Ein Videobeobachtungsplatz der Polizei Dortmund. Auch Videos sind wertvolles Datenmaterial für Online-Rechercheure der Polizei. © Polizei Dortmund
Internet-Kriminalität

Dortmunder Polizei ermittelt jetzt rund um die Uhr auf Facebook, Twitter und Co.

Ob Amokläufe, Fahndungen oder Personensuche: Schon länger setzt die Polizei bei den Ermittlungen und in Einsätzen auf Facebook, Instagram und Twitter - und holt sich in Dortmund dafür Verstärkung.

Ihre Arbeitsgeräte sind PCs und Monitore, ihr Arbeitsgebiet das Internet und die sozialen Medien: Sechs Social-Media-Rechercheure treten im ersten Quartal dieses Jahres ihren Dienst im Dortmunder Polizeipräsidium an. In drei Schichten, rund um die Uhr, werden sie auf Facebook, Instagram und Twitter auf Online-Streife gehen und die Ermittler im Einsatz unterstützen.

Soziale Medien vereinen riesige Datenbestände von Fotos, Videos, Informationen und Nachrichten, die die Polizei als Recherchefundus verstärkt nutzen möchte. So sollen die Social-Media-Experten zum Beispiel Polizeibeamte mit aktuellen Fotos von vermissten Personen versorgen oder Internet-Videos sichten, wenn es eine Großlage wie einen Amoklauf gibt.

„Die Kommunikation zwischen Bürgerinnen und Bürgern auf der einen und der Polizei auf der anderen Seite via Internet und auch Social Media ist seit vielen Jahren bereits Alltag der Polizei“, erläutert Behördensprecher Peter Bandermann. Neben Gesprächen auf der Straße oder am Telefon seien elektronische Nachrichten oder Posts in sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter, Instagram, Streaming-Plattformen oder weiteren Anbietern sehr wichtige Onlinedienste für den Informationsaustausch und die Informationsgewinnung der Polizei.

Personal aufgestockt

Um das Informationsnetz aus freien Quellen, „Open Source Intelligence“ (OSINT) genannt, noch effektiver zu nutzen und den gestiegenen Anforderungen an die moderne Polizeiarbeit gerecht zu werden, hat die Dortmunder Polizei jetzt neben fünf weiteren NRW-Kriminalhauptstellen in Bielefeld, Düsseldorf, Essen, Köln und Münster das Personal um sechs Kräfte aufgestockt. Dortmund ist damit ein sogenanntes „Monitoring- und Kommunikationscenter“ (KMKC).

Zeugen von Straftaten oder auch Täter nutzten das Internet, um zum Beispiel Fotos oder Videos von Unfallsituationen oder Straftaten zu veröffentlichen, berichtet Bandermann. Mit diesen allgemein zugänglichen Daten könne die Polizei ihre Informationslage in Einsätzen verbessern. „Medium dafür ist ein täglicher Begleiter: das Smartphone. Es hat die Kommunikationsgesellschaft in den vergangenen zwei Jahrzehnten tiefgreifend verändert.“

Ursprung ist ein Forschungsprojekt

Dass Dortmund für ein KMKC ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Das Polizeipräsidium Dortmund war neben der Polizei in Osnabrück und München an dem Forschungsprojekt „Sentinel“ der Deutschen Hochschule der Polizei beteiligt. Bei dem Projekt sei es darum gegangen, die Relevanz von Online-Daten zu bewerten und daraus personelle und organisatorische Schlüsse zu ziehen, sagt Bandermann.

Die sechs professionell erfahrenen Social-Media-Rechercheure sind Zivilisten und als Regierungsbeschäftigte eingestellt. Voraussetzung für den Job bei der Polizei war laut Ausschreibung im vergangenen Herbst ein abgeschlossenes Studium zum Beispiel der Informatik oder eine Ausbildung zum „Informations-Broker“ oder Social-Media-Manager.

Ehe die Social-Media-Experten ihr spezielles Wissen einbringen – Daten identifizieren, bewerten und sichern – lernen sie zunächst in Hospitationen beim Streifendienst, auf der Kriminalwache und in anderen Dienststellen den Polizeialltag kennen. „Die Grundqualifikation für die Arbeit im GMKC erhalten sie beim Landesamt für Aus- und Fortbildung der Polizei NRW (LAFP)“, sagt der Polizeisprecher. Ihr Grundgehalt beträgt rund 3400 Euro.

Daten können auch Einsätze auslösen

Die online erkannten Daten könnten auch Einsätze auslösen, erläutert Peter Bandermann, etwa bei einem im Netz angekündigten Suizid oder aufgrund von Fotos und Videos, die Zeugen von einer Straftat oder einem Tatort ins Netz gestellt haben. Denkbar sei auch, dass die Polizei Hinweise auf einen Verdächtigen erhalte. „Die Sichtung und Dokumentation der von dieser Person selbst im Internet veröffentlichten Daten kann ebenfalls wichtig sein“, so Bandermann.

Und er hat ein weiteres Beispiel: Eine hilflose Person meldet sich bei der Polizei, aber der Kontakt reißt ab. Eine schnell angelegte Online-Recherche könne dazu führen, dass die Polizei Informationen über einen möglichen Aufenthaltsort oder weitere Kontakte erhält und die Hilfe suchende Person findet.

Mit den neuen Kollegen an ihrer Seite, so Bandermann, könnten sich die für den Polizeidienst ausgebildeten Kräfte auf ihre gesetzlichen Aufgaben – Gefahrenabwehr und Strafverfolgung – konzentrieren.

Eine Ausweitung der Social-Media-Recherche auf andere Dienststellen in NRW ist bei positiven Erfahrungen nicht ausgeschlossen.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
Zur Autorenseite
Gaby Kolle

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.