„Ausgangssperre auch in Deutschland sinnvoll“ – Dortmunderin berichtet über Zustände in Spanien

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Die Dortmunderin Thalia Budin erlebt zurzeit die Ausgangssperre in Spanien. Eine solche Regelung könne auch in Deutschland helfen, meint sie - obwohl die Situation schwierig ist.

Dortmund

, 18.03.2020, 15:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aktuell scheint sich wenig voraussagen zu lassen. Täglich gibt es neue Meldungen, wie die Bundes- und Landesregierung eine Ausbreitung des Coronavirus eindämmen wollen. Die Menschen, die in Deutschland leben, sind bisher nur angehalten, ihre sozialen Kontakte zu reduzieren, können sich im öffentlichen Raum aber noch frei bewegen.

In Spanien ist das schon anders. Die gebürtige Dortmunderin Thalia Budin erlebt dort, wie schnell sich die Lage verändern kann. Eigentlich ist die 23-jährige Architekturstudentin für ein Uni-Seminar nach Spanien gereist, das am Montag beginnen sollte. Mit einer Freundin ist sie schon am Mittwoch angereist, um vorher noch ein paar Tage Urlaub in Alicante zu machen. Dass ihr Seminar ausfallen würde, erfuhr Budin erst, als sie schon in Spanien war.

Spanien verhängt Ausgangssperre

Seit Montagmorgen gilt in ganz Spanien eine Ausgangssperre. Bürger dürfen ihre Wohnungen nur noch für den Weg zur Arbeit oder zum Arzt verlassen oder um in Lebensmittelläden und Apotheken einzukaufen.

Dass sie sich nun in einer solchen Quarantäne-Situation wiederfinden würde, hatte Budin nicht erwartet. Zwar habe sie nach der Landung am Flughafen einige Leute mit Masken und Handschuhen gesehen, „da habe ich aber gedacht, die sind überbesorgt“, erzählt die Studentin.

Wegen der Ausgangssperre sind die Straßen in Alicante/Spanien menschenleer.

Wegen der Ausgangssperre sind die Straßen in Alicante/Spanien menschenleer. © Privat

Dass die Lage durchaus ernst ist, habe sie erst realisiert, als sie nach einem Tag am Strand eine Spanierin getroffen habe. „Sie fragte mich und meine Freundin, ob wir uns wirklich trennen wollten, um in unterschiedliche Städte zu reisen“, erzählt Budin. Sie wollte eigentlich weiter zu einem Seminar nach Cartagena, ihre Freundin nach Malaga.

Budin und ihre Freundin buchen ihre Flüge um

Die Spanierin erzählt, dass am Samstag der Notstand ausgerufen werde und beide vielleicht nicht mehr nach Hause kommen würden. Budin und ihre Freundin machen sich die ersten Gedanken. Als sie abends nur schwer eine Bar finden, die noch geöffnet hat und diese dann – untypisch für Spanien – früher schließt, beschließen beide, zusammen in Alicante zu bleiben und ihre Flüge vorzuverlegen.

„Am Samstagmorgen war dann der Strand schon abgesperrt“, erzählt Budin. Sie und ihre Freundin sonnen sich deshalb auf der Promenade. Als sie drei Stunden später in die Stadt gehen, um Tapas zu essen, sind alle Läden geschlossen. Selbst die großen Ketten sind zu.

Sie gehen in den Supermarkt, um sich mit dem nötigsten einzudecken. Das Angebot ist schon ziemlich ausgedünnt. Nudeln und Käse wandern in ihren Einkaufskorb. Am Samstagabend ruft der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez den nationalen Notstand aus. Am Montag soll er in Kraft treten. Ihr Hostel dürfen sie seitdem nur noch für Einkäufe verlassen. Als die Polizei sie einmal auf der Straße sieht, schickt sie die jungen Frauen zurück.

„Eine Ausgangssperre könnte auch in Deutschland sinnvoll sein“

Am Montagmorgen kaufen sie früh ein, unter anderem zwei Brote, etwa vierzig weitere liegen da noch im Regal. „Als wir fünf Minuten später daran vorbeigekommen sind, war es leer“, sagt Budin. „Da dachte ich mir, gut dass wir morgens einkaufen waren.“ Dabei habe sie am Donnerstag noch schmunzeln müssen, als sie einen Spanier mit einem Einkaufswagen voller Zwieback gesehen habe.

Ein leeres Brotregal in einem Supermarkt in Alicante.

Ein leeres Brotregal in einem Supermarkt in Alicante © Privat

Kommen sich im Supermarkt zwei Menschen entgegen, machen beide einen Ausfallschritt, um den anderen bloß nicht zu berühren, hat Budin beobachtet. Die 23-Jährige glaubt, dass eine Ausgangssperre auch in Deutschland sinnvoll sein könnte: „Das Gefühl hat sich total verändert. Dadurch, dass es so offiziell ist und man nicht mehr raus darf, nimmt man die ganze Situation auch ernster.“

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