Dortmunderin muss Führerschein abgeben – Polizei und Stadt wissen nicht mehr, wo er ist

dzGeschwindigkeits-Überschreitung

Miriam Gorgischeli fuhr auf der B54 zu schnell: Bußgeld, Punkte, vier Wochen Fahrverbot. Ihren Führerschein hat sie abgegeben. Als sie ihn wieder abholen wollte, war er aber nicht mehr da.

Hörde

, 06.09.2019, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist Montagmorgen, der 18. März. Miriam Gorgischeli hat es eilig, viel zu eilig. Auf der B54, Höhe Rombergpark, messen Polizeibeamte in der Baustelle eine Geschwindigkeitsüberschreitung von 46 km/h. 60 km/h waren erlaubt.

Am 1. April stellt die Stadt Dortmund den Bußgeldbescheid aus: 160 Euro Strafe, zwei Punkte in Flensburg und vier Wochen Fahrverbot. Miriam Gorgischeli fährt mittlerweile wieder Auto – aber ohne Führerschein.

Vier Monate Zeit räumt das Rechtsamt Miriam Gorgischeli ein, um das Fahrverbot anzutreten. „Wir haben überlegt, dass die Wochen mit den Feier- und Brückentagen günstig sind“, erklärt ihr Lebensgefährte, Klaus Krüger. Am 29. Mai gehen beide zur Polizeiwache in Hörde.

Polizei dokumentiert die Abgabe des Führerscheins

Ein Polizeibeamter fertigt eine „Niederschrift über die Abgabe eines Führerscheins“ aus. Ein Formblatt, datiert auf den 29. Mai 2019, 19.36 Uhr. „In amtliche Verwahrung“, hat der Beamte angekreuzt.

Ende Juni geht Gorgischeli zum Rechtsamt. „Dort wurde ich mit den Worten empfangen, ‚Wir warten schon lange auf Ihren Führerschein‘“, berichtet sie.

Die 58-Jährige ist perplex. Sie recherchiert. Beim Straßenverkehrsamt ist die Fahrerlaubnis nicht, bei der Hörder Polizeiwache auch nicht. Im Postausgangsbuch der Wache ist vermerkt, dass der Führerschein am 3. Juni weitergeleitet wurde. „Seitdem ist er verschwunden“, sagt Gorgischeli.

Alle Recherchen führen zu keinem Ergebnis

Sie sucht weiter. „Die Mitarbeiterin im Rechtsamt war sehr nett und hat, wo sie konnte, geholfen.“ Auch Besuche im Polizeipräsidium bleiben erfolglos. Miriam Gorgischeli hört, sie könne sich ja einen neuen Führerschein ausstellen lassen.

„Klar“, sagt sie. „Aber ich wollte es nicht auf sich beruhen lassen. Ich habe ja eingesehen, dass ich zu schnell gefahren bin. Aber dass ein Führerschein im Amt verloren geht, verstehe ich nicht.“

Um die Gebühr für eine Neuausstellung gehe es ihr und ihrem Partner nicht. „Wie ist das mit amtlichen Dokumenten oder Gegenständen, die ich bei der Polizei abgebe?“, fragt Klaus Krüger.

Dortmunderin muss Führerschein abgeben – Polizei und Stadt wissen nicht mehr, wo er ist

Miriam Gorgischeli hat den Bußgeldbescheid und die Bescheinigung der Polizei immer bei sich. © Uwe von Schirp

Wo der Führerschein geblieben ist, „ist für uns derzeit leider nicht abschließend zu klären“, schreibt Polizeisprecherin Nina Kupferschmidt auf Anfrage dieser Redaktion. „Der Führerschein ist internen Recherchen zufolge ordnungsgemäß bei der Direktion Verkehr angekommen und wurde von dort per Kurierfahrt zum Rechtsamt der Stadt Dortmund geschickt.“ Das entspricht dem üblichen und klar geregelten Weg bei Abgabe eines Führerscheins auf einer Polizeiwache.

Stadt geht vom „Verlust auf dem Postweg“ aus

Stadtsprecher Maximilian Löchter erklärt: „Der Eingang des Führerscheines konnte in der Bußgeldstelle nicht festgestellt werden (kein Eintrag im Eingangsbuch). Es ist daher von einem Verlust auf dem Postweg auszugehen.“ Auch die Stadt hat eine klare Vorschrift über den Weg, den ein abgegebener Führerschein nimmt.

Sämtliche Post an das Rechtsdamt gehe bei der zentralen Poststelle der Stadt ein. Mit einem Eingangsstempel versehen, gehe der Vorgang per Hauspost an das Rechtsamt. Das führe über eingehende Führerscheine eine Eingangsliste. Ein Protokoll dokumentiere die Übergabe an eine Führungskraft der Bußgeldstelle. „Der Führerschein wird bis zur Rücksendung / Rückgabe in einem Tresor verwahrt.“

Polizei und Stadt entschuldigen sich

Stadt und Polizei entschuldigen sich bei Miriam Gorgischeli für die Unannehmlichkeiten. „Fehler wie diese dürfen sowohl bei der Stadt als auch bei der Polizei nicht passieren, sind jedoch menschlich“, erklärt Maximilian Löchter. Die Polizei möchte, „dass der Sachverhalt für Frau Gorgischeli ein zufriedenstellendes Ende findet“. Die Kosten für die Neuausstellung, erklärt Löchter, übernehme die Stadt.

Zunächst fährt Gorgischeli ohne Führerschein, aber „mit einem Wisch“ als Ersatz: Das sind der Bußgeldbescheid und die Niederschrift über die Abgabe bei der Polizei.

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