Dortmunderin: „Wenn wir nicht aufpassen, wird es hier wie in den USA“

dzRassismus

Nach dem Tod von George Floyd blicken viele kritisch auf den Rassismus und die Polizeigewalt in den USA. Doch Dr. Rosalyn Dressman vom Afrika Haus sieht auch in Dortmund Missstände.

Dortmund

, 06.06.2020, 08:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Rassismus in den USA tödlich enden kann, ist keine Neuigkeit. George Floyd ist nicht der erste Schwarze, der in den USA durch Polizeigewalt gestorben ist, vielmehr reiht sich sein Name ein in eine lange Liste von Todesopfern rassistischer Polizeigewalt.

Doch Rassismus und Gewalt sind keine rein amerikanischen Phänomene, auch in Deutschland werden immer wieder Vorwürfe gegen Polizei und Behörden laut, selbst der Europarat ist der Meinung, dass bei der Polizei mehr gegen Rassismus und Diskriminierung getan werden müsse. Auch in Dortmund wurde der Polizei schon Racial Profiling vorgeworfen, die wies das jedoch von sich.

„Natürlich betrifft uns Rassismus hier auch“, sagt Dr. Rosalyn Dressman, Präsidentin der African Tide Union, zu der auch das Afrika Haus in der Nähe vom Borsigplatz gehört. „Aber es ist nicht so drastisch wie in den USA.“ Aber sie glaubt auch, „Wenn wir nicht aufpassen, kann es hier so werden wie in den USA.“

Dortmund ist die afrikanische Hauptstadt Deutschlands

Sie habe allerdings auch das Gefühl, dass die Dortmunder vergleichsweise offen sind. „Dortmund ist die afrikanische Hauptstadt in Deutschland“, würde man im Afrika Haus oft scherzen.

Und tatsächlich ist das Afrika Haus nur eine von vielen Vereinigungen von Afrikanern und Schwarzen Menschen in Dortmund, es wird beispielsweise ergänzt vom Netzwerk Afrido, das am 6. Juni die Demonstration gegen Rassismus veranstaltet.

Es gelte jedoch trotz der guten Vernetzung immer, am Ball zu bleiben, damit das gute Angebot in Dortmund auch beibehalten und weiter verbessert werde. Außerdem müssten die vielen Aktivitäten von Afrikanern und Schwarzen Menschen in Dortmund sichtbarer gemacht werden, findet Dressman. „Damit die Leute überhaupt wissen, welche Angebote es hier gibt.“

Jetzt lesen

Sichtbarkeit liegt der Soziologin und Autorin ohnehin am Herzen: „Es wäre schön, wenn mehr Schwarze Menschen bei der Stadt und bei der Polizei arbeiten würden“, sagt sie. Das könnte viel an der Wahrnehmung von Schwarzen Menschen in der Gesellschaft ändern.

Nicht jede Kontrolle ist Racial Profiling

Mit Racial Profiling hat auch sie schon Erfahrungen machen müssen. „Vor 20 Jahren wurde ich im Bus oder in der Bahn noch sehr häufig kontrolliert“, berichtet sie, „und immer habe ich mich gewundert, was hier passiert.“ Doch die willkürlichen Kontrollen hätten abgenommen, heute sei die Situation gerade in Dortmund besser.

Und: „Nicht jede Kontrolle muss mit Racial Profiling zu tun haben“, betont Dressman. „Wenn es im Rahmen bleibt und die Beamten sich höflich verhalten, ist es kein Racial Profiling.“

Auch Dr. Rosalyn Dressman wird am Samstag (6. Juni) auf die Straße gehen, um sich an der großen Demonstration gegen Rassismus in der Innenstadt zu beteiligen. „Die Situation von George Floyd hat uns gezeigt, dass wir etwas tun müssen.“ Sonst, so sagt sie, könne solche Fälle auch hier passieren.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt