Dortmunds Bäume vertrocknen: Der Hansaplatz wird zum Experimentierfeld

dzTrockenheit

Der Klimawandel erfordert Fantasie: Bei der Bewässerung von Bäumen geht die Stadt jetzt neue Wege. Den Platanenhain am Hansaplatz nutzen die städtischen Grünexperten für ein Experiment.

Dortmund

, 03.07.2020, 10:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die grünen Beutel fallen beim Gang über den Hansaplatz ins Auge. Jeder Baum des Platanen-Hains an der Südseite des zentralen Platzes hat ein Anhängsel bekommen. „Tree King“ lautet die Aufschrift auf den angehefteten weißen Zetteln. Und er verrät, dass jeder Beutel 75 Liter Wasser fasst - kostbares Nass für die Stadtbäume in trockenen Zeiten.

Dass der Klimawandel den Stadtbäumen zusetzt, ist nicht neu. Die Stadt setzt deshalb auf das Pflanzen von „Zukunftsbäumen“ - besonders klimafeste Arten, die auch längere Trockenzeiten überstehen können. Vor allem junge Bäume, aber auch der vorhandene Altbestand brauchen aber besondere Fürsorge.

Modellversuch am Hansaplatz

Das gilt auch für die Platanen am Hansaplatz. Sie sind nun Objekte eines Modellversuchs. Auslöser waren Beratungen im Ausschuss für Bauen, Verkehr und Grün im vergangenen Herbst. Die SPD-Fraktion hatte in einem Antrag gefordert, die Anschaffung von Baum-Säcken zur Bewässerung der Bäume zu prüfen.

In einem Vortrag im Ausschuss hatte Stadtgrün-Abteilungsleiter Heiko Just daraufhin die verschiedenen Möglichkeiten zur Baumbewässerung erläutert. Sie reichen von mit Wasser gefüllten Säcken und Kissen, die an den Bäumen angebracht werden und nach und nach Wasser abgeben, über Gieß- und Bewässerungsringe oder Vliesnetze bis zu fest installierten automatischen Bewässerungssystemen.

Viele verschiedene Systeme

Am Hansaplatz gibt es nun den Praxistest für die Bewässerungsäcke, auf dem Hauptfriedhof mit Gießringen. Die Erfahrungen damit will man nach dem Sommer auswerten, kündigt Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Nachfrage an.

Bislang gehören die Bewässerungssäcke aus schwerem Polyethylen, Strückpreis um 25 Euro, nicht zu den Favoriten der städtischen Grünexperten. Sie gelten als anfällig für Vandalismus. Und das Nachfüllen sei sehr aufwendig. Bei dem Experiment auf dem Hansaplatz sollen die Beutel abhängig vom Wetter ein- bis zweimal pro Woche mit jeweils 75 Litern Wasser gefüllt werden.

„Das Grünflächenamt favorisiert bei der Neupflanzung eine Kombination aus einem optimalen Pflanzsubstrat, einem wasserspeichernden Textil-Vlies um den Ballen, einem wiederverwendbaren Kunststoff-Gießring, einem Verdunstungsschutz-Anstrich und einer Ballenabdeckung mit einer Kokosmatte“, erklärt Löchter. Dafür gab es im Oktober 2019 auch die grundsätzliche Zustimmung der Politik.

Für alle Stadtbäume wird ein aufwendiges Bewässerungssystem aber kaum möglich sein. Immerhin gibt es nach Angaben der Stadt in ganz Dortmund rund 60.000 Bäume in Grünanlagen (ohne Wälder und Parks) und rund 50.000 Straßenbäume - insgesamt mehr als 110.000 Bäume.

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