Dortmunder Neonazis bei Mahnwache der „Fridays gegen Altersarmut“

dzReinoldikirche

Nach virtuellen Diskussionen im Vorfeld haben Mitglieder von „Fridays gegen Altersarmut“ nun demonstriert. Die Frage, ob die Gruppe von Rechtsextremen unterwandert wird, wurde beantwortet.

von Marc Dominic Wernicke, Felix Guth

Dortmund

, 24.01.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor der Reinoldikirche und am Platz an der Schlanken Mathilde kamen am Freitag (24. Januar) jeweils rund 30 Menschen zusammen. Unter dem Label „Fridays gegen Altersarmut“ demonstrierten sie für ein in ihren Augen gerechteres Rentensystem.

Unter die Demonstrierenden bei der Kundgebung in der Innenstadt mischten sich mehrere Mitglieder der Neonazi-Partei Die Rechte. Im Vorfeld war diskutiert worden, ob die im Internet entstandene Bewegung von Rechtsextremen unterwandert ist.

Gleichgültigkeit über Neonazis

Die Gruppe beschreibt sich selbst als politisch neutral. Bei Facebook, wo sich rund 300.000 Profile der Bewegung angeschlossen hatten, waren allerdings Mitglieder mit rechten Positionen aufgefallen. Das hatte innerhalb von „Fridays gegen Altersarmut“ im Vorfeld für eine Spaltung gesorgt. Sozialverbände und Gewerkschaften hatten vor der Bewegung gewarnt.

Die Anwesenheit von Rechten an der Reinoldikirche quittierten die Demonstranten mit einer Mischung aus Gleichgültigkeit und händeschüttelnder Vertrautheit. Als ein Demonstrant andere Beobachter der Demo erblickte, kommentierte er das mit den Worten: „Die Spastis von der Antifa sind auch schon da.“

Die Partei Die Rechte, mit einem Sitz im Dortmunder Stadtrat vertreten, hatte ihre Mitglieder im Internet zur Teilnahme an der Demonstration aufgerufen. Bundesweit hatte die AfD die „Mahnwachen“ an diesem Freitag unterstützt.

Der ursprüngliche Anmelder der Demonstration an der Reinoldikirche hatte kurzfristig seine Teilnahme aus persönlichen Gründen abgesagt. Inhaltlich ging es um Themen wie eine solidarische Grundrente, um Wirtschafts- und Steuerpolitik, den Niedriglohnsektor, die Agenda 2010 und allgemeine Politikverdrossenheit.

Dortmunder Neonazis bei Mahnwache der „Fridays gegen Altersarmut“

Eine Teilnehmerin der Mahnwache in Hörde. © Marc Wernicke

Mahnwache in Hörde mit 30 Teilnehmern

Auf dem Platz an der Schlanken Mathilde in Hörde war Martin Lappa Anmelder der Mahnwache. Es sei für ihn die erste Demo-Erfahrung überhaupt. Das Thema Altersarmut berühre ihn sehr. „Ich bin seit zwei Jahren in Rente und verdanke es allein meiner fleißigen Frau, dass ich keine Flaschen sammeln muss“, behauptet er.

Jetzt lesen

Lappa betonte, „dass hier keine Rechten sind“ und dass man Rechte ohnehin „scheiße“ finde. Viele Menschen seien von einer Teilnahme abgeschreckt worden, weil „die Medien“ der Sache im Vorfeld rechte Motive unterstellt hätten. Lappa gestand zu, dass es in der Facebook-Gruppe bei 300.000 Mitgliedern gewiss auch rechte Stimmen gebe, von denen er und die in Hörde Anwesenden sich aber explizit distanzieren würden.

Viele der Anwesenden hätten sich nur mit der Forderung „gegen Altersarmut“ solidarisiert und wollten niemanden ausschließen. Lappa habe auch die christlichen Gemeinden und die muslimische Gemeinde eingeladen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt