Marlies Heling arbeitet bei einem Pflegedienst und hat bereits zwei Corona-Prämien erhalten. Einen Teil möchte sie verschenken. © Oliver Schaper
Bewerbung per E-Mail

Dortmunder Pflegekraft verschenkt 200 Euro ihrer Corona-Prämie: Wer möchte?

Die Dortmunderin Marlies Heling möchte 200 Euro ihrer Corona-Prämie verschenken. Wer bisher bei den Prämien leer ausgegangen ist, kann sich bei ihr melden: Egal ob Einzelperson oder Team.

Marlies Heling ist eine Frau klarer Worte: „Mir geht es darum, dass es Leute gibt, die nichts bekommen haben, obwohl sie ackern wie ein Pferd.“ Die Rede ist von Menschen, die im Pflegesektor mit Corona-Patienten arbeiten. Und die bei den Prämienzahlungen leer ausgegangen sind.

Die Dortmunderin arbeitet bei einem Pflegedienst und hat bereits zum zweiten Mal eine Corona-Prämie erhalten. Im Sommer 600 Euro, jetzt 400 Euro. Und da die 57-Jährige gehört hat, dass es insbesondere in Krankenhäusern Pflegekräfte gibt, die gar keinen Corona-Bonus bekommen haben, möchte sie 200 Euro ihrer zweiten Prämie verschenken.

Kurze „Bewerbung“ per E-Mail

Melden kann sich jeder, der in der Pflege direkt mit Corona-Patienten zu tun hat, dessen Arbeitsalltag dadurch anstrengender geworden ist – und der keine Corona-Prämie erhält. Einzelpersonen, aber auch ganze Teams, die sich auf ihrer Station dann vielleicht gemeinsam eine Pause mit Pizza gönnen.

Wer Interesse hat, schreibt bis zum 31.12.2020 eine E-Mail marlies.heling@gmail.com mit einer kurzen Beschreibung wer er ist, wo er arbeitet und wie Corona den Arbeitsalltag belastender gemacht hat.

„Vielleicht gibt es Alleinerziehende, deren Alltag eh schon anstrengend und deren finanzielle Lage angespannt ist. Oder jemand, der auf einer Station arbeitet, auf der man kaum noch Luft zum Atmen hat, weil die Auslastung so hoch ist.“ Wichtig ist ihr: „Es soll da ankommen, wo die Leute stark belastet sind.“

Offizielle „Corona-Prämie“ nur am Klinikum Dortmund

In Dortmund selbst bekommt nur das Klinikum Dortmund die offizielle Corona-Prämie, für die die Krankenkassen bundesweit 100 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Die Anfrage, nach welchem Schlüssel welche Angestellten davon profitieren, hat das Klinikum noch nicht beantwortet.

Angestellte anderer Krankenhäuser in Dortmund profitieren aber teils von anderen Einmalzahlungen – über Tarifverträge oder den Caritas-Verband sind Corona-Sonderzahlungen möglich.

Nicht überall gibt es aber solche Alternativ-Lösungen. Unter anderem der WDR berichtete, dass im Ruhrgebiet viele Pflegekräfte leer ausgehen. Da setzt Marlies Heling mit ihrer Idee an, einen Teil ihrer Prämie zu verschenken.

Corona kann auch emotionale Belastung sein

Sie weiß, wovon sie redet: Sie arbeitet bei einem Pflegedienst im Bereich Hauswirtschaft. Abstand halten ist da einigermaßen möglich – belastend ist Corona trotzdem: „Es ist stressig, stundenlang mit der Maske rumzulaufen. Und es ist sehr traurig: Viele, die eh schon einsam sind, sind jetzt noch einsamer.“

Viele hätten großen Gesprächsbedarf – der im Widerspruch zu den engen Zeitvorgaben der Pflegedienst-Mitarbeiter steht. „Das ist auch eine Belastung.“

Über die Autorin
Redakteurin
1983 im Münsterland geboren, seit 2010 im Ruhrpott zuhause und für die Ruhr Nachrichten unterwegs. Ich liebe es, mit Menschen ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen und vor allem: zuzuhören.
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Jessica Will

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