Drei der momentan rund 50 Fertiggerichte, die Sternekoch Michael Dyllong entwickelt hat. © Thomas Thiel
Neues Angebot

Dortmunder Sternekoch bietet jetzt Mikrowellen-Gerichte an

Ein Sternekoch aus Dortmund hat die Corona-Zwangspause genutzt, um ein ungewöhnliches Geschäftsfeld aufzubauen. Er entwickelte Gerichte für die Mikrowelle. Demnächst liefert er deutschlandweit.

Sterneküche To Go? Das geht nicht, sagte Michael Dyllong voller Überzeugung, als er vor ein paar Monaten im zweiten Lockdown gefragt wurde, warum sein Sterne-Restaurant „Palmgarden“ nicht wenigstens Essen zum Mitnehmen anbiete. Zu aufwendig in der Produktion, zu teuer für den Kunden, dazu fehle auch das Flair eines Sternerestaurant-Besuchs.

An seiner Meinung hat Dortmunds dienstältester Sternekoch nichts geändert. Trotzdem bietet Dyllong inzwischen über 50 von ihm entwickelte Gerichte zum Liefern und nachträglichen Warmmachen an – Mikrowellenessen vom Sternekoch. Dass es dazu kam, hat viel mit der Pandemie zu tun.

Alles begann mit einem Palmgarden-Stammgast, erzählt Dyllong gut gelaunt am Telefon. Der wandte sich Ende vergangenen Jahres Hilfe suchend an ihn. Ob Dyllong nicht einen Koch kenne, der für die Mitarbeiter seiner Steuerkanzlei jeden Tag à la carte kochen könnte, quasi als Edel-Kantine. Dyllong musste ihn enttäuschen.

Anwalt fragte Dyllong nach einem Koch

Doch als der Steueranwalt auch sechs Wochen später immer noch niemanden gefunden hatte, sagte Dyllong selbst zu. Weil seine Restaurants – Dyllong hat neben dem Palmgarden, wo er angestellter Küchenchef ist, mit dem Vida und dem Iuma in Kirchhörde noch zwei weitere Restaurants, in denen er aber nicht selber kocht – gerade sowieso geschlossen waren, wagte sich der Sternekoch auf unbekanntes Terrain.

Da er nicht vorhatte, Chef einer Mini-Betriebskantine zu werden, ersann sich Dyllong ein anderes Konzept: eine Art Catering-Dienst, bei dem seine Gerichte ohne sein Zutun nach einem genauen Rezept zubereitet, verschweißt und haltbar gemacht werden.

Zur Sache

So funktioniert der Lieferdienst „Vida Delivery“

  • Hauptkunden für Dyllongs Fertiggerichte sind Büros. Pro Bestellung müssen mindestens zehn Gerichte bestellt werden – sie sind sieben Tage im Kühlschrank haltbar.
  • Wöchentlich können Kunden aus 12 Gerichten auswählen.
  • Die Preise der Gerichte liegen bei den Hauptspeisen zwischen 7,90 und 8,90 Euro, bei den Vorspeisen zwischen 2,50 und 2,90 Euro. Die Gerichte können in der Mikrowelle und im Ofen aufgewärmt werden.
  • Bestellt wird aktuell noch eine Woche im Voraus, Liefertag ist Mittwoch.
  • Bis der Web-Shop online ist, laufen Kontaktaufnahme und Bestellung per E-Mail: contact@vida-dortmund.com
    Internetseite: www.vida-dortmund.de/delivery
  • Alternativ verkaufen drei Supermärkte in Dortmund die Fertiggerichte: Rewe Phoenix-See, Rewe Hombruch, Edeka Stadtkrone-Ost.

Für seine haltbaren Mikrowellen-Essen musste Dyllong jedoch die Art, wie er kochte, neu denken: „Weil die Gerichte später nochmals erwärmt werden, müssen die Gar- und Kochzeiten komplett neu errechnet werden.“ Nudeln, die normalerweise acht Minuten in kochendem Wasser brauchen, dürfen beispielsweise nur viereinhalb Minuten in den Topf.

Sterne-Qualität haben seine Liefergerichte definitiv nicht, sagt Dyllong. „Das sind ganz normale Gerichte, die man auch zuhause kochen könnte – bodenständige Küche.“ Dazu gehören etwa Kalbsfrikadelle mit Möhrencurry und würzigem Kern-Mix, gefüllte Aubergine mit Tomatensugo und Wildreis oder Kabeljaufilet in Senfsauce, buntem Gemüse und Butterkartoffeln.

Regional und saisonale Fertiggerichte

Mit durchschnittlichem Kantinenessen sind Dyllongs Kreationen jedoch nicht zu vergleichen, wie ein Test unserer Redaktion von mehreren Gerichten ergab: Die Gewürze waren fein abgestimmt, die Soßen rund, die verwendeten Lebensmittel gut zubereitet. Laut Dyllong ist das Essen saisonal und regional und kommt ohne Konservierungsstoffe aus.

Der Weg dahin war jedoch kein einfacher: Drei Monate tüftelte Dyllong an den Rezepten, einen weiteren Monat dauerte das Anlernen der Köche in der Großküche, mit der Dyllong zusammenarbeitet. „Anfangs haben es ein Drittel der Gerichte, die wir kochten, nicht in die Schale geschafft“, erzählt Dyllong.

Die Puten-Roulade mit Sellerie-Stampf und Brokkoli nach 25 Minuten im Ofen © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Mittlerweile ist er mit der Qualität zufrieden. Aktuell werden rund 700 Liefergerichte die Woche produziert, die Dyllong unter dem Label seines Restaurants Vida verkauft. 15 Betriebe in Dortmund und Umgebung beliefert er inzwischen regelmäßig, dazu gibt es die Fertiggerichte in drei Rewe-Supermärkten (Phoenix-See, Hombruch, Herdecke) und dem Edeka-Markt Stadtkrone-Ost zu kaufen.

Der Lieferdienst soll weiter wachsen. Bis Ende Juni soll der Online-Shop von „Vida Delivery“ fertig sein, dann will Dyllong seine bis zu sieben Tage haltbaren Fertiggerichte deutschlandweit liefern.

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Alles rund um den Genuss in und um Dortmund

Auf unserer Übersichtsseite „Genussecke“ sammeln wir alles zu kulinarischen Geheimtipps und neuen Restaurants in und um Dortmund. Hier gibt es alle Artikel.

Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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