Über das Ende der Ära Trump und die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Biden sprach Oliver Volmerich mit Prof. Walter Grünzweig von der TU-Dortmund. © dpa/Montage Dittgen
Video-Talk

Dortmunder USA-Experte hat große Hoffnung auf Neuanfang nach Trump

Wie geht es in den USA nach Präsident Trump weiter? Welche Chancen hat die neue Regierung Biden? Klare Positionen hat dazu US-Experte Prof. Walter Grünzweig von der TU Dortmund im Video-Talk.

Unruhige Wochen hat die Hauptstadt der USA erlebt – nach dem Sturm aufs Kapitol, das Parlamentsgebäude in Washington, am 6. Juni, folgte am Mittwoch (20.1.) eine Vereidigungsfeier für den neuen US-Präsidenten Biden im Belagerungszustand.

Überraschend war das für Walter Grünzweig, Professor für Amerikanistik an der TU Dortmund, nicht. „Ich hatte Unruhen erwartet“, berichtete er im Video-Talk am Tag nach dem Machtwechsel in den USA, der nach vier Jahren mit Präsident Donald Trump auch in Deutschland mit großer Aufmerksamkeit verfolgt wurde.

Bis zuletzt hatte Trump entgegen aller Fakten und juristischen Bewertungen Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Wahlsiegs seines demokratischen Herausforderers Joe Biden gesät. Die Kampagne führte schließlich zum Sturm auf das Kapitol durch gewalttägige Trump-Anhänger.

Doch das „Gift der Lügen“, das viele Kommentatoren beklagen, könne die Anziehungskraft auf viele US-Wähler allein nicht erklären, ist Grünzweig überzeugt.

„Ich kann mir nicht vorstellen. dass 75 Millionen Menschen ihn nur gewählt haben, weil er Lügen erzählt hat. Die Leute wussten, dass die Elite, die sie offensichtlich hassen, besonders verstört sind, wenn man Trump wählt“, erklärt der US-Experte.

Gleichwohl sieht Grünzweig für die Regierung Biden die Chance auf einen echten Neuanfang. „Biden wird alles versuchen, Einigkeit zu erreichen“, glaubt Walter Grünzweig. „Mit der Zusammenstellung seiner Regierung hat er wirklich alles getan, um die amerikanische Gesellschaft abzubilden – von einem schwarzen Verteidigungsminister über mehrere Hispanics bis zu einer native American als Innenministerin. Das ist allein ist schon eine Botschaft.“

Vertrauen in neue Regierung

Eine besondere Rolle spiele dabei auch die aus einer Einwanderer-Familie stammende Kamala Harris als erste Vizepräsidentin, die mit Blick auf das Alter Bidens das Präsidentenamt vor Ablauf der Amtszeit übernehmen könnte. „Ich habe ziemlich viel Vertrauen in diese neue Regierung. Ich glaube an eine positive Entwicklung“, sagt der Amerikanist.

Unklar sei, wie es mit Trump weitergeht. Gründet er eine neue Partei? Unterstützen die Republikaner das laufenden Impeachment-Verfahren gegen Trump? Viele Republikaner könnten daran ein Interesse haben, dass Trump keine politischen Ämter mehr übernehmen könnte. „Aber es wird nicht helfen, die 75 Millionen zurückzukriegen, die Trump gewählt haben.“

Alles, was aktuell in den USA passiere, sei dabei auch für Europa relevant, ist Grünzweig überzeugt. Viele rechtsgerichtete Politiker hätten mit Trump ihren „Gottvater“ verloren. „Für Europa tut sich eine neuen transatlantische Perspektive auf, die auch uns unmittelbar helfen wird“, sagt der TU-Professor.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Oliver Volmerich, Jahrgang 1966, Ur-Dortmunder, Bergmannssohn, Diplom-Journalist, Buchautor und seit 1994 Redakteur in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten. Hier kümmert er sich vor allem um Kommunalpolitik, Stadtplanung, Stadtgeschichte und vieles andere, was die Stadt bewegt.
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Oliver Volmerich

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