Dortmunder Schachverein verlegt Spiele wegen Coronavirus ins Internet

dzSchach

Auch Schachvereine leiden unter dem Coronavirus. Ein Dortmunder Schachverein hat nun aber eine Ausweichmöglichkeit gefunden. Die Mitglieder spielen im Internet gegeneinander.

von Uwe Paulukat

Lütgendortmund

, 04.05.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wie soll man Schach spielen, wenn man zwei Meter Abstand halten soll? Wenn dann noch die Vereinskneipe „Zur Alten Post“ geschlossen ist, wird es endgültig schwierig.

Die Schachvereinigung (SVG) Marten-Bövinghausen e.V. hat einen Ausweg gefunden. Genau genommen war es Marc Boxberg, der privat schon länger auf der Internet-Plattform lichess.org kostenlos spielt. Er habe deshalb dem Vorstand der SVG vorgeschlagen, auf Lichess ein Team für den Verein einzurichten. „Erst war der Vorstand etwas skeptisch, nach einem ersten Test war er aber überzeugt“, sagt Boxberg.

Er richtete das Team auf der Webseite ein. Mittlerweile treffen sich schon fast 20 Vereinsmitglieder zweimal wöchentlich im Internet um Schach zu spielen. Anders als die meisten Lichess-Turniere sind die Veranstaltungen nicht offen für alle, sondern es können nur die angemeldeten Vereinsmitglieder mitspielen.

Vereinsmitglieder spielen Blitz-Schach

Die Spieler messen sich im Blitz-Schach. Jeder Spieler hat für alle Züge im Spiel grundsätzlich 5 Minuten Zeit. Außerdem gibt es einen Bonus von 3 Sekunden pro Zug.

„Ein sehr schnelles Spiel“, sagt Uwe Lenser, einer der Mitspieler, „bei dieser Spielweise ist Konzentration oberstes Gebot. Da es um Punkte geht, bemüht man sich schon, ein gutes Spiel abzuliefern und zu gewinnen. Natürlich haben die Mitspieler alle Alias-Namen, aber die meisten Spieler aus dem Raum Dortmund erkennt man an der Spielweise, wie sie die Züge machen.“

„Wir haben Probleme wie alle anderen Sportvereine“, sagt der 1. Vorsitzende der SVG, Eckhart Gielisch. „Die Abstandsregeln lassen kein Training oder Meisterschaftsspiele zu. Eigentlich hätten wir noch zwei Meisterschaftstage zu absolvieren. Ligaspiele sind allerdings nicht über das Internet möglich.“ Beim Schach ist es gut möglich, dass sich Spieler der Hilfe einer Schach-Software bedienen. Die Gefahr des Schummelns ist zu groß.

Manche Schach-Spieler sehen Schach im Internet kritisch

Es gibt aber auch Vereinsmitglieder, die Online-Schach kritisch sehen. Beispielsweise SVG-Pressewart und -Schulungsleiter Hubert Schulte: „Um überhaupt die Möglichkeit zu haben, Schach zu spielen, finde ich dieses Angebot interessant, aber nur sinnvoll, wenn man gegen Schachfreunde, Vereinsmitglieder spielen kann, die man auch kennt.“ Selbst das mag Hubert Schulte nur als Übergangslösung akzeptieren. Für ihn selbst aber sei dieses Angebot „überhaupt nichts“. Er lege beim Schachspielen großen Wert auf Kommunikation mit seinem Gegenüber. Auch die Atmosphäre wie beim Spielabend oder Training sei nicht gegeben.

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