange wir beispielsweise geöffnet haben dürfen. Wir tappen da im Dunkeln“, sagt Betreiber Christopher Reinecke.

Einschränkungen werde es unter anderem bei der Auswahl der Gerichte geben. „Wir können nicht Ware einkaufen, wenn nicht genügend Gäste kommen. Die Menschen werden sicherlich noch vorsichtig sein“, so Reinecke.

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