Leon Hoen (20) gehört in zweifacher Hinsicht zur Priorisierungsgruppe 3. Obwohl er einen Termin am Impfzentrum in Hörde hatte, wurde er vor Ort abgewiesen. © Stephan Schütze
Impfpriorisierung

Dortmunder sauer: Zweifach impfberechtigt und trotzdem keine Impfung

Ein Dortmunder ist aus zwei Gründen impfberechtigt, hat sogar einen Termin im Impfzentrum. Dort wird der weggeschickt. Sein Hausarzt kann nur zu einer Sache raten.

Leon Hoen versteht die Welt nicht mehr und er ist sauer. Am Samstag, 22. Mai sollte es endlich so weit sein und er gegen das Corona-Virus geimpft werden. Um einen Termin hatte er sich gekümmert, als für ihn klar war, dass er als Wahlhelfer und Beschäftigter der TU Dortmund ein Angehöriger der Prio-Gruppe 3 und somit nun impfberechtigt ist. Das war am 6. Mai.

Trotz Termin weggeschickt

Der 20-Jährige informierte sich bei der Impfhotline, wo er sich impfen lassen könne – und machte dann den Termin auf Phoenix West aus.

Doch am Tag selbst dann die Enttäuschung: „Ich wurde weggeschickt“, sagt Leon Hoen. Der Mitarbeiter habe gesagt, dass er nach dem aktuellen Plan nicht im Impfzentrum geimpft werden könne.

Zwar es ist richtig, dass nach dem aktuellen Impffahrplan der Stadt Beschäftigte an Hochschulen bei ihren Hausärzten geimpft werden sollen und ebenso Wahlhelfer – aber Anfang Mai bekam Leon Hoen beim Impftelefon die Auskunft, dass er zur Gruppe der Beschäftigten an weiterführenden Schulen zähle und somit ins Impfzentrum gehen könne.

Die Pressestelle der Stadt erklärt dazu, dass die Beschäftigten der Universitäten nie zu der Gruppe der Beschäftigten der weiterführenden Schulen zählten. Die Auskunft war somit schlicht falsch. Das Rechtsamt der Stadt habe lediglich zum Zeitpunkt der Freigabe für Impfberechtigte von weiterführenden Schulen geprüft, ob auch Unibeschäftigte zu dieser Gruppe zugerechnet werden könnten. Aus „rechtlichen Gründen“, so die Stadt, sei das aber letztlich nicht zulässig.

Kaum noch Erstimpfungen

Dr. Prosper Rodewyk, der Leon Hoens Hausarzt ist und gleichzeitig Dortmunds Sprecher der Hausärzte, vermutet, dass Leon vor allem weggeschickt wurde, weil kein Erstimpfstoff mehr da ist. „Da ist tote Hose am Impfzentrum. Der Keller ist leer.“ So hat denn die Stadt Dortmund am 1. Juni auch öffentlich mitgeteilt, dass es nach dem 7. Juni keine Erst-Impftermine im Impfzentrum mehr geben werde – wegen Impfstoffmangels.

Auch Rodewyk und seine Kollegen bekommen die Impfstoff-Knappheit zu spüren. „Ich habe in einer Woche für sechs Leute Biontech bekommen“, sagt Prosper Rodewyk. Astra Zeneca könnte der 20-Jährige vermutlich eher bekommen, glaubt der Hausarztsprecher.

Dass die Priorisierungsgruppe 3 nun zu den Hausärzten gehen soll, findet er wenig sinnvoll: „Wir haben auch keinen Impfstoff.“

Und es stehen ja schon die nächsten Impfwilligen an, die die sich in keiner der drei Gruppen wiederfinden. Ab 7. Juni wird die Priorisierung aufgehoben sein. Leon Hoen hat die Sorge, dass er erst dann an der Reihe sein wird und ihm seine Impfberechtigung keinen Vorteil verschafft. „Das Ärgernis ist, dass die doppelte Zugehörigkeit zur Priogruppe 3 auf dem Papier existiert, aber nicht in der Realität“, sagt Leon Hoen.

Stadtsprecherin Anke Widow verweist auf den Bund und die Länder: Hier werde entschieden, welche Personengruppen priorisiert werden.

Rodewyk kann Leuten wie Leon Hoen nur zwei Dinge raten: Warten – oder alternativ den Impfstoff von Astrazeneca oder Johnson & Johnson zu akzeptieren.

Der Mediziner sagt aber auch ganz deutlich, dass er unter 30-jährige Frauen nicht mit Astrazeneca impft. Der Grund seien die im Zusammenhang mit dem Vakzin (selten) aufgetretenen Hirnvenenthrombosen, die vor allem diese Altersgruppe betrifft. „Bei Männern ist das machbarer“, sagt Dr. Prosper Rodewyk.

Der nächste mRNA-Impfstoff, der ähnlich wie die Vakzine von Moderna und Biontech aufgebaut ist, sei schon in der Zulassungsphase. Das Tübinger Unternehmen Curevec lässt seinen Impfstoff gerade in einer klinischen Studie auf seine Wirksamkeit hin testen.

Anmerkung der Redaktion (1.6., 17 Uhr): In einer ersten Version dieses Textes hatte die Stadt noch nicht auf unsere Anfrage bezüglich des Falls geantwortet. Nachdem die Pressestelle sich geäußert hat, haben wir den Artikel entsprechend geändert.

Über die Autorin
Volontärin
Geboren und aufgewachsen im Bergischen Land, fürs Studium ins Rheinland gezogen und schließlich das Ruhrgebiet lieben gelernt. Meine ersten journalistischen Schritte ging ich beim Remscheider General-Anzeiger als junge Studentin. Meine Wahlheimat Ruhrgebiet habe ich als freie Mitarbeiterin der WAZ schätzen gelernt. Das Ruhrgebiet erkunde ich am liebsten mit dem Rennrad oder als Reporterin.
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