Dortmunder will Film über Flüchtlinge in Jordanien drehen

dzStudent der TU Dortmund

Ein Journalistik-Student aus Dortmund plant eine Doku über Geflüchtete in Jordanien. Leichter gesagt als getan: Zu zweit geht es ins Terrain an der syrischen Grenze.

von Aleyna Ceylan

Dortmund

, 18.01.2019, 12:03 Uhr / Lesedauer: 3 min

Während seines Studiums an der TU Dortmund entwickelte der Student, Philipp Lippert (22), eine Vorliebe für das Drehen von Dokumentarfilmen. Zusammen mit Olivia Samnick – die er während seines Auslandssemesters in Dänemark kennenlernte – drehte er bereits in Island einen Film. Auf die Idee für das „Mutbürger-Projekt“ kamen Philipp Lippert und die Hamburger Studentin Olivia Samnick bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit mit Flüchtlingen.

Philipp Lippert ist Pate eines Flüchtlings hier in Dortmund. „Durch unsere Flüchtlingsarbeit haben wir erfahren, dass Jordanien weltweit eines der Länder ist, wo die meisten Flüchtlingen hinkommen“, sagt er, „Jeder Vierte in Jordanien ist ein Flüchtling.“ In Jordanien leben nicht nur Flüchtlinge aus Syrien, sondern auch Geflohene aus dem Irak oder Palästina. Die Bevölkerungsanzahl beträgt rund 7 Millionen Einwohner, davon sind 1,6 Millionen Flüchtlinge. Im Vergleich: in Deutschland leben aktuell knapp 83 Millionen Menschen, darunter 1,4 Millionen Geflüchtete. „Da fragt man sich doch, wie gehen die Menschen dort damit um?“, so Lippert.

Dortmund ist seine Heimat

Philipp Lippert schloss im letzten Jahr an der TU Dortmund seinen Bachelor in Journalistik ab. Seit 2014 wohnt er in Dortmund. „Dortmund ist mittlerweile schon irgendwie Heimat“; sagt der gebürtige Saarländer. Erst im Winter will der 22-Jährige seinen Master in Dokumentarfilmen machen. Bis dahin konzentriert er sich auf Jordanien.

Ihr Projekt „Mutbürger“ starteten die beiden Studenten im September 2018. Den Namen haben sie ausgesucht, weil es in dem Film um Menschen gehen solle, die selbst geflohen sind, eine unsichere Zukunft haben und sich trotzdem noch dafür engagieren, anderen zu helfen. Der Begriff „Mutbürger“ sei sozusagen die positiv konnotierte Version vom allseits bekannten Wort „Wutbürger.“

Im März wollen die beiden Studenten in Jordanien drei Projekte besuchen, die von Geflüchteten selbst gegründet wurden. „Unser Fokus liegt darauf, direkt mit den Leuten und Betroffenen zu sprechen und sie erzählen zu lassen.“ Unter anderem wollen sie ein Projekt eines Syrers besuchen, in dem Familien mit autistischen Kindern unterstützt werden. Darüber hinaus haben sie vor, in eines der weltgrößten Flüchtlingslager namens Zaatari zu reisen, das sich mit rund 80.000 Flüchtlingen zu einer festen Siedlung entwickelt hat. Hilfe bekommen sie von der UNO-Flüchtlingshilfe „UNHCR“.

Jordanien ist sehr klein

Aufgrund der geringen Größe von Jordanien – in vier Stunden kann man das Land von Norden bis Süden durchqueren – können sie für ihre 14 Tage Aufenthalt flexibel planen, wo sie anfangen. „Je nachdem, für welche Lager wir Genehmigungen bekommen.“ Außerdem wollen Philipp Lippert und Olivia Samnick ein von Jordaniern gegründetes Skate-Projekt vorstellen, bei dem Flüchtlingskinder aus unterschiedlichen Ländern zusammen skaten lernen.

Finanziert wird das Projekt über die Crowdfunding-Plattform „startnext“, auf der man sein Projekt anmelden kann.

Spender gesucht

Durch Spenden von Internetnutzern haben Philipp Lippert und Olivia Samnick schon rund 4.000 Euro gesammelt. „Knapp 500 Euro fehlen uns noch“, sagt Lippert. Damit versuchen die beiden, alles zu finanzieren: Das Kamera-Equipment, die Flüge, Visa, ein Auto, Unterkünfte, einen Übersetzer und verschiedene Genehmigungen. Sollte Geld übrig bleiben, wollen sie es an eine Organisation in Jordanien spenden. „Wir verwenden das komplette Geld für das Projekt.“

Dortmunder will Film über Flüchtlinge in Jordanien drehen

Die Ausrüstung für den neuen Film wollen sie über Spenden finanzieren. © Philipp Lippert

Darum bekäme auch jeder „Spender“ ein kleines Dankeschön: Das können ein Souvenir aus Jordanien, direkte Einblicke während des Drehs oder Einladungen für geplante Premieren in Kinos sein. „Wir wollen das unbedingt transparent machen. Wenn wir vor Ort sind, kann uns jeder auf unserer Facebook-Seite schreiben und unsere Handlungen hinterfragen. Wir werden von anderen Leuten finanziert, die dürfen gerne Vorschläge oder Kritik abgeben“, sagt Philipp Lippert.

Der Film soll voraussichtlich im Sommer fertiggestellt sein. Verschiedene kleine Kinos wollen den Dokumentarfilm dann zeigen.

Film soll in Dortmunder Kinos zu sehen sein

Philipp Lippert plant auch Dortmunder Kinos ein. „Die Dortmunder Schauburg zeigt öfter mal kleine Dokus oder Ähnliches.“ Auch das dabei erwirtschaftete Geld soll dann gespendet werden.

Wichtig sei den beiden an diesem Thema vor allem, dass sie die Situation der Flüchtlinge so objektiv wie möglich darstellen. „Es geht nicht darum, jemandem einen Spiegel vorzuhalten.“ Jeder könne aus dem Film etwas Individuelles für sich und sein Leben mitnehmen. Es ginge aber nicht darum, deutsche Flüchtlingsarbeit zu kritisieren.

Seit Jahren halte die Debatte um das Flüchtlingsthema in Deutschland an. Trotzdem werde kaum über andere Länder in ähnlichen Situationen berichtet. Philipp Lippert und Olivia Samnick wollen das ändern. „Das Thema geht schließlich jeden von uns etwas an. Trotzdem wollen wir mal raus aus der Dauerdebatte um Deutschland und einen anderen Blick darauf bieten“, sagt Phlipp Lippert.

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