Homeoffice ist für die Mitarbeiter vieler Dortmunder Betriebe bereits Alltag. © dpa
Corona-Pandemie

Dortmunder Unternehmer: „Ich bin für Homeoffice, aber gegen ein Gesetz“

Eine verbindliche Homeoffice-Regelung, die Bund und Länder am Dienstag getroffen haben, stößt in Dortmund auf Gelassenheit – aber auch auf Kritik: „Bürokratisch und unnötig“

Die neuen Regelungen, die Bund und Ländern am Dienstagabend (19.1) im Kanzleramt auf den Weg gebracht haben, stoßen bei Dortmunder Unternehmen auf Kritik – auch wenn sie die Vorgaben längst erfüllen.

Nach der neuen Verordnung sollen Arbeitgeber ab einer sogenannten Sieben-Tage-Inzidenz von 50 verpflichtet werden, „den Beschäftigten im Falle von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung (Homeoffice) auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen“.

Außerdem soll im Betrieb eine Mindestfläche von zehn Quadratmetern pro Beschäftigtem in einem Raum nicht unterschritten werden, „soweit die auszuführenden Tätigkeiten dies zulassen.“ Dort, wo es nicht geht und Abstände nicht eingehalten werden können, sollen Masken an die Belegschaft ausgegeben oder Plexiglas-Wände eingezogen werden.

Unternehmen Entscheidung selbst überlassen

Bei Dolezych, dem Dortmunder Unternehmen zur Herstellung von Ladungssicherungs- und Hebetechnik, mit Sitz im Hafen hat die Arbeit im Homeoffice in den letzten Monaten deutlich zugenommen und soll auch nach Corona weiter möglich sein.

Rund die Hälfte der 100 Mitarbeiter im Büro arbeitet inzwischen mobil von zu Hause, die andere Hälfte auf ausgeweiteter Fläche vor Ort mit strengem Hygiene-Konzept, das auch für die 100 Kollegen in der Produktion gilt.

Die Verschärfung der Homeoffice-Regeln durch die Bund-Länder-Runde am Dienstag (19.1.) im Kanzleramt bringt den jungen Geschäftsführer Tim Dolezych auf die Palme, zumal das Unternehmen für die mobile IT-Ausstattung kräftig investieren musste und nicht alle Büro-Arbeitsplätze für Homeoffice geeignet sind: „Ich finde es unerträglich, dass Politiker darüber diskutieren, wie viele Mitarbeiter eines Unternehmens im Homeoffice arbeiten sollen. Ich bin offen für Homeoffice, aber gegen ein Gesetz. Das sollte man den Unternehmen selbst überlassen.“

Bürokratischer Aufwand

Auch die Volkswohl-Bund-Versicherungen sehen „überhaupt keine Notwendigkeit für eine gesetzliche Regelung, die einen unnötig hohen und zusätzlich belastenden bürokratischen Aufwand“ mit sich bringe, erklärt Sprecherin Simone Szydlak. Dort ist es den Mitarbeitern bislang freigestellt, ob sie weiter ins Büro kommen möchten oder ob sie lieber von zu Hause aus arbeiten.

Der überwiegende Teil nutze dieses offene Angebot. Ein Drittel arbeite ständig von zu Hause, ein Drittel komme jeden Tag unter strengen Hygiene-Vorschriften ins Büro, und ein weiteres Drittel wechsele zwischen den Angeboten. Das hänge auch von den Möglichkeiten ab, die der Einzelne in seiner Wohnung vorfinde.

Für Julia Laukamp, Personalchefin bei der Compleo Charging Solutions AG in Brackel, stellt sich die Frage nach den Kontrollmöglichkeiten und den Kriterien, wer vor Ort unverzichtbar ist und wer nicht. Bei Compleo sind bereits 75 Prozent der Mitarbeiter im Homeoffice. Es gebe nur noch Einzelfälle, die ohne zwingende Notwendigkeit im Büro vor Ort arbeiteten, so Laukamp.

Für die TU Dortmund habe so ein Beschluss keine praktische Bedeutung, sagt auch Hochschulsprecherin Eva Prost, „weil wir das alles schon haben.“

Bei Wilo gilt Homeoffice als „normaler Arbeitsort“

Auch den Pumpenhersteller Wilo SE kann die neue Verordnung von Arbeitsminister Heil kaltlassen. Mit dem Neubau und Bezug des Wiloparks sollte 2020 ohnehin das neue Future-Office Konzept umgesetzt werden und wurde umgesetzt.

Dies beinhaltet unter anderem das sogenannte „non-territoriale Arbeiten“, in dem Telearbeit ausdrücklich als alltägliche Arbeitsform, beziehungsweise das Homeoffice als „normaler“ Arbeitsort vorgesehen sind.

Bei Wilo beträgt die Telearbeits-Quote unter den rund 2000 Beschäftigten an den Dortmunder Standorten zwischen 85 und 90 Prozent. „Dies bezieht sich im Wesentlichen auf die rund 1200 Verwaltungsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter, da die Produktion von Pumpen zum Teil komplexe Arbeitsabläufe beinhaltet, die nicht zu Hause erledigt werden können“, so Pressesprecher Klaus Hübscher.

Und wo immer dies aufgrund der Aufgaben und Arbeitsabläufe möglich sei, werde die Telearbeit von den Mitarbeitern genutzt.

Kostenlose Masken für Mitarbeiter

Bei Service-Einsätzen stelle Wilo schon seit Beginn der Pandemie den Beschäftigten FFP2-Masken zur Verfügung, sagt Hübscher. In allen Gebäuden herrscht Maskenpflicht, auch in den Produktionsbereichen. Pro Person und Tag stehen den einzelnen Mitarbeitern zwei Masken kostenlos zur Verfügung.

In der Produktion kommen zudem sogenannte Kinexon SafeTags zum Einsatz, die die Einhaltung des Sicherheitsabstands von 1,5 Metern durch visuelle und akustische Signale sicherstellen. Außerdem wurden Arbeitsbereiche in der Produktion so umgebaut oder ausgestattet, dass Mindestabstände eingehalten werden können.

Hübscher: „In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Roten Kreuz bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Verdachtsfall kostenlose Schnelltests in unseren eigenen Räumlichkeiten an.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.