Dortmunder Rentner muss vier Mal im Jahr nachweisen, dass er noch lebt

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Wer nur alle paar Jahre zu den Bürgerdiensten muss, kann sich angesichts der Wartezeiten glücklich schätzen. Radoslav Res muss alle drei Monate dorthin - für eine Bestätigung, dass er lebt.

Dortmund

, 08.08.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt Menschen, sagt Radoslav Res, die können ihren Lebensweg nicht frei wählen. Er gehört dazu. So ist er in seinem Arbeitsleben viel rumgekommen in Europa – mit der Folge, dass er heute vier Renten bezieht: neben zwei Renten aus Deutschland auch eine aus Kroatien und eine aus Tschechien.

Nach seinem Studium zum Diplom-Geologen in Prag arbeitete er zunächst im tschechischen Celacovice an einer Drehmaschine, dann drei Jahre als Abteilungsleiter in Kroatien und schließlich 24 Jahre als Facharbeiter bei der KHS GmbH in Dortmund. Seit 17 Jahren ist er Rentner.

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Radoslav Res musste sich nicht nur bei den damaligen Rentenanträgen durch einen Bürokratie-Dschungel kämpfen, sondern hat noch heute alle drei Monate Kontakt mit dem Verwaltungsapparat, ohne den er seine Rente nicht vollständig bekommen würde. Was es für ihn besonders aufwendig macht: Radoslav Res muss jedes Vierteljahr zu den überlasteten Bürgerdiensten in Dortmund und sich dort bestätigen lassen, dass er noch lebt.

Rente aus Tschechien machte Umweg über London

„Die deutsche Rente kommt ohne Probleme aus Landshut jeden Monat auf mein Konto“, so Res. Dasselbe gelte für die Betriebsrente aus Salzgitter. Bei der Rente aus Kroatien, die aus Zagreb überwiesen wird, hat schließlich die Europäische Union (EU) die ganze Sache vereinfacht. „Bis zum Beitritt von Kroatien in die EU bekam ich alle zwei Jahre ein Formular ,Bestätigung des Lebens‘“, berichtet er. Das musste er ausfüllen, „hier amtlich bestätigen lassen, in ein Kuvert stecken, Briefmarke fürs Ausland aufkleben und nach Zagreb verschicken.“ Nach dem EU-Beitritt Kroatiens komme diese Rente so problemlos wie die deutsche.

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Anders bei der tschechischen Rente. Anfangs war es hierbei ähnlich wie bei der Rente aus Kroatien, „nur die kam nicht aus Prag auf mein Konto, sondern alle drei Monate in Form eines Schecks aus London.“ Doch dort droht der Brexit. Der letzte Scheck sei deshalb aus der Schweiz gekommen – als Paket. Das in London ausgestellte Scheckformat habe den Schweizern nicht gepasst, sagt er, „und wurde dort umgepackt“.

Dortmunder Rentner muss vier Mal im Jahr nachweisen, dass er noch lebt

Dieses Formular muss der Rentner vier mal im Jahr vorlegen. © Screenshot

Alle drei Monate zu den Bürgerdiensten

Radoslav Res fragte daraufhin in Prag an, ob es nicht einfacher gehe. „Dort wurde mir mitgeteilt, dass nun etwas anderes ausgetüftelt wurde: Ich kann meine Rente in 3-Monats-, 6-Monats- und 12-Monatsintervallen auf mein Konto ausbezahlt bekommen.“ Möchte er die Rente wie bisher vierteljährlich ausbezahlt haben, muss er auch vierteljährlich vom Internetportal der tschechischen Rentenversicherung das Formular „Bestätigung des Lebens“ ausdrucken, ausfüllen und von den Dortmunder Bürgerdiensten amtlich bestätigen lassen.

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Mit anderen EU-Ländern ist das nicht mehr nötig. Hier ersetzt mittlerweile ein elektronischer Sterbedatenabgleich die Anforderung einer Lebensbescheinigung. Bei Rente aus Spanien oder Italien wird daher regelmäßig auf die Vorlage der Lebensbestätigung verzichtet.

Gegner und Verbündete im Zweiten Weltkrieg

Radoslav Res hat seine eigene Theorie, warum mit Tschechien, aber auch mit Frankreich trotz der EU solch eine Prozedur bei der Rente nötig sei. Ein Friedensvertrag sei nach dem Zweiten Weltkrieg offiziell bis heute nicht zustande gekommen. „Kroatien war Deutschlands Verbündeter, Frankreich und Tschechien Gegner.“

Der Rentner wird nun brav alle drei Monate zu den Bürgerdiensten pilgern, in der Schlange stehen und sich dort die Bestätigung abholen, dass es ihn noch gibt. Da hilft ihm auch das Virtuelle Rathaus wenig, selbst wenn es funktioniert; denn Radoslav Res muss seine Lebensbestätigung selbst unterschreiben und abstempeln lassen.

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