Dortmunder Quarantäne-Tagebuch - Tag 7: Nichts ist, wie’s vorher war

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Corona - das bedeutet für viele Dortmunder auch: Quarantäne. Wie das ist, berichtet unsere Autorin täglich in diesem Tagebuch. Tag 7: Was hilft gegen Trägheit und Existenzsorgen?

von Felicitas Bachmann

Dortmund

, 30.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer noch kennt meine Spracherkennung auf Whats-App das Wort „Quarantäne“ nicht und tippt unverdrossen: „Karan Tenne“. Auch ich verzweifle mehr und mehr daran. Sport fehlt eindeutig, meine rührige Yogalehrerin ist kreativ geworden und schickt uns eine Übungsstunde per Whats-App. Selbst auf dem Laptop ist der Bildausschnitt nicht viel größer als Handyformat, aber es reicht dennoch für einen ordentlichen Muskelkater nach dem vielen Rumgesitze. Danke Anke, an dieser Stelle!

Auch das uralte Aldi-Trampolin habe ich beim Garage-Ausmisten wiedergefunden. Da gab es mal eine Sportart Trimmlin oder so, könnte ich doch jetzt mal testen. Könnte, denn irgendwie macht die Quarantäne auch träge: Was du heute kannst besorgen, verschiebe getrost auf morgen …renn(s)t ja nicht weg!

Existenzsorgen

An dieser Einstellung muss ich unbedingt etwas ändern, denn auch wenn ich wieder raus darf, ist bei mir nichts mehr wie es vorher war. Als selbständige Reiseleiterin hätte ich mich jetzt intensiv auf meine ersten Touren ab Mitte Mai in Griechenland vorbereiten müssen. Das kann ich mir jetzt wohl sparen. Von den Kollegen meines „Auftraggebers“, die für mich zu ständig sind, sind schon zwei Drittel entlassen worden.

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Ob das Unternehmen das überhaupt überlebt? Anspruch auf irgendwelche Hilfspakete habe ich nicht, aber wenigstens Unkosten könnte ich minimieren. Meine Krankenkasse erreiche ich telefonisch zwar wirklich schnell, aber die weigert sich, mich vorübergehend wieder in die Familienversicherung aufzunehmen. „Wir warten da noch auf eine Entscheidung, die Gremien tagen“. Super, bis die fertig getagt haben, ist dann schon April und wieder ein Monatsbeitrag abgebucht. Ich dachte, das sollte alles so sozial und unbürokratisch geregelt werden? Auch mein Mann, zwar durchaus gut beschäftigt im Homeoffice, macht sich Gedanken, wie sein Büro das langfristig verkraftet.

Sichere Heimkehr

Trotz all dieser existentiellen Sorgen gibt es auch heute wieder zwei absolute Highlights. Der Sohn landet sicher und sogar überpünktlich morgens um 6 Uhr in Frankfurt. Vor fünfeinhalb Wochen ist er nach Vietnam, Kambodscha und Thailand aufgebrochen. Da war der größte Teil der Welt noch in Ordnung. Drei Flugzeuge lang verfolgen wir auf Flightradar den Heimweg. Irgendwie hat er Glück: Seine gebuchten Flüge finden statt, während drumherum fast alles gecancelt wird. Und die Ausgangssperre in Thailand tritt just erst dann in Kraft, als er schon sicher am Abfluggate sitzt. In Frankfurt angekommen, wundert er sich, dass hier niemand mit Maske unterwegs ist und die Leute - ganz anders als in Asien - so rücksichtslos wären.

Corona-Carepaket

Das zweite Highlight ist das ultimative Corona-Carepaket meiner Freundin Heike aus Kassel: Eine selbstzusammengestellte Brotmischung, zu der ich nur noch etwas Wasser, Salz und das ebenfalls beigefügte Päckchen Trockenhefe benötige. Dazu gibt es einen Brotaufstrich, ein Piccolöchen für die Nerven und eine Tube Handcreme! Merke ich mir für den nächsten „Karan-Tenne“-Fall im weiter entfernten Bekanntenkreis. Ich würde das Päckchen dann noch mit Klopapier ausstopfen.

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Die Quarantäne, über die in dem Beitrag gesprochen wird, hat am 19.3. begonnen. Die Veröffentlichung des Tagesbuchs haben wir einige Tage später gestartet.

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