„...dann bin ich ja auch tot“ – Was Dortmunder über ein Solarium-Verbot denken

dzSolarium-Verbot

Wer geht in Zeiten der Nachhaltigkeit und des Auf-sich-Achtens ins Sonnenstudio? Und was denken diese Dortmunder über die Forderung nach einem generellen Solarienverbot? Eine Spurensuche.

Dortmund

, 12.02.2020, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das blaue Licht spendet Wärme, das Gesicht spannt langsam und nah am linken Ohr krächzt die obligatorische Plänkel-Musik aus einem Lautsprecher. Und nach 20 Minuten ist es vorbei.

So läuft er, der Besuch im Sonnenstudio. Die Deutsche Krebshilfe fordert jetzt ein bundesweites Verbot von Solarien. Sie sagt: Sonnenbänke seien schuld daran, dass in Europa jährlich 3400 Menschen an schwarzem Hautkrebs erkranken.

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Es soll der nächste große Erfolg der Stiftung werden – seitdem 2009 das Gesetz in Kraft getreten ist, das Minderjährigen den Zutritt zu Sonnenbänken verbietet.

Wer geht in Zeiten der Achtsamkeit eigentlich noch ins Solarium? Und was denken die Nutzer über die Verbotsideen?

Die Recherche führt zur Kaiserstraße. Das dortige Sunpoint-Studio ist in einem grauen Gebäude im Erdgeschoss untergebracht. Deutschlandweit gibt es 220 Sunpoint-Studios, 50 in NRW, eins in Dortmund.

„...dann bin ich ja auch tot“ – Was Dortmunder über ein Solarium-Verbot denken

Nach Erholung sieht das Sonnenstudio an der Kaiserstraße in Dortmund nicht aus, findet unsere Autorin. © Freddy Schneider

Das sagen die Sonnenstudio-Besucher zum geforderten Verbot

Die Tür öffnet sich, eine Kundin betritt das Studio. „20 Minuten, die Mittlere“, sagt sie selbstbewusst. Sie hat nichts von der Verbotsforderung der Deutschen Krebshilfe gehört. Und sie hält auch nicht wirklich etwas davon. „Andere rauchen oder essen ungesund. Das muss jeder selbst wissen. Ich fühle mich halt wohler, wenn ich ein wenig Farbe im Gesicht habe“, sagt die 22-Jährige.

Mit 14 Jahren war die jetzt kamerascheue Studentin zum ersten Mal auf der Sonnenbank. „Aber natürlich nicht hier“, beteuert sie.

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Die Mitarbeiterin des Studios ist geschätzt 60 Jahre alt und man sieht, dass sie die Sonnenbank durchaus selbst benutzt.

Sie hat seit der Verbots-Forderung nicht feststellen können, dass weniger Kunden kommen. „Die, die schon vor 16 Jahren kamen, kommen heute immer noch“, sagt sie. Mehr möchte sie nicht sagen.

„Die, die schon vor 16 Jahren kamen, kommen heute immer noch.“
Sonnenstudio-Mitarbeiterin

Vor dem Studio erfährt der 26-jährige Cem erstmals von den Forderungen der Krebshilfe. Ob ein Verbot etwas bringt? „Ach, ich könnte auch vom Bus überfahren werden, dann bin ich auch tot“, sagt er und geht schnurstracks ins Sonnenstudio.

„Negativer Touch“

Anna ist 27 Jahre alt und geht mit einer Freundin ins Sonnenstudio. Heimlich. Sie möchten nicht, dass jemand weiß, dass sie eins besuchen. Das sei in der Gesellschaft mit einem „negativen Touch“ verbunden. Ein Verbot finden die Freundinnen für Jugendliche sinnvoll, alle anderen sollten selbst in der Lage sein, zu entscheiden, ob sie sich der Bestrahlung aussehen wollen oder nicht. Ihnen fehle einfach die Sonne im Winter. Sobald es wärmer werde, genießen sie sie wieder im Freien, sagen sie.

Fakten zum Thema

  • Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät davon ab, den Körper mehr als 50 Mal im Jahr der direkten Sonnenbestrahlung im Solarium auszusetzen.
  • Der Bundesfachverband Besonnung e.V. vertritt aktuell 1200 Studios, zu denen auch Sunpoint zählt. Laut dem Verband besucht der durchschnittliche Nutzer circa 20 Mal im Jahr das Sonnenstudio.
  • „Derzeit gibt es in Deutschland circa 2900 Sonnenstudios“, sagt Holger Ziegert von dem Bundesfachverband Besonnung auf Anfrage.
  • Der Verband möchte juristische Schritte gegen die Deutsche Krebshilfe einleiten, um „Unterlassungsverfügungen und ggf. Schadenersatzklagen“ zu erwirken. Der Grund: Es gebe keine wissenschaftlichen Grundlagen für die Behauptungen.

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