Michael Dräger vom Reisebüro Stoffregen schaut morgens erst mal auf die Internetseite des Auswärtigen Amtes. © Oliver Schaper (Archiv)
Corona-Pandemie

Dortmunder Reise-Experte: „Keiner springt vor Freude nackt um die Palme“

Mit den kommenden Lockerungen fiebern viele Dortmunder der Urlaubssaison entgegen. In den Reisebüros keimt vorsichtiger Optimismus auf; doch ein neues Problem taucht bereits am Horizont auf.

Michael Draeger vom Reisebüro Stoffregen an der Kampstraße in der Dortmunder City fasst seinen Gemütsstand in vier Worten zusammen: „Freude ja – Jubel nein.“ Wer glaubt, dass seine wegen Corona gebeutelte Branche jetzt angesichts der erwarteten Lockerungen boomt, täuscht sich.

„Die Realität sieht noch ganz anders aus“, sagt Draeger, „keiner springt vor Freude nackt um die Palme“. Die Aussicht auf Meeresluft, Wellenrauschen, klare Bergluft oder Sightseeing in den Sommer- oder Herbstferien lasse Reiselustige noch nicht die Türen bei ihm einrennen.

Ja, es gehe bergauf, sagt er, man freue sich über eine steigende Nachfrage, Anfragen und Buchungen, doch bis zur „alten Realität“ sei es noch ein langer Weg.

Gebucht würden vor allem Urlaubziele in Spanien und Griechenland. Auch Kreuzfahrten stehen auf dem Wunschzettel der Urlaubswilligen. „Kreuzfahrten rauf und runter für das nächste Jahr“, betätigt Gabi Quiatek vom gleichnamigen Reisebüro in Hörde.

„Ich bin der Erklärbar“

„Wir haben aber jetzt nichts davon“, sagt sie und weist wie Michael Draeger daraufhin, dass die Reisebüros erst ihre Provision bekommen, wenn der Kunde seine Reise angetreten hat, die er aber aktuell aufgrund des Flex-Tarifs bis 14 Tage vor Reiseantritt ohne Angaben von Gründen stornieren kann.

Viele Kunden kämen mit den unterschiedlichen Einreise-Bestimmungen überhaupt nicht klar, sagen Quiatek und Draeger, und wagten auch deshalb noch keinen Urlaub. Quarantäne ja oder nein? Test ja oder nein? Und wenn ja, wie lange gültig?

„Ich bin der Erklärbär“, sagt Draeger. Das sei aber auch die Stärke seines Reisebüros. Beratungen seien bei ihm gebührenfrei.

Schon seit kurz nach 6 Uhr habe er am Donnerstagmorgen (27.5.) auf die Seiten des Auswärtigen Amtes geschaut. „Es ändert sich stündlich. Wenn ich Geld hätte, müsste ich jemanden dafür beschäftigten.“

Noch immer Stornierungen

Und was zum Beispiel im März 2022 ist, kann Draeger auch nicht vorhersagen, hat sich aber trotz der Misere seinen Humor erhalten: „Ich habe meine Glaskugel nicht dabei, mein Goldfisch hat heute Schwimmen.“ Den aktuellen Buchungen stünden noch immer weitere Stornierungen gegenüber.

Auch bei Lensing Reisen an der Silberstraße in der City zieht das Geschäft „grundsätzlich an“, sagt Mitarbeiterin Sibylle Dworak. Gefragte Reiseziele sind auch hier Griechenland, Spanien und Italien. Auf Fragen nach Quarantäne-Bedingungen und Vorschriften sei man bestens vorbereitet.

Hoffnung auf alte Reisefreiheit gibt auch der digitale Impf- oder Genesungsausweis, der kommen soll. Allerdings taucht in diesen Tagen ein neues Problem am Horizont auf: das der heterologen Impfung, auch Kreuz- und Mischimpfung genannt.

Probleme mit Kreuzimpfungen

„Ich beschäftige mich seit über einer Woche damit“, sagt Michael Draeger. So wird nach Medienberichten ein Mix aus Astrazenca beim ersten Piks und dem Impfstoff von Biontech beim zweiten nicht in jeder Urlaubsregion als vollwertige Impfung anerkannt. Die Rede ist vor allem von den USA. Doch es gebe noch keine offizielle Regelung, betont Draeger.

„USA ist für uns kein Thema“, sagt Gabi Quiatek. Und auch Sybille Dworak von Lensing Reisen stellt am Donnerstagnachmittag fest: „Für die USA habe ich heute noch keinen Kunden gehabt.“

Klar ist aber inzwischen, dass die Rückkehr nach Deutschland für Geimpfte und Genesene erleichtert wurde – auch für Menschen mit einer Kreuzimpfung. Für sie entfällt die Test- und Quarantänepflicht bei der Rückkehr aus Risikogebieten.

Für Michael Draeger ist eine Urlaubsbuchung erst dann ein Erfolg, „wenn der Kunde zufrieden gereist ist und wir unsere Provision erhalten.“

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle
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