Dortmunderin muss Reise-Rückholung zahlen - und wartet auf Erstattung

dzCorona

Dori Rindle ist als eine der letzten Reisenden von der Bundesregierung zurückgeholt worden. Nun hat sie die Rechnung bekommen. Zu viel gezahltes Geld lässt indes auf sich warten.

Dortmund

, 07.10.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Reise wird Dori Rindle sicherlich ihr Leben lang in Erinnerung halten. Dabei gehören Besuche in Nepal für sie seit Jahren zum festen Programm. Sei es für den Verein Ganesh Nepalhilfe, den Einkauf fair gehandelter Produkte aus Nepal für den seit 27 Jahren auf dem Propsteihof in Dortmund existierenden "Fairen Weihnachtsmarkt" oder mit Reisegruppen.

Sie befand sich seit Februar diesen Jahres in Nepal. Ihre Gruppe für eine Rundreise kam erst am 13. März in Kathmandu an. „Zu dem Zeitpunkt war in keiner Weise abzusehen, was auf uns zukam. Später war mir nur noch wichtig, dass alle gut nach Hause kommen", erinnert sich Rindle.

Zwölfköpfige Reisegruppe gestrandet

Für die Gruppe von "Weltladen"-Mitarbeitern, die sich vor Ort Werkstätten und Frauenkooperativen zum fairen Handel ansehen wollten, überschlugen sich ab Mitte März nämlich die Ereignisse:

Coronabedingt wurden erst die Grenzen geschlossen, dann kam die Ausgangssperre ab dem 23. März. Schnell wurde klar: Die Dortmunder müssen mit dem Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes zurück in die Heimat transportiert werden.

So geschah es - und so endete die nervenaufreibende Reise für die meisten der zwölfköpfigen Reisegruppe am 29. März. Dori Rindle blieb noch bis zum 4. April vor Ort, um auf zwei Frauen zu warten, die noch nicht in Kathmandu angekommen waren, sondern noch unterwegs waren im Land. Schließlich wurden auch diese drei ausgeflogen.

Rechnung vom Auswärtigen Amt kam nach sechs Monaten

Jetzt kam nach fast sechs Monaten die Rechnung vom Auswärtigen Amt für die Rückholung: 600 Euro mit einem Zahlungsziel von zwei Monaten. „Es gab keine andere Möglichkeit, als diesen Flug zu nehmen", so Rindle.

Die gesamte Reisegruppe bekam zeitgleich die Rechnungen - und auch, wenn sie diese schon viel früher erwartet hatten, hat die Summe die Reisenden nicht sonderlich überrascht. „Wir haben mit den 600 Euro gerechnet, da dies die übliche Pauschale für Asienflüge des Rückholprogramms ist. Und in diesem Fall werden wir dies sogar gerne bezahlen", sagt Dori Rindle.

Insgesamt wurden im März und April 67.000 Individualtouristen und Geschäftsreisende mit 260 eigens dafür gecharterten Maschinen aus 65 Ländern zurück nach Deutschland geholt.

"Corona ist das neue Lepra"

Nun ist dieses Kapitel mit der Zusendung der Rechnung zwar formal beendet, doch zwei Aspekte lassen Dori Rindle bis heute nicht los. Zum einen das Ärgernis, dass sie - wie auch andere aus der Reisegruppe - bis heute auf die Erstattung ihrer bereits zuvor gebuchten Rückflüge warten.

„Seit sechs Monaten warten einige aus der Gruppe so wie ich auf das Geld", sagt Rindle. Bei ihr sind es 400 Euro, die für den beim Reisebüro DER gebuchten Flug mit Oman Air ausstehen. Laut DER ist die Rückzahlung noch nicht erfolgt, weil es Verzögerungen bei den Teilerstattungen von Flügen zu Beginn der Pandemie gebe - vor allem, wenn sich die Reisenden bereits Zeitpunkt des Lockdowns am Zielort befanden und nur der Rückflug storniert wurde.

Ein zweiter Punkt, der Rindle beschäftigt: die Situationin Nepal. „Es ist eine Katastrophe. Corona ist das neue Lepra", so Rindle. Aktuell gibt es bei 29 Millionen Einwohnern über 1900 Neuinfektionen pro Tag. Dabei werden die Infizierten laut Rindle oft verstoßen und Familien schotten sich ab. Tests finden nur in den Städten statt, wobei viele aus Angst vor dem Ergebnis erst gar nicht zum Test gehen - zumal die Tests selbst gezahlt werden müssen und die dafür fälligen 15 Euro den Kosten für die Hälfte der wöchentlichen Lebensmittelration für eine fünfköpfige Familie entsprechen.

Der finale und auch letztmögliche Flug mit Qatar Airways war auch die Maschine für Dori Rindle und ihre beiden Kolleginnen.

Der finale und auch letztmögliche Flug mit Qatar Airways war auch die Maschine für Dori Rindle und ihre beiden Kolleginnen. © Rindle

Es mangele an Hygienemaßnahmen, die Selbstmordrate steige an und vielerorts macht sich Verzweiflung breit, berichtet Rindle. „Das Land fällt über Jahrzehnte zurück.“ Rindle versucht nun, über den Verein Ganesh Nepalhilfe Spenden zu generieren: www.www.ganesh-nepalhilfe.org.

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