Die Geschäfte am Westenhellweg brauchen endlich mehr Kunden. IHK und Handelsverband warnen die Politik vor einem erneuten, kompletten Lockdown - und machen einen Vorschlag. © (A) Sarah Rauch
Corona-Pandemie

Dortmunder Wirtschaft fordert: Weg von der Fixierung auf Inzidenzwerte!

Mit einem konkreten Öffnungsvorschlag als Alternative zu einem erneuten, kompletten Lockdown melden sich IHK und Handelsverband zu Wort. Sie richten eine klare Forderung an die Politik.

In der aktuellen Phase der Corona-Pandemie steigen die 7-Tage-Inzidenzzahlen bundes- und landesweit bedrohlich in Richtung 100 und auch darüber.

Angesichts der negativen Entwicklung warnten die Industrie- und Handelskammer zu Dortmund und der Handelsverband Westfalen-Münsterland bereits am Freitag (19.3.) die politischen Entscheidungsträger auf Bundes- und Landesebene davor, einen erneuten – den bereits dritten – Lockdown anzuordnen.

Vor dem nächsten Corona-Gipfel am Montag (22.3.) machen IHK und Handelsverband deutlich, „dass eine solche einfallslose und undifferenzierte Maßnahme erneut zu existenzbedrohenden Ladenschließungen im Einzelhandel führt und dringend notwendige Öffnungsperspektiven für Branchen wie Gastronomie, Hotellerie, Schausteller, Freizeit-, Kultur- und Kreativwirtschaft für weitere Monate massiv erschwert.“

„Click & Meet leistet nur einen minimalen Beitrag“

IHK und Handelsverband fordern bei den politischen Entscheidungen zur Eindämmung der Pandemie nachdrücklich eine Abkehr von der starren Fixierung allein auf Inzidenzwerte. Sie unterstützen stattdessen neue und differenzierte Öffnungskonzepte anhand einer Matrix, wie sie die Handelsinitiative „Das Leben gehört ins Zentrum“ vorgelegt hat.

Die zaghaften und beschränkten Öffnungen der Einzelhandelsgeschäfte bestimmter Branchen und die Möglichkeit des Terminshoppings („Click & Meet“) in Gemeinden mit Inzidenzzahlen zwischen 50 und 100 leisten für die meisten Betriebe, so die Meinung der Wirtschaftsverbände, allenfalls einen minimalen Beitrag zu kostendeckenden Umsätzen. Ein weiterer Lockdown mit geschlossenen Läden müsse also vermieden werden, um eine „Kernschmelze“ in den Betrieben zu verhindern.

IHK-Präsident Heinz-Herbert Dustmann betont: „Angesichts in Kürze hoffentlich steigender Impf- und Testzahlen reicht die ausschließliche Beurteilung der Situation und die Ableitung von Maßnahmen anhand von Grenzwerten bei den Inzidenzzahlen nicht mehr aus. Das würde bald zu einem Rückfall in den Lockdown vor dem 8. März führen – mit verheerenden wirtschaftlichen Konsequenzen.“

Die Wirtschaft brauche ein intelligenteres und differenzierteres Konzept als Öffnen/Schließen, das allein von Inzidenzwerten abhängig sei. „Dieses Vor-und-zurück zermürbt die um ihre Existenz kämpfenden Unternehmen und zeugt leider von Plan- und Perspektivlosigkeit“, so Dustmann.

Belegung der Intensivstationen mit berücksichtigen

Stefan Grubendorfer, Vorsitzender des Handelsverbandes, sagt: „Der Einzelhandel hat differenzierte Hygiene- und Schutzkonzepte entwickelt und ist nachweislich kein Treiber von Infektionen im Beschäftigten- oder im Kundenkreis.“

Sein Verband habe jetzt einen konkreten Öffnungsvorschlag unterbreitet, der sich nicht nur an Inzidenzzahlen, sondern zusätzlich an einem zweiten Beurteilungskriterium orientiere: der prozentualen Belegung der Intensivstationsbetten mit Covid-19-Patienten. „Dieser Vorschlag orientiert sich am Stufenplan des Robert-Koch-Instituts vom 18. Februar und berücksichtigt gesundheitsökonomische Parameter“, so Grubendorfer.

Die beiden führenden Repräsentanten des Handels in der Region sind sich einig, dass diese differenzierte „Öffnungs-Matrix“ eine sehr gute Basis für eine pandemiegerechte Öffnung von Unternehmen darstellen kann, weil sie viel differenzierter auf das Infektionsgeschehen eingehe.

Die differenzierte Strategie finde eine gute Balance, um einerseits eine Ausbreitung des Virus zu verhindern, und andererseits die berechtigten Ansprüche der Unternehmen und ihr Überleben zu gewährleisten. IHK und Handelsverband fordern von der Politik einen echten Strategiewechsel unter Berücksichtigung dieser Vorschläge.

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Redaktion Dortmund
Nach mehreren Stationen in Redaktionen rund um Dortmund bin ich seit dem 1. Juni 2015 in der Stadtredaktion Dortmund tätig. Als gebürtigem Dortmunder liegt mir die Stadt am Herzen. Hier interessieren mich nicht nur der Fußball, sondern auch die Kultur und die Wirtschaft. Seit dem 1. April 2020 arbeite ich in der Stadtredaktion als Wirtschaftsredakteur. In meiner Freizeit treibe ich gern Sport: Laufen, Mountainbike-Fahren, Tischtennis, Badminton. Außerdem bin ich Jazz-Fan, höre aber gerne auch Rockmusik (Springsteen, Clapton, Santana etc.).
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Peter Wulle

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