Nelson Marques betreibt im Kaiserviertel den portugiesischen Feinkost-Laden "Ola Portugal". Uns zeigt er, was man zu einem Fußballabend mit portugiesischen Snacks braucht. © Thomas Thiel
Essenstipps zu Deutschland-Portugal

Dortmunder Portugiese verrät: So vernascht man Portugal richtig

Die deutsche Elf spielt am Samstag bei der EM gegen Portugal. Ein Dortmunder Feinkosthändler verrät, was es für den perfekten portugiesischen Fußballabend braucht - zumindest kulinarisch.

Der Kunde hat es eilig: Hektisch kramt er an der Kasse Geld aus dem Portemonnaie. Nein, für Fragen habe er jetzt keine Zeit, er müsse schnell nach Hause – schließlich spiele jetzt Portugal.

Es ist kurz vor 18 Uhr an diesem Dienstag, in wenigen Minuten startet Portugal mit Megastar Cristiano Ronaldo gegen Ungarn in die Fußball-Europameisterschaft. Auch im Hinterzimmer des „Olá Portugal“, dem kleinen portugiesischen Feinkostladen im Kaiserviertel, den Nelson Marques und seine Frau Claudia Crestina seit 2015 betreiben, wird gleich der Fernseher angemacht, natürlich mit portugiesischem Kommentator. Portugal wird das Spiel 3:0 gewinnen.

Der kleine Feinkostladen
Der kleine Feinkostladen „Olá Portugal“ im Dortmunder Kaiserviertel bietet seit 2015 portugiesische Lebensmittel an. © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Diesen Samstag steht das zweite Gruppenspiel an, dann heißt der Gegner Deutschland. Für die deutsche Nationalelf ist es nach der Niederlage gegen Frankreich schon ein kleines Endspiel um das Weiterkommen in der EM.

Ob Mats Hummels und Co. die Portugiesen spielerisch vernaschen werden, ist alles andere als sicher – schließlich ist Portugal amtierender Europameister. Wer das aber zumindest kulinarisch beim Mitfiebern vorm TV schaffen will, für den hat Marques ein paar Tipps. Für uns hat der Feinkosthändler einen kleinen Korb mit klassischen portugiesischen Snacks und Getränken für einen Fußballabend geschnürt.

Die Bierwahl wird zur Glaubensfrage

Bei den Bieren dürfen ein paar kühle Flaschen „Super Bock“ und „Sagres“ nicht fehlen. In Portugal könne man anhand der Bier-Wahl häufig schnell sehen, welchem Fan-Lager jemand angehört, erklärt Marques.

Anhänger von Benfica Lissabon griffen lieber zu Sagres, während Super Bock praktisch untrennbar mit dem großen Fußballklub des portugiesischen Nordens, dem FC Porto, verbunden sei – noch stärker als Veltins mit dem FC Schalke hierzulande.

Wer eher auf Reben als auf Hopfen steht, für den empfiehlt Marques einen Vinho Verde: „ein toller leichter Sommerwein“, schwärmt er. Der vielleicht bekannteste portugiesische Wein stammt aus dem Norden Portugals und ist oft unkompliziert, frisch und riechen oft nach Äpfeln oder Birnen.

Gelbe Kerne statt Chips – und das Salz nicht vergessen!

Für die passenden Snacks greift Marques nach einem großen Kunststoffglas in einem seiner Regale. Es ist prall gefüllt mit Tremoços.

Diese Lupinenkerne – gelbe wachsartig glänzende Verwandte von Erbsen, Erdnüssen und Kichererbsen – werden bei spannenden Spielen in portugiesischen Wohnzimmern gerne in rauen Mengen gegessen. Am besten seien sie, wenn man vor dem Servieren ein bisschen mit feinem Salz würzt, rät Marques.

Die Käsetheke des
Die Käsetheke des „Olá Portugal“, oben rechts der „Queijo de Ovelha“ © Thomas Thiel © Thomas Thiel

Wem das noch ein wenig zu spartanisch als Snack ist, für den packt Marques noch einen Schafskäse in den Korb: der „Queijo de Ovelha Amanteigado“ ist so cremig, dass man ihn einfach aus der Rinde löffeln kann – was portugiesische Mütter auch gerne machen, um den Käse dick auf Pausenbrote ihrer Kinder zu schmieren. Für den Fußballabend reiche hingegen Toastbrot vollkommen, sagt Marques.

Ebenfalls nicht fehlen darf eine Chouriço, die portugiesische Variante der spanischen Chorizo, die in Portugal genauso beliebt ist wie beim größeren Nachbarn im Osten. Marques bevorzugt die südportugiesische Chouriço, die oft mit mehr Paprika gemacht wird.

Pastel (in der Mehrzahl: Pastéis) de Nata sind Portugals bekannteste Süßigkeit.
Pastel (in der Mehrzahl: Pastéis) de Nata sind Portugals bekannteste Süßigkeit. © Alice Butenco/ Unsplash © Alice Butenco/ Unsplash

Wer es eher süß als herzhaft mag, für den hat Marques einen anderen kulinarischen Klassiker zur Hand: Pastel de Nata. Die bekannten kleinen Törtchen aus Blätterteig, die mit einer Creme aus Eigelb, Zucker, Sahne („Nata“) und Mehl gefüllt sind, werden in Portugal meist mit Zimt oder Puderzucker bestreut gegessen.

So ausgestattet, könne man guten Gewissens kulinarisch ins Spiel Deutschland-Portugal gehen, meint Marques. Beim Ergebnis macht sich der 52-jährige Portugiese, der seit 25 in Dortmund lebt, jedoch kaum Hoffnung. „Deutschland gewinnt“, glaubt er. Portugal werde dieses Mal nicht weit kommen im Turnier: „Der EM-Sieg war wie ein Lotto-Gewinn, der kommt nicht wieder.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
1984 geboren, schreibe ich mich seit 2009 durch die verschiedenen Redaktionen von Lensing Media. Seit 2013 bin ich in der Lokalredaktion Dortmund, was meiner Vorliebe zu Schwarzgelb entgegenkommt. Daneben pflege ich meine Schwächen für Stadtgeschichte (einmal Historiker, immer Historiker), schöne Texte und Tresengespräche.
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Thomas Thiel

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