Evelyn Schwarz (2. v. r.) inmitten ihrer Mitarbeiterinnen. „Die Dolls haben mich gerettet“, sagt die 33-Jährige über die Zeit, in der Prostitution wegen des Coronavirus verboten ist. © Michael Schuh
BorDoll

Dortmunder Sexpuppen-Bordell droht Corona-Pleite: Lieferdienst ging schief

Fließen die beantragten Corona-Hilfen nicht bald, droht dem Sexpuppen-Bordell in Dortmund das Aus. Dabei bot man sogar einen Lieferdienst an, um das BorDoll zu retten - doch das war keine gute Idee.

Evelyn Schwarz hat vieles probiert, ist kreativ geworden, um das BorDoll durch die Corona-Krise zu bringen. Im ersten Lockdown fand sie ein Schlupfloch für das Etablissement in Dortmund-Schüren, in dem hochwertige Sexpuppen (engl. „Sex-Dolls“) auf Kunden warten, und konnte im Gegensatz zu anderen Prostitutionsbetrieben zwischenzeitlich öffnen.

Denn verboten war das Öffnen von Prostitutionsstätten – und als Prostitution gilt Sex zwischen Menschen. Auch wenn die Puppel, die „Dolls“ namens Angel, Elena, Mila oder Diana recht realistisch aussehen, als Mensch gehen sie nicht durch. So argumentierte Evelyn Schwarz bei den Behörden, und das BorDoll durfte im Gegensatz zu „normalen“ Bordellen Ende Mai wieder öffnen.

„Vergnügungsstätte“ muss im Lockdown schließen

Doch im zweiten Lockdown droht dem Sexpuppen-Bordell nun das endgültige Aus: Seit dem 2. November ist das BorDoll geschlossen, fällt als „Vergnügungsstätte“ unter den entsprechenden Passus in der Coronaschutzverordnung. „Wir haben aktuell keine Chance, ein Schlupfloch zu finden, um das Geschäft wieder zu öffnen“, so Schwarz.

Im Gegensatz zu anderen Bordellen dürfte das BorDoll aktuell zwar einen Lieferservice anbieten, die Sexpuppen also für vergnüglichen Stunden zu den Kunden bringen. Und versucht hat die Geschäftsfrau auch schon, so etwas Umsatz zu machen – im ersten Lockdown.

„Da haben wir sehr schlechte Erfahrungen machen, da fast alle ausgelieferten Sexpuppen mit extremen Beschädigungen zurückgekommen sind und sich dies wirtschaftlich absolut nicht rentiert hat.“

Sexdolls kamen mit Schäden zurück

Blessuren am Silikon, gebrochene Gliedmaßen oder Verfärbungen des Materials – die Sexdolls mussten einiges über sich ergehen lassen, schildert Schwarz. Ging es so brutal zu, wenn die Freier sich mit den Plastik-Damen vergnügen durften? Den Kunden möchte Evelyn Schwarz keine Absicht unterstellen.

Vielmehr scheint der sachgemäße Umgang mit den 18 bis 40 Kilo schweren Sexpuppen schwieriger, als man vielleicht annimmt. „Die Handhabung ist bei uns im BorDoll wesentlich einfacher, weil schon alles vorbereitet ist und es für neue Gäste immer eine Einweisung durch die Hausdame gibt.“

Keine Frage - die Puppen sehen realen Menschen ziemlich ähnlich. In nicht allzu ferner Zukunft wird man sie vielleicht kaum noch voneinander unterscheiden können.
Keine Frage – die Puppen sehen realen Menschen ziemlich ähnlich. In nicht allzu ferner Zukunft wird man sie vielleicht kaum noch voneinander unterscheiden können. © Michael Schuh © Michael Schuh

Bei einer gelieferten Doll sei das anders, so Evelyn Schwarz: „Die Kunden achten daheim nicht darauf, ob sie die Doll auf einen spitzen Gegenstand legen oder auf einen Stoff, der abfärbt…“

Staatliche Corona-Hilfen lassen auch sich warten

Diese mögliche Einnahmequelle ist also versiegt. Finanziell hat die BorDoll-Inhaberin auch andere Möglichkeiten ausgeschöpft: „Wir haben staatliche Hilfen beantragt und genehmigt bekommen. 50 Prozent der genehmigten Summe sind Anfang Dezember geflossen, jedoch warten wir wie fast alle Betriebe immer noch auf die restliche Auszahlung – die Wochen ziehen ins Land und die Fixkosten laufen weiter“, so die Betreiberin.

„Ersparnisse sind daher restlos aufgebraucht, und so langsam wird das Eis, auf dem wir uns gerade befinden, sehr dünn.“ Für die gesamte Branche und ihr eigenes Etablissement sieht ihre Prognose daher düster aus – spätestens im April rechnet die 33-Jährige mit Insolvenzen: „Kommen die Restzahlungen des Staats diesen Monat nicht mehr, müsste ich eigentlich schon im Februar alle über das Aus informieren.“

Doch noch hat Evelyn Schwarz Hoffnung, dass die Gelder nur leicht verspätet auf dem Konto eingehen und schiebt die Auseinandersetzung mit dem Thema Insolvenz noch vor sich her.

„Wir haben keinerlei Perspektive und extreme Existenzangst“

Neben dem finanziellen Druck machen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie Evelyn Schwarz und ihren Mitarbeitern auch psychisch Probleme: „Wir sind auf unbestimmte Zeit stillgelegt, haben über nichts mehr Kontrolle, keinerlei Perspektive und extreme Existenzangst.“

Auch, wenn das BorDoll wieder öffnen dürfe, werde „nichts mehr so sein wie zuvor“. Denn: „Zum einen wird sich die Gesellschaft verändern und man wird nicht mehr soviel Geld ausgeben, aus Angst, dass man jederzeit wieder in eine solche unkalkulierbare Situation katapultiert werden könnte“, vermutet die Geschäftsfrau.

Auch die Angst vor Viren und Bakterien werde die Menschen noch lange begleiten und sich geschäftsschädigend auswirken, so Schwarz.

Befürchtung: Anonyme Prostitution wird in Zukunft Kunden kosten

„Zum anderen werden etliche Dienstleisterinnen gefallen an der anonymen, aber vor allem steuerfreien Prostitution gefunden haben und nicht mehr in ein Bordell zurückkehren, sodass auch ein Großteil der Kunden wegbrechen wird“, sagt die Dortmunderin.

Sie betreibt in den BorDoll-Räumlichkeiten auch ein „normales“ Bordell. Dort bietet sie ihre Dienste auch selbst als Domina und Prostituierte an. Normalerweise, denn auch das ist aktuell verboten.

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1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will

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