Dortmunder Reisebüros: Urlaub im Ausland ist sicherer als in Deutschland

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Immer mehr Länder werden zu Risikogebieten erklärt, die Menschen sind verunsichert. Die Kunden für Dortmunder Reisebüros bleiben aus. Sie wenden sich an die Politik und geben einen Reise-Tipp.

Dortmund

, 02.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Draeger vom Reisebüro Stoffregen an der Kampstraße findet die aktuelle Situation „beängstigend“. Man sei „weit weg von dem, was Normalität ist“.

Das spiegele sich auch nach wie vor in den aktuellen Zahlen wider: Im Vergleich zu einer normalen Saison mache er lediglich zwei Prozent Umsatz. Draeger wünscht sich, dass mehr Leute reisen und sieht die Schuld hierfür bei der Politik.

Im September hat Michael Draeger zusammen mit anderen Reisebüros einen offenen Brief an Gesundheitsminister Spahn und Außenminister Maas formuliert. Der zentrale Vorwurf: Länder würden zu leichtfertig zu Risikogebieten erklärt werden.

Menschen sind verunsichert

Die Menschen seien verunsichert, meint Draeger. Er könne nicht verstehen, warum gleich ganze Länder zu Risikogebieten erklärt werden, anstatt nur die besonders betroffenen Regionen. Draeger schätzt, dass man in deutschen Ferienorten derzeit eine Auslastung von 50 bis 60 Prozent habe. Er mahnt: „Man kann nicht alle in Deutschland unterbringen.“

Seine Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, trotzdem würde er „von E-Mails erschlagen“ werden. „Ich gebe für jeden Kunden mein Bestes und probiere, deren Geld wieder reinzuholen“. Doch Umsatz mache er im Moment kaum.

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Sein Tipp für Urlauber: Pauschalreisen, denn da würde der Kunde, falls er storniert, weil das Reiseziel zum Risikogebiet erklärt wird, sein Geld zurückbekommen. „Geht ins Reisebüro, bevor ihr online übers Ohr gehauen werdet“, plädiert der Reisebüro-Filialleiter. Sein Credo lautet: „Aushalten, durchhalten, weitermachen“. Er werde nicht aufgeben, sondern weiterkämpfen, meint er.

Mehr Risikogebiete führen zu ausbleibenden Buchungen

„Mit den immer mehr werdenden Risikogebieten sinken auch die Buchungszahlen“, meint auch Thorsten Eustrup vom Reisebüro Köhler in Lütgendortmund.

Ein weiterer Grund für die ausbleibenden Buchungen sei unter anderem die Pflichtquarantäne, die sich viele einfach nicht erlauben können, meint Eustrup.

Auch die Verunsicherung der Bürger, da immer mehr Länder zu Risikogebieten erklärt werden, sorge für den starken Einbruch der Zahlen. Eustrups Prognose für den Winter: „Ich vermute, dass wir 10 Prozent Buchungen des Vorjahresniveaus erreichen.“

Reisebüros stellen sich auf Spätbucher-Saison ein

Daher vermutet er eine Spätbucher-Saison. „Ich bin darauf eingestellt, dass die Kunden noch den Winter abwarten und gucken, wie sich die Situation entwickelt.“

Eustrup wünscht sich von der Politik, „dass klargestellt wird, dass ein Risikogebiet nicht gleich ein Reiseverbot ist“. Denn seiner Meinung nach sei das „Infektionsrisiko in der Ferne geringer als hier in Deutschland“. Kunden, die ins Ausland gereist sind, hätten ihm gegenüber überwiegend positiv berichtet.

Gute Hygienekonzepte im Ausland

Der gleichen Meinung ist auch Kurt Hosbach vom TUI City-Reisebüro. Ausländische Hotels seien beim Hygienekonzept sehr gut aufgestellt, auch seine Kunden hätten überwiegend positive Erfahrungen gemacht. „Im Ausland läuft es perfekt“, meint Hosbach. Trotzdem könne man sich natürlich überall infizieren.

Hosbach kritisiert die Unkenntnis der Politiker. Den Aufruf, lieber in Deutschland Urlaub zu machen, kann er nicht verstehen. „Das Risiko in Deutschland ist höher, als im Ausland“, erklärt Hosbach. Denn die Hotels im Ausland seien bei weitem nicht so voll wie teilweise in Deutschland.

Bei einigen Punkten sind sich alle drei einig: Der Urlaub im Ausland sei sicherer als in Deutschland, auch weil die Abstände besser eingehalten werden können, da die Hygienekonzepte gut ausgearbeitet seien. Der Tipp der Reisebüros: Urlaub in Griechenland machen. Gerade die griechischen Inseln seien jetzt beliebte Ziele mit niedrigem Infektionsgeschehen.

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