Pferderennen ohne Publikum: Ausbeutung von Tieren oder kein Risiko?

dzWambeler Galopprennbahn

Auf der Galopprennbahn in Dortmund-Wambel wird es ein Pferderennen ohne Zuschauer geben. Eine unnötige Quälerei finden das Tierschützer. Experten kommen aber zu einem ganz anderen Schluss.

Dortmund

, 20.06.2020, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Pferderennen ohne Zuschauer: Am Samstag (20. Mai) geht es zum zweiten Mal in diesem Jahr auf der Galopprennbahn in Wambel vor weitgehend leeren Tribünen um den Sieg. Ohnehin aufgrund der Corona-Maßnahmen gebeutelt, sieht sich der Dortmunder Rennverein nun auch noch harscher Kritik ausgesetzt: Die Tierrechtsorganisation Peta fordert ein „Ende der Ausbeutung von Rennpferden“ und verurteilt die Dortmunder Veranstaltung aufs Schärfste. Doch das will der Dortmunder Rennverein nicht auf sich sitzen lassen.

Finanzierung der Rennindustrie

„Dass der Tierqualsport sogar in der aktuellen Ausnahmesituation stattfinden soll, zeigt einmal mehr, dass die Rennen vor allem für Zocker veranstaltet werden, die die Rennindustrie finanzieren sollen“, sagt Jana Hoger, Fachreferentin bei Peta. Rennställe, Rennvereine und Verbände hätten ein System etabliert, in dem Pferde als Sportgeräte missbraucht und mit Peitschenschlägen zu Leistungen angetrieben würden, denen sie körperlich nicht gewachsen seien.

So würden Pferde gezwungen, Risiken einzugehen, die sie freiwillig niemals auf sich nehmen würden. Und diese Überlastung führe häufig zu Stürzen mit Brüchen oder zu Aortenabrissen, bei denen die Hauptschlagader des Herzens reißt und das Tier innerhalb kurzer Zeit stirbt.

Diesen Peta-Aussagen widerspricht Andreas Tiedtke, Präsident des Dortmunder Rennvereins, vehement: „Das Risiko ist für Pferde auf der Rennbahn nicht höher als auf der Koppel. Wenn beispielsweise Jährlinge auf der Koppel sind, dann geben die irgendwann Gas. Das ist eine ganz natürliche Bewegung.“

Das gleiche gelte für die freie Natur, denn schließlich handele es sich ja um Fluchttiere. „Wenn ein Pferd in der Steppe Kasachstans in bestimmten Situationen nicht sehr schnell läuft, dann wird es von Wölfen gefressen“, sagt Tiedtke.

Und die Verantwortlichen vor Ort wüssten genau, wie sie richtig mit den Tieren umzugehen hätten: „Die Trainer haben eine Meisterprüfung abgelegt. Und in dieser Prüfung nehmen der artgerechte Umgang und die artgerechte Haltung einen großen Teil ein.“

Expertenmeinung

Zwei konträre Meinungen, zu der sich eine dritte gesellt: Auf Anfrage bezog auch der Vorstand der Gesellschaft für Pferdemedizin (GPM), der Interessenvertretung der in der Pferdemedizin tätigen Tierärzte, zu dem Thema Stellung.

Andreas Tiedtke, Präsident des Dortmunder Rennvereins, hier ein Archivbild, betont, dass auf das Tierwohl geachtet werde.

Andreas Tiedtke (links), Präsident des Dortmunder Rennvereins, hier ein Archivbild, betont, dass auf das Tierwohl geachtet werde. © Stephan Schuetze (A)

„Der Pferdesport mit Wettkämpfen im Allgemeinen dient nicht nur der Freude oder im Berufssport nicht nur finanziellen Gesichtspunkten. Dies gilt auch im Galopprennsport, welcher hier durch Peta angegriffen wird“, heißt es in der GPM-Stellungnahme.

Für die Rasse Englisches Vollblut, die in erster Linie bei Galopprennen im Einsatz ist, gebe es sowohl deutsche als auch europäische tierzuchtrechtliche Regeln. „Beide Rechtsnormen verlangen die Durchführung von Leistungsprüfungen“, teilt die GPM mit; und bei Englischen Vollblutpferden werde dabei die Geschwindigkeit auf fest definierten Strecken geprüft: „Jedes Galopprennen ist somit in erster Linie eine Leistungsprüfung, dem sich ein Pferd dieser Rasse stellen muss.“

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Dass die Tiere auch außerhalb der Rennveranstaltungen flott unterwegs sind, bestätigt eine weitere GPM-Aussage: „Schnell rennende Pferde finden wir auch auf einer Koppel und, wenn dies möglich wäre, auch über eine vergleichbare Distanz.“ So könnten - wie auch im Galopp-Rennsport - bei der Weidehaltung von Pferden ebenfalls Verletzungen auftreten.

Tierschutz im Mittelpunkt

Auf die „von Peta in den Raum geworfenen Behauptungen“ möchte die Gesellschaft nicht im Einzelnen eingehen. Doch die GPM stellt klar, dass die Tierärzte sich jeden Tag bemühen, das Verletzungsrisiko so gering wie möglich zu halten und die Leistungsfähigkeit des Sportpartners Pferd zu beurteilen. „Die Frage des Tierschutzes steht dabei immer im Mittelpunkt.“

Wettbranche nur ein kleiner Anreiz

Auch zu der Peta-These, die Rennen würden vor allem für Zocker veranstaltet, bezieht die Gesellschaft für Pferdemedizin Stellung. Die schon seit Jahrhunderten um den Pferderennsport etablierte Wettbranche habe laut GPM für die Rennvereine nur einen kleinen Anreiz. Für die Vereine sei nur die - aufgrund der Kontaktbeschränkungen derzeit verbotene - Wette vor Ort auf der eigentlichen Rennbahn wirtschaftlich interessant: „Das Geld internationaler Wettbüros landet nicht in der deutschen Vollblutzucht.“
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